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Grundzüge der Sozialpolitik

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Bibliographic data

fullscreen: Grundzüge der Sozialpolitik

Monograph

Identifikator:
876559135
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-1676
Document type:
Monograph
Author:
Borght, Richard van der http://d-nb.info/gnd/11625274X
Title:
Grundzüge der Sozialpolitik
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von C. L. Hirschfeld
Year of publication:
1904
Scope:
1 Online-Ressource (XII, 566 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
III. Teil. Selbständige sozialpolitische Arbeit der Selbstverwaltungskörper und der Privaten
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundzüge der Sozialpolitik
  • Title page
  • Contents
  • I.Teil. Allegeines
  • II. Teil. Arbeiterwohlfahrtspolitik
  • III. Teil. Selbständige sozialpolitische Arbeit der Selbstverwaltungskörper und der Privaten
  • IV. Teil. Wohlfahrtspolitik in Bezug auf sonstige Personen in unselbständiger Arbeitsstellung

Full text

17. Kapitel. Die organisierte Selbsthilfe. 
469 
Soll die Selbsthilfe zu größerer Bedeutung gelangen, so muß sie derart 
organisiert werden, daß die zersplitterten Kräfte der Einzelnen zu ge 
meinsamer Wirksamkeit zusammengefaßt werden. Daß dies geschieht, ist 
an sich im allgemeinen Interesse unentbehrlich. Die arbeitende Bevölke 
rung darf nicht alle Hilfe von außen und von oben erwarten. Sie muß 
selbst mit Hand anlegen, ihre Lage zu verbessern und sich gegen 
Wechselfälle des Lebens sicherzustellen. Es ist nicht gut, das Streben 
nach organisierter Selbsthilfe zu unterdrücken. Im Gegenteil, man 
muß es gerade da, wo Gesetzgebung, öffentliche Gewalt, Arbeit 
geber und gemeinnützige Organisationen eine umfassende sozialpoli 
tische Arbeit leisten, besonders anregen und fördern und auf die 
geeignetsten W r ege hinzulenken suchen, damit das Selbstverantwort 
lichkeitsgefühl der Bevölkerung nicht abstirbt. Zudem ist es bei der 
Vielgestaltigkeit der sozialpolitischen Aufgaben unvermeidlich, daß ge 
wisse Fragen nicht von außen und von oben her gelöst werden können; 
die Tätigkeit der organisierten Selbsthilfe muß hier ergänzend ein- 
greifen. 
Wäre es möglich, auf dem Wege der organisierten Selbthilfe alle 
wesentlichen Aufgaben sozialpolitischer Art zu lösen, so würde es des 
Eingreifens der übrigen Faktoren gar nicht oder doch nur in eng be 
grenztem Umfange bedürfen. Tatsächlich haben sich aber die Dinge 
fast durchweg umgekehrt gestaltet, und die Selbsthilfe ist auf die er 
gänzende Wirksamkeit angewiesen. Der Grund dafür liegt zunächst 
darin, daß eine ganze Reihe sozialpolitischer Aufgaben überhaupt nicht 
im engeren Kreise, sondern nur einheitlich für das ganze Land, nicht 
durch die Beteiligten selbst, sondern nur durch Organe mit weiter 
reichendem Einfluß und mit größerer Machtvollkommenheit gelöst werden 
kann. Weiterhin zieht die verhältnismäßig geringe finanzielle Kraft 
der zum Zweck der Selbsthilfe organisierten Arbeiter ihrer Wirksam 
keit enge Grenzen. Wenn viele kapitalarme Arbeiter sich zu gemein 
samer Arbeit verbinden, so ist doch schließlich die Kapitalkraft und 
deshalb auch der Kredit der Organisation nicht von besonderer Aus 
dehnung. Es fehlt nicht an Beispielen dafür, daß diese Schwäche nach 
und nach durch beharrliches Arbeiten und geschicktes Vorgehen über 
wunden werden kann; aber an Beispielen für das Gegenteil fehlt es 
noch weniger. Auch wo es schließlich gelingt, über die Schwierigkeit 
hinwegzukommen, die sich aus der beschränkten Kapital- und Kredit 
kraft ergibt, ist doch eine schnell wirksam werdende Hilfe ausgeschlossen. 
Die organisierte Selbsthilfe versagt deshalb in der Regel da, wo große 
Leistungen in kurzer Zeit zustande gebracht werden müssen. Dazu 
kommt, daß der Bestand der Organe der Selbsthilfe nicht die Garantie 
der Dauer in sich trägt. Aufgaben, deren Durchführung sich auf lange 
Zeiträume verteilt, oder die überhaupt dauernd wirkende Maßregeln
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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