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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

10. Industrie und Lande! in Deutschland vor 70 Jahren. 87 
der auf diese Weise seinen Malzextrakt zu einer europäischen Berühmtheit gemacht hat. 
Man gewinnt ein anschauliches Bild dieses Gegensatzes, wenn man einmal den ein 
fachen Anzeigen einer damaligen Zeitung die Anzeigespalten eines vielgelesenen heutigen 
Lokalblattes gegenüberhält. Ist es doch, als ob für jede Anzeige ein besonderer Druck 
erfunden wäre, um nur recht auffällig dem Leser in die Augen zu leuchten. Lind was 
alles wird dort angezeigt! „Leute geschlachtet" wiederholt sich unzähligemal; als ob 
auch jedes Borstentier einer Todesanzeige bedürfte. Dieses Reklamewesen hat aber 
Bedeutung nicht allein für Lande! und Wandel, sondern auch für den Bestand der 
Zeitungen gehabt, deren viele aus demselben ihre reichste Einnahme beziehen und dadurch 
ihre Existenz sichern. 
Ein erst seit einem Menschenalter üblich gewordenes Mittel, Industrie und 
Lande! zu fördern, sind auch die Ausstellungen, die man nach dem ersten Vorgänge 
der Londoner Ausstellung von 1851 an vielen Orten bald in größerem, bald in kleinerem 
Amfange veranstaltet hat. 
Die Schwierigkeiten, welche dem deutschen Lande! aus der Verschiedenheit der 
deutschen Münzwährung erwuchsen, haben bis zu der jüngsten Reichsgesetzgebung fort 
gedauert und sind daher in aller Erinnerung. Sie sind sogar im Laufe der mittleren 
Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts noch gewachsen durch die Flut papierner Wertzeichen, 
welche jeder kleine deutsche „Raubstaat" und jede Bank nach Belieben in die Welt 
sandte. Dazu kam, daß das damalige Silbergeld nur schwer zu verführen war. 
Bedurfte z. B. ein Kasseler Bankier baren Geldes, so ließ er ein Füßchen voll Silber 
taler wohlverpackt durch die Post von Frankfurt kommen. Reisende pflegten zur 
Bestreitung ihrer Reisekosten, statt baren Geldes, Kreditbriefe oder Wechsel auf die 
Orte, die sie berührten, mitzunehmen. Deshalb spricht auch heute noch der Student 
von „seinem Wechsel". 
Schwer ist es auch, sich noch eine Vorstellung zu machen von der Rot, in 
welche der deutsche Lande! vor 60 Jahren durch die allerorten sich ihm entgegen 
türmenden Zollschranken verseht war. Die größer» außerdeutschen Länder, Rußland, 
Frankreich, die Niederlande, die größer» italienischen Staaten hatten ihre Gebiete 
durch hohe Zölle gesperrt. Auch England wies die deutschen Güter zurück, welche 
dorthin mit Nutzen hätten eingeführt werden können. Den Lande! mit Spanien und 
der Türkei verboten schon die dort bestehenden Anruhen. Auch im Seehandel konnte 
Deutschland mit den dafür günstiger gelegenen, mit reichen Kolonien in Verbindung 
stehenden Ländern nicht konkurrieren. Am sich gegen den damals noch blühenden See 
raub zu schützen, mußte der deutsche Lande! mit englischen Schiffen und mit englischer 
Assekuranz geführt werden. And bei dieser Angunst der Verhältnisse nach außen hin 
hatten die deutschen Staaten auch noch gegeneinander überall Zollschranken errichtet, 
gleichsam um sich gegenseitig auszuhungern. Jeder Staat unterband dem andern die 
Adern des freien Verkehrs, und jedem wurden sie wiederunterbunden. Das bezeichnete 
man schon damals von einsichtiger Seite als einen „langsamen Selbstmord". Im 
Amfang einer Meile Weges stieß man mitunter auf mehrere Schlagbäume. Die 
geringwertigen Produtte deutscher Länder waren mit denselben, ja mitunter sogar mit 
höhern Zöllen belegt wie die gleichartigen außerdeutschen Produkte von weit höherem 
Werte. In Österreich z. B. zahlte der Eimer französischen Weines 60 Gulden, der 
Eimer deuschen Weines 90 Gulden Steuer. Bei dieser Lemmung des Verkehrs 
hatten die Produtte keinen andern Wert als den durch das augenblickliche Bedürfnis 
in nächster Nähe bestimmten. An Anternehmungen auf Spekulation war nicht zu 
denken. Damit sank auch der Wert des Grundeigentums oft bis zur Kreditlosigkeit 
herab. Gleichsam als erlaubte Notwehr gegen dieses Aushungerungssystem bildete 
sich überall der Schleichhandel mit seinen sittenverderbenden Wirkungen aus. Noch 
im Laufe der 1820 er Jahre versuchten zwar mehrere der kleineren deutschen Staaten
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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