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Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

Monograph

Identifikator:
832651257
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-63075
Document type:
Monograph
Author:
Devas, Charles S. http://d-nb.info/gnd/124362435
Title:
Grundsätze der Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Freiburg
Publisher:
Herder
Year of publication:
1896
Scope:
1 Online-Ressource (XXIII, 521 S.)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Grundsätze der Volkswirtschaftslehre
  • Title page
  • Contents

Full text

32 
I. Buch. Production und Consumtion. 
Immerhin muß festgehalten werden, daß sich ein solcher Wechsel im wirt 
schaftlichen Charakter einer Nation nur langsam vollzieht, daß der Verfall und 
die Ausbildung anerzogener und jahrhundertelang bethätigter Fähigkeiten nicht 
mit einemmal zu Tage tritt. Die socialen und die ökonomischen Verhält 
nisse sind gleich den religiös-sittlichen weit inniger mit dein Leben der Völker 
nnd Nationen verwachsen als die politischen. Man blicke z. B. ans Frank 
reich. Wie viele politische Umwälzungen hat dieses Land seit einem Jahr 
hundert durchgemacht! Noch immer aber ist seine Bevölkerung in ihrer Mehr 
heit katholisch, noch immer ragt sie durch bedeutende Leistungen auf dem Ge 
biete der Industrie, durch guten Geschmack, durch solide Handelsgewohnheiten 
n. s. w. hervor. Wie in den Tagen Ludwigs XIV. kommen die Moden 
noch immer größtentheils aus Paris. Ja in gewissen Theilen des Landes, 
namentlich im Süden, streitet die bäuerliche Sitte noch immer gegen die un 
heilvolle Gleichtheilung unter den Erben, wie sie die große Revolution zum 
Gesetze erhoben hat. 
Und hat nicht auch das deutsche Volk ungeachtet aller, wenn auch nicht 
so radical wie in Frankreich, so immerhin sehr tief greifenden Umgestaltungen 
der politischen Ordnung großentheils an seinen altererbten Gewohnheiten fest 
gehalten^ Existiren nicht in Deutschland noch immer bebeutcnbe Reste uralter 
Nationaltrachten? Hat sich der altgermanische Zug des Sippen-und Gilden 
wesens nicht in zahllosen, nicht nur geselligen, sondern auch wirtschaftlichen Ver 
einigungen, die so vieles Gute gewirkt, lebendig erhalten? 
Wie die Vorzüge, sind aber auch die Mängel des nationalen Charakters 
nicht leicht umzugestalten. Atan vergegenwärtige sich, wie Spanien schon seit 
dem Ende des 16. Jahrhunderts wirtschaftlich daniederliegt, und wie diese in 
mancher Hinsicht so hoch begabte Nation dnrch Mangel an wirtschaftlichem Sinn, 
durch weit verbreitete industrielle Indolenz und theilweise auch dnrch veraltete 
Routine im Ackerbau noch immer zurückgeblieben und arm ist. Der alte 
kriegerische Sinn und die vornehmen Passionen, die Cervantes im Don Quixote 
so trefflich ironisirt hat, bethätigen sich zwar mangels der nöthigen Mittel 
nicht mehr in ruhmvollen Kriegen, aber in schädlichen Pronunciamientos und 
in dem überflüssigen Zudrang zur Beamtenlaufbahn. So lassen sich aus dem 
Leben aller Völker und Staaten zahlreiche Beispiele dafür beibringen, mit 
welcher Langsamkeit sich die Umgestaltung der nationalen Anlagen namentlich 
arif wirtschaftlichem Gebiete vollzieht. 
Innerhalb der Nationen werden wir gewahr, wie, abgesehen von der 
Verschiedenheit der Begabung nach Alter, Geschlecht und individuellen Eigen 
schaften, ganze Klassen der Bevölkerung und die Einwohner gewisser Gegen 
den dnrch dauernden Mangel an geeigneter Nahrung, gesunder Behausung und 
genügender Ruhe und Erholung unter dem allgemeinen Niveau stehen. In-
	        

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Grundsätze Der Volkswirtschaftslehre. Herder, 1896.
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