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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

Object: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
861747917
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-44176
Document type:
Monograph
Author:
Vandervelde, Emile http://d-nb.info/gnd/118803905
Title:
Die Entwickelung zum Socialismus
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Verlag der Socialistischen Monatshefte
Year of publication:
1902
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil - Die capitalistische Concentration
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Häute 
157 
Häute 
und Fischschuppen. Als durchsichtiger Körper 
liefert sie Leim- oder Glaspapier, das zu Durch 
zeichnungen und zum Bedrucken mit Bildern 
gebraucht wird. Als Glanzstoff wird sie zum 
Appretieren von seidenen und anderen feinen 
Zeugen und Bändern benutzt. Den stärksten 
Verbrauch aber hat sie als Klärmittel für trübe 
Biere' und Weine, denen sie im aufgequellten 
Zustande beigemischt wird. Die russische Ware 
gelangt in den Handel entweder in Ballen von 
Jo Pud (i Pud = 16,38 kg) oder in Fässern von 
12—14 Pud, in denen sie, in grobe Säcke ver 
packt, enthalten ist. Als sog. künstliche H. 
kommen Erzeugnisse in den Verkehr, zu deren 
Herstellung nicht nur die Blase, sondern auch 
Haut, Magen und Därme großer Fische zu einer 
Gallerte verkocht und dann zu dünnen Blättern 
getrocknet werden. Sie bilden ein geringwerti 
ges Material für Fischleim. 
Häute (frz. Peaux brutes, Cuirs en poil, engl. 
Hides) nennt man die äußeren Umkleidungen 
tierischer Köfper, und zwar im Handel haupt 
sächlich diejenigen aller größeren Tiere, wäh- 
r end die kleinerer Tiere Felle genannt werden. 
So sagt man Riiiderhaut, Roßhaut, Eselshaut, 
dagegen Kalbfell, Hasenfell und Ziegenfell. 
Auch werden sämtliche Rauchwaren als Felle 
bezeichnet. Unter Häuten versteht man nur 
die rohe, unbearbeitete Ware, die fast aus 
schließlich zum Gerben bestimmt ist. Gegerbt 
beißen sie Leder. Die wichtigsten im Handel 
v orkommenden Häute sind Rinder-, Roß- und 
Büffelhäute. Mit Ausnahme der kleineren und 
schwächeren ostindischen und ähnlicher Sorten 
Werden Ochsen- und Kuhhäute überseeischer 
Abkunft, die von Herden stammen und großen 
teils mit Brandzeichen versehen sind/meist zu 
Sohlenleder, die von europäischem, im Stall 
a ufgewachsenem Vieh aber auch zu Riemen- 
JJJJd Sattlerleder gegerbt. Während die Häute 
v on europäischem Vieh meist von den Schlach 
tern direkt in die Hände der Gerber übergehen, 
bilden die überseeischen Häute (Wildhäute) 
einen bedeutenden Handelsartikel, der von allen 
Weltteilen nach Europa und den Vereinigten 
Staaten eingeführt wird. Die Wildhäute kommen 
a nf dreierlei Art zum Versand: 1. trocken. 
Hie Trocknung gelingt gut bei scharfer Luft, 
fahrend bei wechselndem Tau, Regen und 
Sonnenschein nur mit größter Sorgfalt Be 
schädigungen, besonders durch Sonnenbrand, 
^ctmieden werden können. Trockne Häute sind 
bei langer Beförderungsdauer, namentlich aus 
beißen Gegenden, in hohem Grade durch Wurm- 
ttaß gefährdet. 2. trocken gesalzen, d. h. 
a ach dem Schlachten auf der Fleischseite mit 
balz (teilweise auch Salpeter) eingerieben und 
bann an der Luft getrocknet. Diese hauptsäch- 
f c h in Brasilien, Madagaskar und Mauritius üb- 
‘che Behandlung erhöht das Gewicht nahezu 
Un J die Hälfte, aber die Ware erhält sich gut, 
JbJd nur etwa vorherrschender Salpeter bewirkt 
bi; 
steilen Erhitzung oder Fäulnis. 3. grün ge- 
gj 2 en, naß gesalzen oder in Kissen gesalzen 
e i® rart 'g c H, werden zwischen Salzschichten 
^mge Tage aufgestapelt, bis das Blut 
und 
asser abgelaufen ist, dann mit einigen Kilo- 
g atnm Salz, das auf beiden Seiten anhängen 
ei bt, in ein Bündel zusammengefaltet und ein 
geschnürt. Solche Häute behalten jahrelang ihre 
Frische und Geschmeidigkeit und sind für Sohl 
leder ganz besonders geeignet. Das Gewicht 
einer grün gesalzenen Haut beträgt fast das 
Doppelte einer trockenen, der Wert ist jedoch 
ein relativ höherer wegen ihrer Frische und der 
Gewißheit, daß sie gut erhalten ist. Die trotz 
dem bisweilen vorkommenden Beschädigungen, 
wie Schnitte, Löcher, wunde Haarseite und 
dergl. sind ohne weiteres erkennbar. Dieser 
Art des Salzens bedient man sich meist in den 
La-Plata-Staaten und anderen Teilen Südameri 
kas, aber auch in Australien und am Kap der 
guten Hoffnung. — Von den Exportplätzen 
roher Wildhäute nimmt Buenos Aires den ersten 
Rang ein, dann folgen Montevideo und Rio 
Grande, die Erzeugnisse von nahezu gleicher 
Güte liefern, ferner Rio de Janeiro-, Bahia, Per- 
nambuko, Ceara, Valparaiso, Lima, Para, Callao, 
Marakaibo, Kapstadt, Sidney und Melbourne. Bis 
weilen werden aber auch, meist durch Futter 
mangel oder Seuchen veranlaßt, Massenschlach 
tungen in solchen Ländern .vorgenommen, deren 
Ausfuhr sonst nicht belangreich ist, so z. B. in 
den 60er Jahren in Marokko, später in Tunis 
und Algier, neuerdings in China und Arabien. 
Nordamerika ist hingegen, wegen seiner rasch 
entwickelten Lederindustrie, zu einem Einfuhr 
lande geworden, so daß es jetzt auf die Preise 
in Europa einen maßgebenden Einfluß ausübt. 
Roß häute oder Pferdehäute f nden nur 
zu Schuh- oder Stiefeloberleder Verwendung. 
Sie gelangen neben den beträchtlichen Er 
trägnissen europäischer Abdeckereien und Roß 
schlächtereien hauptsächlich aus den La-Plata- 
Staaten, in geringeren Mengen auch aus Austra 
lien, Rußland und Nordamerika zur Einfuhr. 
Büffelhäute, die hauptsächlich in den Ver 
einigten Staaten von Nordamerika, seltener in 
England und Deutschland, wie die Ochsen- und 
Kuhhäute, zu Sohlenleder gegerbt Werden, sind 
billiger, aber auch dicker und schwerer, von 
lockerem Gefüge und überhaupt geringerer Güte 
als die Rinderhäute. — Ostindische Häute 
(Kips — von Kip, eine kleine Rindhaut) sind 
von den besprochenen Wildhäuten wesentlich 
verschieden. Sie werden, weil schwächer und 
geschmeidiger, fast nur zu Oberleder gegerbt, 
ersetzen sowohl das schwache Kuhleder wie 
das starke Kalbleder und sind auch bei guter 
Gerbung von eher noch größerer Dauerhaftig 
keit. Marktstiefel und Schuhe werden meist aus 
Kips gefertigt. Die ostindischen Häute ent 
stammen, der religiösen Vorschrift, kein Tier zu 
töten, entsprechend, meist von gefallenem Vieh 
und kommen nach äußerlicher Behandlung mit 
Salz, Kalk oder Kot über Kalkutta, Bombay, 
Madras, Kurrachee und Kochin in den Handel. 
Die hauptsächlichsten Sorten, die in Kalkutta 
zur Verschiffung gelangen, sind: Northwestern, 
Dacca, Hoogly, Kalkutta,. Durbangah, Patna, 
Burdwan, Cuttae, Ganjam, Gopaulpore und 
Bimlipatam. Neuerdings werden viele der besten 
H., besonders Delhi- undLucknow- und anderer 
Northwestern-Sorten zum Schutze gegen Vv'urm- 
fraß mit Arseniklösung zugerichtet, doch ist 
dieses Verfahren ziemlich kostspielig, ohne hin 
reichende Gewähr zu bieten. Eselshäute aus 
Italien, Frankreich und Spanien werden zu
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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