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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

112 
Zweiter Teil. Lande!. V. Landeisunternehmung re. 
4. Die Genossenschaften. 
Von Lans Crüger. 
Lriiger, Handel und Genossenschaftswesen. sNach einem Vortrages. Berlin, Leonhard 
Simion, (902. S. 4—6 und 5. (2—15. 
Das Genossenschaftswesen gehört heute zu den volkswirtschaftlichen Gebieten, die 
im hohen Maße die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, es ist „aktuell". Noch 
vor IVa Jahrzehnten war es schwer, die Tagespresse für das Genossenschaftswesen zu 
interessieren, — heute wird die Entwickelung des Genossenschaftswesens in seinen 
verschiedenen Zweigen mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt. 
Das Genossenschaftsgeseh definiert die Genossenschaft wie folgt: eine Gesellschaft 
von nicht geschlossener Mitgliederzahl zur Förderung von Erwerb und Wittschaft der 
Mitglieder mittelst gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes. 
Es gibt kaum eine volkswirtschaftliche Organisation, die im Laufe der Jahr 
zehnte so verschiedenattig beurteilt ist wie die genossenschaftliche. Schulze-Delitzsch hat 
das Genossenschaftswesen 'nicht erfunden, er hat nur der Betätigung des genossenschaft 
lichen Gedankens neue Wege gewiesen, er hat die Form gefunden, in der der urdeutsche 
genossenschaftliche Gedanke für modern-wirtschaftliche Verhältnisse und Bedürfnisse Ver 
wertung finden konnte; aber freilich, darin liegt ein solch' großes Verdienst, daß mit 
Recht behauptet ist: Schulze-Delitzsch hat sich in den Genossenschaften selbst unvergängliche 
Denkmäler errichtet. Es gibt wenige Volkswirte, die in gleichem Maße wie Schulze- 
Delitzsch auf die wirtschaftliche Entwickelung bestimmend eingewirkt haben; er hat eine 
neue wittschaftliche Betriebsform geschaffen, und die Genossenschaften sind ein wichtiger 
Faktor des heutigen wirtschaftlichen Lebens geworden. 
Die Genossenschaften, zu deren Förderung die deutschen Staaten heute Millionen 
und Millionen zur Verfügung stellen, wurden in den fünfziger Jahren mit Mißtrauen 
von den Behörden beobachtet. Es klingt wie eine Legende, daß Männer, die Genossen 
schaften gegründet hatten, ohne dazu die polizeiliche Erlaubnis einzuholen, auf die 
Anklagebank kamen, und man kann es heute nicht begreifen, daß Polizeibehörden bei 
der Prüfung, ob ein Bedürfnis für die Gründung einer Kreditgenossenschaft vor 
handen, — 'die Genossenschaft wurde als Versicherungsgesellschaft angesehen — die 
Bedürfnisfrage verneinten. Die größten Schwierigkeiten hatte Schulze-Delitzsch zu 
überwinden, um endlich Ende der sechziger Jahre die gesetzliche Anerkennung für die 
Genossenschaften zu erringen. 
Will man allgemein die wirtschaftliche Bedeutung der Genossenschaft kennzeichnen, 
so kann dies geschehen, indem man die Genossenschaft als eine Ergänzung der Aktien 
gesellschaft hinstellt. Zur Aktiengesellschaft vereinigen sich Kapitalisten; wo die Kapital 
kraft des einzelnen nicht ausreicht zum Betriebe größerer Unternehmungen, da ver 
binden sich die Kapitalien zur Aktiengesellschaft, und gewaltige Llnternehmungen werden 
ins Leben gerufen, — zur Genossenschaft vereinigen sich die wittschaftlich schwächeren 
Kreise, nicht Kapitalien, sondern die in den Personen und ihrer Leistungsfähigkeit 
ruhenden Kräfte werden zusammengenommen, und wir sehen aus deren Verbindung 
schließlich wirtschaftliche Mächte entstehen. 
Ob es dabei eine Grenze für die Entwickelung des Genossenschaftswesens und 
für die Anwendung der genossenschaftlichen Form gibt? 
Es könnte vielleicht gesagt werden: Die Grenze liegt zunächst dort, wo die 
Beseitigung der Arbeitsteilung unproduktiv wirtt. Die Genossenschaft beruht zum Teil 
auf einer Beseitigung der Arbeitsteilung, indem sie in ihren Geschäftskreis eine Tättgkeit 
cinbezieht, die bisher für die Mitglieder von anderen ausgeübt wurde; wo nun die Aufhebung
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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