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Grundzüge der Sozialpolitik

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Bibliographic data

fullscreen: Grundzüge der Sozialpolitik

Monograph

Identifikator:
876559135
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-1676
Document type:
Monograph
Author:
Borght, Richard van der http://d-nb.info/gnd/11625274X
Title:
Grundzüge der Sozialpolitik
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von C. L. Hirschfeld
Year of publication:
1904
Scope:
1 Online-Ressource (XII, 566 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
I.Teil. Allegeines
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundzüge der Sozialpolitik
  • Title page
  • Contents
  • I.Teil. Allegeines
  • II. Teil. Arbeiterwohlfahrtspolitik
  • III. Teil. Selbständige sozialpolitische Arbeit der Selbstverwaltungskörper und der Privaten
  • IV. Teil. Wohlfahrtspolitik in Bezug auf sonstige Personen in unselbständiger Arbeitsstellung

Full text

1. Kapitel. Begriff, Wesen, Aufgabe und Schranken der Sozialpolitik. 11 
weiteres die Unterschiede in der Energie und Ausdehnung sozialpoli 
tischer Eingriffe von Land zu Land und in den verschiedenen Zeiten. 
Diese Unterschiede beruhen zum Teil auch auf der Verschieden 
heit der grundlegenden sittlichen und politischen Auffassungen 
und Gewohnheiten, wie sie sich ja bei jedem Zweige der Politik 
geltendmachen. 
Die besprochenen Schranken sind zunächst für die praktische 
Sozialpolitik von Bedeutung. Sie sind aber auch von der wissenschaft 
lichen Bearbeitung der Sozialpolitik zu beachten, und im allgemeinen 
liegt mehr Anlaß vor, die Wissenschaft hierauf hinzuweisen, als die Praxis. 
Die Unterschätzung der Widerstände, die sich aus dem Erläuterten 
ergeben, hat die theoretische Betrachtung oft zur Überschätzung der 
Bedeutung der von ihr gefundenen Wege für sozialpolitische Reformen 
verleitet. Als überall verwendbares und überall gleich wirksames 
Mittel wurde manches dargestellt, was an vielen Stellen überhaupt 
undurchführbar, an anderen dagegen unzulänglich oder überflüssig war. 
Oft genug glaubte man, „die Lösung der sozialen Frage“ gefunden 
zu haben. Davon kann im Ernst keine Rede sein. Was man „soziale 
Frage“ nennt, umfaßt eine Fülle von großen und kleinen Mißständen 
in den Lebensverhältnissen des Arbeiters. Von den Mißständen sind 
manche in der Tat in allen Kulturstaaten vorhanden, wenn auch im 
einzelnen verschieden gestaltet; ob sie aber in allen Ländern mit den 
selben Mitteln beseitigt werden können, darf nach dem Gesagten 
bezweifelt werden. Es wird zudem nie gelingen, alle Mißstände und 
allen berechtigten Grund zur Klage aus der Welt zu schaffen, und 
noch weniger, alle Arbeiter zur gleichen Auffassung über die Lage zu 
bringen, in der sie sich befinden würden, wenn es wirklich gelänge, 
alle Übelstände der Welt zu beseitigen. Auch wenn man, wie es 
verständigerweise geschehen muß, so utopistischen Träumereien nicht 
nachhängt und nur das Erreichbare ins Auge faßt, wird man nicht er 
warten dürfen, daß die beteiligten Arbeiter die zu ihren Gunsten 
ergriffenen Maßnahmen durchweg gleich günstig beurteilen. Dieser 
Umstand erweist sich ebenfalls als eine Schranke der Sozialpolitik 
insofern, als er deren moralischen Erfolg beeinträchtigt und die Gefahr 
hervorruft, daß der vermeintliche oder wirkliche Undank, der sich oft 
gerade in bezug auf wirksame und bedeutende sozialpolitische Maß 
nahmen bei einem Teil der Arbeiter zeigt, abkühlend auf den Eifer und 
die Energie der Träger der Sozialpolitik wirkt. Man darf des hohen 
Zieles wegen, um das es sich handelt, solchen Stimmungen nicht nach 
geben. Dankbarkeit ist eine seltene Tugend, und in der Politik 
vollends darf man auf Dank nie rechnen. Das Bewußtsein, die Pflicht 
gegen die Gesamtheit erfüllt zu haben, ist mehr wert als aller Dank 
und alle Anerkennung.
	        

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Grundzüge Der Sozialpolitik. Verlag von C. L. Hirschfeld, 1904.
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