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Grundzüge der Sozialpolitik

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Bibliographic data

fullscreen: Grundzüge der Sozialpolitik

Monograph

Identifikator:
876559135
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-1676
Document type:
Monograph
Author:
Borght, Richard van der http://d-nb.info/gnd/11625274X
Title:
Grundzüge der Sozialpolitik
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von C. L. Hirschfeld
Year of publication:
1904
Scope:
1 Online-Ressource (XII, 566 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
II. Teil. Arbeiterwohlfahrtspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundzüge der Sozialpolitik
  • Title page
  • Contents
  • I.Teil. Allegeines
  • II. Teil. Arbeiterwohlfahrtspolitik
  • III. Teil. Selbständige sozialpolitische Arbeit der Selbstverwaltungskörper und der Privaten
  • IV. Teil. Wohlfahrtspolitik in Bezug auf sonstige Personen in unselbständiger Arbeitsstellung

Full text

324 
II. Teil. Arbeiter Wohlfahrtspolitik. 
sich nicht auf den freien Arbeitsvertrag gründete. Damals fehlte es aber 
dem von solchen Ereignissen betroffenen ländlichen und gewerblichen 
Arbeiter nicht an Schutz, sei es daß der Dienstherr auf Grund des 
bestehenden engen und patriarchalischen Verhältnisses die Fürsorge 
übernahm, sei es, daß durch die Innungen und ihre Gegenseitigkeits 
kassen eingegriffen wurde. Die Herausbildung der freien Lohnarbeiter 
klasse, die Begründung ihres Arbeitsverhältnisses auf den freien Ar 
beitsvertrag, das Zurücktreten der persönlichen vor den geschäftlichen 
Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer führte dazu, 
daß die alten Formen und Mittel der Fürsorge für den in seiner 
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigten oder ihrer beraubten Arbeiter in Ab 
gang kamen. Der Arbeiter war gegenüber solchen Wechselfällen des 
Lebens auf seine eigene Kraft angewiesen. Seine wirtschaftliche 
Kraft reichte aber dazu nur selten aus. Man versuchte es deshalb 
mit dem freiwilligen Zusammenschluß der Arbeiter, wozu noch das 
nicht erzwungene Eingreifen einsichtiger Arbeitgeber trat. Niemand 
kann leugnen, daß mancher erfreuliche Erfolg auf diesem Wege er 
zielt worden ist. Aber die Erkenntnis griff mehr und mehr um sich, 
daß damit doch nur einem kleinen Teil der Lohnarbeiterklasse ge 
holfen wurde, und daß gerade dem wirtschaftlich schwächsten und des 
halb auch zur Selbsthilfe im Wege des freiwilligen Zusammenschlusses 
am wenigsten fähigen Teil der Lohnarbeiterschaft nur zur oft die 
Hilfe versagt blieb. Daß hier Gefahren für die gesunde Entwicklung 
des Gemeinwesens lagen, wurde immer deutlicher erkannt. Dazu kam 
eine andere Erwägung. Der Beruf des Arbeiters birgt Gefahren für 
sein Leben und seine Gesundheit, die mit der modernen Betriebsweise 
Zusammenhängen; daß es in erster Linie Sache der Produktion sein 
müsse, die aus ihrer Betriebsweise hervorgehenden Schäden zu be 
seitigen oder auf ein erträgliches Maß herabzumindern, konnte des 
halb nicht übersehen werden. Zudem bot der Bergbau, in welchem 
sich Zwangseinrichtungen zur Sicherung der Arbeiter gegen die Folgen 
von Krankheiten, Unfällen und Invalidität schon früh entwickelt und 
erhalten hatten, ständig ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wieviel 
mehr erreicht werden kann, wenn man sich nicht auf freiwillige 
Selbsthilfe der Arbeiter und auf freiwillige Betätigung der Arbeit 
geber verließ. Der Weg zur Zwangsversicherung war hiernach längst 
gewiesen. Um ihn aber für die breite Masse der Lohnarbeiter betreten 
zu können, mußte man sich von der Anschauung befreien, daß der ein 
zelne in allen Beziehungen für sein Schicksal verantwortlich sei. Nur 
allmählich und schrittweise konnte eine solche grundsätzliche Um 
wandlung der Anschauungen erfolgen, und wie große Schwierigkeiten 
dabei zu überwinden waren, beweist die Tatsache, daß verschiedene 
Kulturstaaten noch heute nicht dazu gelangt sind.
	        

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Grundzüge Der Sozialpolitik. Verlag von C. L. Hirschfeld, 1904.
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