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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

128 Zweiter Teil. Handel. VI. Handlungsgehilfe und Handlungslchrling. 
Eine andere Ansicht, die schon bedeutend höher steht und anscheinend viel für 
sich hat, meint, der Kaufmann könne nur durch die Praxis ausgebildet werden. Man 
führt hier mit Vorliebe das Beispiel von dem Hausierer an, der an Kenntnissen so 
wenig besaß wie an Kapital, und der nur durch seine kaufmännische Begabung empor 
gekommen sei. Diese Beweisführung ist aber wenig stichhaltig, denn sie vergißt anzu 
führen, wo die große Masse derer hingekommen ist, die nichts vor sich gebracht haben. 
Das Unnötige oder überflüssige theoretischer kaufmännischer Ausbildung behaupten 
wollen, wäre ebenso, als wenn man sagen wollte: Weil es geniale Maler, Musiker, 
Techniker gegeben hat, brauchen wir keine Malerakademien, Musikschulen und technische 
Hochschulen. Daß es immer besonders gut beanlagte und besonders praktische Naturen 
geben wird, die lediglich aus sich selbst heraus es zu etwas bringen, ist natürlich. 
Nur muß man auch hier noch fragen: Wieviel weiter würden sie noch gekommen sein, 
wenn ihre Anlagen die richtige geordnete Entwicklung und Ausbildung erfahren hätten? 
Wieviel mehr hätten sie leisten können, wenn sie mit der mühsamen Selbsterziehung 
nicht so viel Zeit verloren haben würden? Die Erziehung und Unterweisung gibt uns 
nichts, was wir nicht aus uns selbst haben könnten, aber sie gibt uns das alles viel 
schneller und ohne daß wir Schaden an uns selbst nehmen. 
Man sollte sich vergegenwärtigen, daß ein geborener Kaufmann sicherlich in 
rasendem Tempo alle Erfahrungen der anderen bei Gelegenheit in seinem Gehirn 
verarbeiten, die Nutzanwendungen schneller ziehen und mit einem insttnkttven Gefühl 
aller Schwierigkeiten Herr werden kann, daß aber die große Masse diese Fähigkeit 
nicht besitzt, und daß es für diese eine Wohltat ist, wenn sie die Erfahrungen, die 
andere gemacht haben, in theoretisch-systematischer Weise vorgeführt bekommen, damit 
sie ihrerseits wohlvorbereitet an den Beruf herantteten können. Zm Gegensatz zu 
dieser ausschließlich die praktische Ausbildung befürwortenden Auffassung steht eine 
dritte, welche meint, der Kaufmann solle nur aus theoreüschem Wege ausgebildet werden. 
Vor dieser Auffassung müssen wir uns besonders hüten in einer Zeit, wo man, nach 
dem das üngenügende der ausschließlich praktischen Ausbildung erkannt worden ist, 
leicht geneigt ist, in das andere Extrem zu verfallen und die Ausbildung durch die 
Praxis zu unterschätzen. 
Allerdings ist es heute vielfach außerordentlich schwer, namentlich in größeren 
Geschäften mit durchgeführter Arbeitsteilung, junge Kaufleute systematisch auszubilden. 
Ein größeres Geschäft, das ich z. B. im Auge habe, ist so organisiert, daß drei große 
Abteilungen eingerichtet sind: eine Expeditions-, eine Einkaufs- und eine Buchhaltungs 
abteilung. Der Einkauf wird durch 5 Disponenten mit den nötigen Hilfskräften 
besorgt. (Das ganze Geschäft umfaßt 80 Angestellte und Hilfskräfte). Zn der 
Expedition sind wieder drei große Gruppen gebildet, und jede dieser Gruppen ist so 
gegliedert, daß eine feste Arbeitsteilung vorliegt. So hat beispielsweise die eine Ab 
teilung einen Vorsteher, der die Aufsicht führt und gleichzeitig die bezüglichen Korre 
spondenzen erledigt. Fünf Gehilfen sind in dieser Abteilung tätig. Einer ist der 
Aufseher, der die Waren vom Lager holt, einer der Ansager, der, nachdem die Waren 
sortiert sind, einem anderen, der die Sttazze führt, und einem, der die Rechnungen 
schreibt, die nötigen Angaben macht. Es sind hierbei Arttkel auszusuchen, die Fach 
kenntnis erfordern, und deshalb muß hierzu noch ein besonders fachmännisch aus 
gebildeter Gehilfe herangezogen werden. Das Verpacken der Waren ist in ähnlicher 
Weise organisiert, und die Buchhalterei ist in alle ihre Teilfunktionen zerlegt: einer 
hat die Mahnungen, ein anderer die Übertragungen, wieder ein anderer die Aus 
züge usw. zu erledigen. Zn einem so gegliederten Bettiebe ist es ganz unmöglich, 
daß der Prinzipal mit den 8—10 Lehrlingen, die in den einzelnen Abteilungen unter 
gebracht sind, persönliche Fühlung unterhält und dieselben, ohne daß die komplizierte 
Maschinerie in ihren einzelnen Teilen gestört wird, in einer ihrer nottvendigen Aus-
	        

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Die Genussscheine Nach Schweizerischem Recht. Buchdruckerei Stämpfli & Cie., 1914.
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