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Russlands Bankerott

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Bibliographic data

fullscreen: Russlands Bankerott

Monograph

Identifikator:
869807978
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-400
Document type:
Monograph
Title:
Russlands Bankerott
Place of publication:
Berlin-Charlottenburg
Publisher:
Plutus Verlag
Year of publication:
1906
Scope:
1 Online-Ressource ([5] Blatt, 125 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
III. Polemilches.
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Russlands Bankerott
  • Title page
  • Contents
  • I. Zur Warnung.
  • II. Beiträge zur Zeitgeschichte.
  • III. Polemilches.

Full text

110 
Olle Kamellen. 
ein anderer Martin in der Burgstraße populär: eiu Kaiserlicher Re 
gierungsrat, der früher im Reichsamt des Innern und jetzt im Sta 
tistischen Amt tätig ist und ein Buch über die Zukunft Rußlands und 
Japans geschrieben hat. Und wenn man jetzt den Bankkommis nach 
„Martin" fragt, so wird er fuchsrot und schreit den Frager an: „Was 
kann an dem sein? Der verkehrt ja nur in Berlin W. und möchte gern 
reich heiraten." Machst du aber den Kommis durch Aeußerungen des 
Zweifels ganz wild, so tischt er dir sicher die schon manch anderem an 
gehängte Anekdote auf — der Herr Regiernngsrat habe sich neulich, 
als er seine Tischdame bei der Suppe fragte, ob sie noch Geschwister 
habe, zur Antwort sagen lassen müssen: „Ja, bei uns geht es in fünf 
Teile." 
Komisch, komisch! Seit wann hält man es an der Börse für 
schimpflich, in Berlin W. zu verkehren, gern reich heiraten zu wollen 
und sich bei seiner Tischdame so ganz direkt nach den Potenzen ihres 
Herrn Bakers zu erkundigen? Als ob man nicht auch einen echt ge 
tauften Regierungsrat im Tiergarten gern als Freier sähe! Was tat 
euch denn gerade dieser Regierungsrat? 
Um es kurz zu sagen: Man klagt ihn der Geschäftsstörung, des 
Börsensriedensbruches an. In seinem Buche verdonnert er die russi 
schen Finanzen in Grund und Boden. Alle Welt kauft es. Kleine Sor 
timenter zeigen es mit großen Annoncen in der Zeitung an, die Jour 
nalisten besprechen es in langen Leitartikeln. Mit einem Wort: es wird 
bald neben Jörn Uhl, Thomas Truck, Götz Krafft, den „Briefen, die 
ihn nicht erreichten", den „Memoiren einer Verlorenen" und dem 
Schindcrhanues zu den gclcscnsten Büchern der deutschen Literatur ge 
hören. Da man nun einen Sachverständigen, dessen Gutachten den 
Kurs der russischen Werte nach unten beeinflußt, au der Börse nicht 
leiden kann, so schimpft man auf ihn. 
Für die Börse ist Herr Martin nämlich Sachverständiger und für 
einen großen Teil der Presse auch. Man bestaunt jedes seiner Worte 
und tut, wie wenn in seinen Zeilen ganz neue Offenbarungen enthalten 
seien. Ja, hat man denn das letzte Jahrzehnt verschlafen? Vor vielen 
Jahren schon haben der Professor Jsaieff scharfe Kritik an Herrn Wittes 
Finanzsystem geübt, Peter Loehtin und Parvus-Lehmann die traurige 
Verfassung der russischen Landwirtschaft aufgedeckt, haben Georg v. Boutmi 
und Struve den Witteschen Berichtschwindel und Peter Migulin das 
Elend der russischen Reichsbank entschleiert. Die Balten Paul Rohrbach 
und v. d. Brüggen haben in Büchern, Broschüren und Zeitschriften 
diese Kritiken auch deutschen Lesern näher zu bringen versucht. Aber 
wo blieb die allgemeine Erregung? Herr Professor v. Reußner^) hat in 
den Spalten des Plutus unter Berufung auf die namhaftesten Staats 
rechtslehrer seiner Heimat die willkürliche, betrügerische Art gegeißelt, 
in der das russische Budget für das Ausland frisiert wird und — die 
russischen Renten sind gestiegen trotz Krieg, Pest und Niederlage. Jetzt 
kommt nun ein Kaiserlicher Regierungsrat, der lange bekannte Tatsachen 
i) Vergleiche den Aufsatz „Russischer Budgetschwindel" in dieser Sammlung.
	        

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Russlands Bankerott. Plutus Verlag, 1906.
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