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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

86 Zweiter Teil. Lande!. III. Zur Geschichte von Lande! und Industrie. 
Inhabers stehenden (1836 abgebrannten) Gießhause betrieben wurde. Während die 
Fabrik jetzt mehr als 1000 Arbeiter beschäftigt*), waren damals nur einige 30 Arbeiter 
in ihr tätig. Ständige Fabrikate waren nur Kirchenglocken und Feuerspritzen. Auch 
die hübsche Wetterfahne in Form eines Kleeblattes, welche bis vor kurzem die Spitze 
des Martinsturmes zierte, war im Jahre 1825 bei Lenschel gemacht. Zwar wurden 
mitunter auch größere Werke dort hergestellt, z. B. eine große Maschine zur Wasser 
hebung für ein Larzbergwerk, Kanonen für die Militärverwaltung usw. Das waren 
aber nur Ausnahmen. Wo für die Arbeit eine höhere Kraft erforderlich war, wurde 
sie dadurch beschafft, daß ein oder zwei Pferde ein Göpelwerk drehten. Das war 
der Fabrikbetrieb der damaligen Zeit. Natürlich gab es damals auch noch keine 
Arbeitseinstellungen. War ein Arbeiter mit seinem Lohne nicht zufrieden, so kündigte 
er seinem Dienstherrn. Dieser aber fand ohne Schwierigkeit Ersatz. 
Das Kleingewerbe trieb sein Geschäft in den Banden des Zunftzwanges. Da 
diese Verhältnisse noch bis in die neuere Zeit bestanden haben, so dürfen sie als noch 
in aller Erinnerung lebend unterstellt werden. Einzelne geringe Gewerbe wurden auch 
innerhalb der Stadt noch im Umherziehen betrieben. Der Scherenschleifer etablierte 
sich mit seinem fahrbaren Karren bald an dieser, bald an jener Straßenecke. Ein 
ständiges Getön auf den Straßen war auch die Pfeife des Lumpensammlers (Lose- 
lümpers), welcher, ein höchst eintöniges Stückchen blasend, einherzog und dadurch seine 
Anwesenheit meldete. Jetzt weiß man in Kassel nichts mehr von diesen fahrenden Leuten. 
Der Landet beschränkte sich naturgemäß auf solche Gegenstände, deren Versendung 
mittels der damaligen Transportmittel ohne übermäßige Verteuerung möglich war. 
Dadurch waren die wichtigsten Gegenstände des jetzigen Großhandels für diesen aus 
geschlossen. Der Kaufmann war vorzugsweise Kleinhändler. Manche Landelszweige 
knüpften sich fast ausschließlich an bestimmte Geschäfte. Wer z. B. in Kassel Kinder 
spielzeug kaufen wollte, ging zu dem „Bilderkrämer" am Markte. Für manche Landels 
zweige hatten auch noch die Ausländer einen hergebrachten Vorzug. Südfrüchte führte 
„der Italiener". Auch der einzige Kunsthändler (Botinelli), sowie der Verfertiger von 
Wettergläsern (Fiorino) waren italienischer Lerkunft. Der erste Luttnacher Kassels 
war ein Franzose (Parisot). Die Inhaber der Konditoreien nannte man „Schweizer 
bäcker"; und mehrere derselben entstammten auch wirklich dem Engadin. Endlich gab 
es damals in Kassel auch noch einen Schwertfeger, in dessen Schauladen zwei geharnischte 
Männer das Staunen von uns Kindern erregten. Seitdem ist dieses Gewerbe völlig 
ausgcstorben. 
Noch wenig entwickelt war die Reklame. Zwar hatte man schon Schauläden 
an den Fenstern; aber sie waren von bescheidener Einrichtung und niemand dachte 
daran, durch kolossale Spiegelscheiben und prachtvolle Warenauslagen dem Publikum 
zu imponieren, öffentliche Anschläge, die an den Straßenecken gemacht wurden, — 
denn die Litfaßsäulen sind erst seit 1867 eingeführt — kamen nur zu Meßzeiten für 
Sehenswürdigkeiten vor. Aber auch die Reklame durch die Zeitungen wurde nicht 
in der gegenwärtigen Weise betrieben. Wohl machte derjenige, welcher ein Geschäft 
eröffnete oder sein Geschäftslokal verlegte, sowie auch derjenige, welcher soeben eine 
neue preiswürdige Sendung von Waren empfangen, dies durch die Zeitung bekannt. 
Auch fremde Kaufleute, welche die Messe beziehen wollten, pflegten dies durch die 
Zeitung anzukündigen. Aber das ständige Wiederholen der nämlichen Anzeige unter 
Benutzung aller denkbaren Formen der Anpreisung, wie es jetzt vielfach vorkommt, ist 
erst im letzten Menschenalter, und zwar durch das Beispiel Johann Loffs, aufgekommen. 
*) Nach Kletterhausen (in; Festschrift zur 75. versammlurg deutscher Naturforscher und 
Ärzte. Kassel, Druck von £. Döll, $03. 5. 352) betrug die Zahl der Beamten und Kleister Lude 
lNai $03 222, die der Arbeiter 2052. — <5. Kl.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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