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Neueste Zeit (Abt. 3)

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Bibliographic data

fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Multivolume work

Identifikator:
1892063557
Document type:
Multivolume work
Author:
Lamprecht, Karl http://d-nb.info/gnd/118569015
Title:
Deutsche Geschichte
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Gaertner
Year of publication:
1891-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1892073072
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-237292
Document type:
Volume
Author:
Lamprecht, Karl http://d-nb.info/gnd/118569015
Title:
Neueste Zeit
Volume count:
Abt. 3
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Weidmann
Year of publication:
1909
Scope:
IX S., S. [361] - 749
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Deutsche Geschichte
  • Neueste Zeit (Abt. 3)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Kapitel. Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage
  • Viertes Kapitel. Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage
  • Fünftes Kapitel. Ursprung, Verlauf und Ausgang des Kulturkampfs

Full text

362 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Morgenmusiken der Militärkapellen in bester Erinnerung: bis 
der Ernst des Kampfes, fern von meiner Heimat, sich in den 
furchtbar-schnellen Schlägen entlud, von denen die Zeitungen 
berichteten, und ich mir täglich in vorzeitiger Stunde die „Kreuz⸗ 
zeitung“ von der Post holte, um sie am verschwiegenen Orte, 
in dem Wipfel eines alten Kastanienbaumes, zu lesen, noch 
vor meinem Vater, der inzwischen sein Mittagsschläfchen ab— 
hielt. Im Jahre 1870 aber war ich mit vierzehn Jahren schon 
ein leidlich verständiger Gesell; und so fuhr mein Vater, der 
große geschichtliche Augenblicke gern mitschauend erlebte, mit 
mir und einem Vetter einige Tage vor der Kriegserklärung eigens 
nach Berlin, damit wir die Erhebung der Nation am klassischen 
Ort mit voller Seele in uns aufnehmen möchten. So habe 
ich die zunehmende Erregung der unheildrohenden Tage be— 
obachten dürfen; denn all die Zeit hindurch war der Vater, 
obwohl sechsundsechzigiährig, mit uns auf den Beinen, am 
Tage in den Straßen und auf den Bänken unter den Linden, 
des Abends in Biergärten, Kneipen, Restaurants, Theatern, 
deren wir zwei bis drei und mehr an jedem Abende besuchten. 
Und unvergessen sind mir die Eindrücke dieser Tage bis ins 
kleinste: das Feiern der Arbeiter, das erste Ertönen anfangs 
des Pariser Einzugsmarsches, dann der Wacht am Rhein, die 
Begeisterung bei Kroll, wo Lortzings „Undine“ unter Einlegung 
vaterländischer Lieder gespielt wurde und unglaublichen 
Enthusiasmus entfesselte — der atemlose Augenblick, da, von 
der Friedrichstraße her, an der Ecke der Kranzlerschen Konditorei 
unter den Linden vorwärts drängendes halbwüchsiges Volk in 
wildem Rufe verkündete, daß der Krieg soeben erklärt sei. 
Danach hieß es freilich schleunigst an die Heimfahrt denken, 
denn schon galt die kriegsmäßige Ordnung der Bahnzüge; mit 
Mühe gelangten wir nach Hause, aus Kasernenfenstern fliegenden 
üͤberflüssigen Hausrat der ausziehenden Truppen als letzte Er— 
imnerung an unvergeßliche Stunden im Kopfe. 
Natürlich drängte auch ich in den Krieg; mit Mühe redete 
mein Vater mir aus, mich bei irgendeiner Truppe zu melden — 
übrigens würde ich wegen mangelnden Alters natürlich ab—
	        

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Neueste Zeit. Weidmann, 1909.
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