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Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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Bibliographic data

fullscreen: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

Monograph

Identifikator:
826042163
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-35589
Document type:
Monograph
Author:
Kolb, Georg Friedrich http://d-nb.info/gnd/118564765
Title:
Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde
Edition:
4. umgearb. Aufl.
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Felix
Year of publication:
1865
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 548 S.)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde
  • Title page
  • Contents

Full text

494 
ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit. 
stituirt oder sichere Schlüsse von dem einen auf den andern gezogen werden. 
Will man die Sterblichkeit verschiedener Völker oder die Sterblichkeit eines 
und desselben Volkes in verschiedenen Perioden mit einander vergleichen, so 
kann dies nur geschehen auf Grund einer zuvor für jedes Volk, resp. für jede 
Periode construirten genauen Sterblichkeitsliste obiger Form und auf Grund 
der daraus für jedes Alter abgeleiteten mittleren Lebensdauer. Die Anwendung 
anderer Vergleichungsmomente führt zu unsicheren Resultaten. Da solche Ver 
gleichungen gleichwol häufig vorgenommen werden, so wollen wir die Trüglich- 
keit derselben durch einige Beispiele anschaulich zu machen suchen. 
Gesetzt, das Sterblichkeitsverhältniss bei den oben (S. 492) aufgeführten 
Völkerschaften wäre ein völlig gleiches, es ginge daher in einer und derselben 
Altersclasse bei allen jährlich ein gleiches Procentmaas durch den Tod ab, so 
würden doch, wenn man nach irgend gewählten Procentsätzen die Sterblichkeit 
berechnete, die dadurch gefundenen Todten für die verschiedenen Länder ver 
schiedene Sterblichkeitsziifern und ein verschiedenes Durchschnittsalter ergeben, 
und zwar aus dem Grunde, weil die Lebenden sich auf die verschiedenen Alters- 
classen nicht in allen Ländern nach derselben Pronortion vertheilen. Die nu 
merische Verschiedenheit kann eine sehr bedeutende sein. Vergleichen wir z. B. 
Frankreich und Norwegen mit einander und nehmen an, dass die Sterblichkeit 
in beiden Ländern genau nach dem Gesetze erfolge, welches die obige Sterb 
lichkeitsliste von Quetelet für Belgien und zwar für Männer ausdrückt, wonach 
das mittlere Sterblichkeitsprocent für die Altersclasse von 0—4 Jahren = 0,8, 
von 5—9 Jahren = 1, von 10—14 Jahren = 0,5 u. s. w. ist, so würden in Frank 
reich von 10,000 Personen nur 250, in Norwegen dagegen von derselben Zahl 
202 sterben, mithin die Sterblichkeitsziffer für ersteres Land 40, für letzteres 
nur 38,17 betragen. In Frankreich würden, nach dem mittleren Durchschnitte 
der Alterscla,ssen berechnet, alle 250 Gestorbene 9487,5 Jahre, in Norwegen die 
202 Gestorbenen dagegen nur 8421,5 Jahre durchlebt haben , mithin würde das 
Durchschnittsalter der Gestorbenen für Frankreich sich auf 37,95 Jahre, für 
Norwegen nur auf 32,14 Jahre berechnen. Welche Verschiedenheit dieser Zif 
fern bei völlig gleichem Sterblichkeitsverhältnisse ! 
Umgekehrt kann bei ein und demselben Volke sich das Sterblichkeitsver 
hältniss ändern, ohne dass die Sterblichkeitsziifer die geringste Aendcrung er 
fährt. Es ist dies der Fall, wenn in einer Altersclasse so viel mehr Personen 
sterben, als in einer anderen dem Tode wenige r unterliegen. Die Gesammt- 
zahl der Gestorbenen ist dann dieselbe, mithin bleibt sich auch das Verhältniss 
derselben zur Zahl der Lebenden oder die Sterblichkeitsziifer gleich. Findet in 
solchem Falle die geringere Sterblichkeit in den jüngeren Jahren statt und 
bleibt sie auf diesem Maase stehen, so wird dadurch die mittlere Lebensdauer 
verlängert, findet dagegen die grössere Sterblichkeit in den jüngeren Alters- 
classen statt, so wird die mittlere Lebensdauer verkürzt. Im ersteren Falle 
wachsen nämlich die zwischen den beiden Wendepunkten gewonnenen Le 
bensjahre der ganzen Bevölkerung zu, in letzterem gehen die zwischen diesen 
Wendepunkten ausgefallenen Lebensjahre derselben verloren, ohne sich wieder 
zu ersetzen. 
Es kann endlich der Fall eint reten, dass in den jüngeren Altern die Sterb 
lichkeit geringer wird, während sie in den höheren Altersclassen sich in solchem 
Grade vermehrt, dass die durch letzteren Umstand der ganzen Bevölkerung 
verloren gehenden Lebensjahre genau so viel betragen , wie die durch mindere 
Sterblichkeit in den jüngeren Jahren gewonnenen. In diesem Falle bleibt die 
mittlere Lebensdauer für die Zeit der Geburt und die folgenden Altersclassen 
bis dahin, wo die Aenderung eintritt, offenbar dieselbe, (Tenn die Summe der 
von der ganzen Völkerschaft durchlebten Jahre wird durch die sich compensi- 
renden Abweichungen nicht alterirt. Um aber jenes Verhältniss herbeizuführen, 
muss im höheren Alter eine viel grössere Zahl von Personen mehr sterben, als 
in den jüngeren weniger mit Tode abgehen. Dies wird die Sterblichkeitsziffer 
oder das Verhältniss der Zahl der Gestorbenen zur Bevölkerung erhöhen, — 
was Viele als ein Zeichen verkürzter Lebensdauer ansehen. Das Durch 
schnittsalter der Gestorbenen wird aber durch die grössere Zahl der im vorge 
rückten Alter Gestorbenen erhöht, was Vielen als ein untrügliches Zeichen ver 
längerter Lebensdauer gilt. Gleichwol ist die mittlere Lebensdauer genau
	        

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Handbuch Der Vergleichenden Statistik- Der Völkerzustands- Und Staatenkunde. Felix, 1865.
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