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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

5. Die Krisis im Magdeburger Zuckerhandel (1889). 
101 
die Preise stiegen stetig weiter. Aber eine ungesunde, übertriebene, ja wahnsinnige 
Spekulation hatte sich dazwischengedrängt und erhielt leider, gefördert durch die Erfolge, 
noch mehr durch die unglückselige Einrichtung des Regulierungsbureaus*) gestärtt, gar 
bald die Führung der ganzen Bewegung. Es waren drei Firmen, welche dieses 
unselige Kleeblatt bildeten, das so viel Schaden über Magdeburg brachte. Mit, 
wenigstens auf einer Seite, erheblichen Mitteln ausgerüstet, hatten sie sich für diese 
Lauffeoperation verbunden, kauften, jedes angebotene Quantum und ttieben die Preise 
täglich. Sie scheuten sich nicht, selbst zu den höchsten Preisen noch Quanten von 
50,000 Sack aufzunehmen, um die künstlich getriebenen Preise zu halten. Die stets 
erfolgende Auszahlung der erheblichen, eigentlich nur auf dem Papier, nicht in Wirklichkeit 
erzielten Gewinne gab ihnen immer neue Mittel, ihre Unternehmungen stets weiter und 
größer auszuspinnen. Wenn ein Geldbedarf eintrat, inszenierten sie eine neue Steigerung. 
Da die offiziellen Notierungen die gemachten Geschäfte berücksichtigen mußten und für 
die Abrechnungsstelle maßgebend waren, brachte ihnen jede Steigerung neue Mittel 
durch die ihnen ausgezahlten Differenzen auf ihre schwebenden großen Quanten. So 
mußten ihre unglücklichen Verkäufer selbst ihnen die Mittel liefern, ihre Treibereien 
bis ins Angemessene fortzusetzen. Es war in jener Zeit, als ob ein Taumel weite Kreise 
ergriffen hätte. Man hörte von großen Gewinnen, die an der Zuckerbörse gemacht 
waren. Ladeninhaber, Landwerker und Beamte wollten spekulieren, Zucker kaufen und 
verdienen. An den etwaigen Verlust dachte niemand; es war ja so einfach, man 
kaufte und verkaufte einige Tage später und hatte das Geld zu einer Badereise! 
Gewissenlose Leute fanden sich leider, die solche Aufträge der Börse zuführten, die 
Treiberei verstärkten und so manchem bitteren Verlust brachten. 
Doch diese unnatürliche Übertreibung einer sonst an sich in mäßigen Grenzen 
vollberechtigten Spekulation mußte zusammenbrechen und brach entsetzlich zusammen. 
Als der Lieferungstermin herangekommen war, wurden die vom Laussekonsortium 
gekauften Quanten meist in effektiver Ware geliefert, während die Laussiers darauf 
rechneten, daß die Verkäufer die ihnen verkaufte Ware ganz oder doch großenteils 
von ihnen zurückkaufen müßten, wobei sie dann die Preise zu dittieren gedachten. 
Namentlich das Ausland, welches in der Lauptsache gegen sie Verkäufer war, war 
bestrebt, alles in effektiver Ware zu liefern. Österreich sandte, was es irgend hatte, 
von England wurden deutsche und österreichische Zucker zurückbeordert, wir selbst erhielten 
für Pariser Verkäufe belgischen und französischen Zucker, und so brach das ganze 
Kartenhaus zusammen. Der totale Ruin der Spekulanten und vieler kleiner Firmen 
war da, aber mit ihm der große Verlust auch der solidesten und sich von jeder 
Spekulation fernhaltenden Läufer. Denn ein jeder hatte Engagements nach allen 
Seiten und erlitt zahlreiche Verluste, während er selbst als Kommissionär durch das 
übernommene Delkredere seinen Lintermann voll decken mußte. Lätte man alle diese 
Verbindlichkeiten durch Verbuchung bei einer Liquidationskasse von sich abwälzen können, 
so würde der solide Kandel ohne Schaden aus dieser Katastrophe hervorgegangen sein, 
die bloße Spekulation hätte freilich dabei auch untergehen müssen, aber in dem Momente, 
als sie am Ende ihres eigenen Kapitals war, ehe sie durch künstliche Mittel weiteres 
Anheil stiften konnte, namentlich nicht so viel, als es durch ihre unglückselige Alimentaüon 
durch das Abrechnungsbureau möglich geworden war. 
*) pilet a. a. D. 5. 52: „Bei dem Regulierungsbureau mußten alle Engagements ange 
meldet werden. Dieselben wurden in regelmäßigen Zwischenräumen auf den Tagespreis gestellt, 
und jeder, für den sich ein Verlust ergab, mußte denselben einzahlen. Man machte aber den großen 
Fehler, dessen gefährliche Tragweite freilich zunächst nicht hervortrat, daß man denen, deren 
Kontrakte eine» Gewinn ergaben, diesen herauszahlte, so daß die eingezahlten Verluste und Gewinne 
sich saldierten." — G. M.
	        

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National Banking under the Federal Reserve System. The National City Bank of New York, 1927.
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