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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

1. Das Geschäft. 
147 
10* 
In größeren Geschäften kommt es nicht selten vor, daß der Geschästsherr entweder 
für das ganze Geschäft oder für einzelne geschäftliche Landlungen einen Vertreter 
braucht, welcher selbständig Anordnungen treffen muß. Für derartige Arbeiter ist 
natürlich eine Beteiligung am Erfolge des Geschäftes in noch höherem Grade wert 
voll. Dies gilt namentlich von der sog. Prokura. Durch die Anstellung eines 
Prokuristen bewilligt der Geschäftsherr einem anderen einen so bedeutenden Einfluß 
auf den Gang des Geschäftes, daß es von höchster Wichtigkeit ist, in der Wahl des 
Prokuristen nicht allein die möglichste Vorsicht anzuwenden, sondern den Prokuristen 
auch dergestalt finanziell an das Geschäft zu schließen, daß er mit demselben Eifer und 
derselben Lingebung arbeiten wird wie der Geschäftsherr selbst. 
Anderseits hat der Gehilfe eines kaufmännischen Geschäftes die Pflicht, das 
Geschäft so anzusehen, als wäre er selbst immerwährend daran beteiligt, und sich dem 
selben ganz und voll zu widmen. Freilich ist für ein derartiges Verhältnis zwischen 
dem Geschäftsherrn und seinem Gehilfen Einsicht und Charakter auf beiden Seiten 
unumgängliche Vorbedingung. 
Die geschäftliche Erfahrung. Die geschäftlichen Erfahrungen werden zunächst 
durch den geschäftlichen Verkehr gewonnen; er ist teils ein mündlicher, teils ein schrift 
licher. Auf den Börsen und auch an gesellschaftlichen Vereinigungspunkten erfährt 
der Kaufmann in der Regel nur das, was überhaupt schon in die Kreise seiner 
Konkurrenten gedrungen ist. Es ist jedoch wertvoll für den Geschäftsbetrieb, wenn 
man diejenigen Ereignisse, die für das Geschäft wichtig sind, früher als andere erfährt; 
deshalb reicht es nicht aus, bloß durch das Benehmen mit Geschäftsgcnossen und 
Konkurrenten seine Erfahrungen zu schöpfen. Zur eigenen Anschauung und zu dem 
Verkehr mit den Geschäftsgenossen müssen auch andere Lilfsmittcl hinzutreten: die 
Tagesliteratur und die speziell für den einzelnen Geschäftszweig bedeutsame technische usw. 
Literatur. Manche wichtige Geschäftsereignisse wachsen langsam heran, und es ist in 
diesem Falle Aufgabe des Kaufmannes, sie in diesem Leranwachsen zu beobachten, 
um, che sie sich vollenden, seine Vorbereitungen zur vorteilhaften Ausnützung getroffen 
zu haben. Die Berichterstattungen über die geschäftlichen Vorfälle einer längeren oder 
kürzeren Geschäftsperiode, welche, teils in Zeitschriften, teils anderwärts vervielfältigt, 
geschäftlichen Aufschluß geben, sind ungeschickterweise an bestimmte Kalenderperioden 
geknüpft; sie sind wöchentliche, monatliche oder jährliche Berichte und als solche keines 
wegs an die wirklichen Geschäftsbegebenheiten angeknüpft. 
Die Geschäftsbeziehungen. Geschäftliche und Personalbeziehungen sind in 
der Regel verknüpft und wirken häufig aufeinander bestimmend ein. Wertvoll für 
den Geschäftsbetrieb ist es, sich unter den Beziehungen, in welche man mit anderen 
treten kann, diejenigen auszuwählen, welche versprechen dauernd zu werden. Für die 
geschäftlichen Beziehungen mit anderen boten ehedem die eigenen Reisen des Kauf 
manns Gelegenheit zur Anknüpfung. Leutzutage bedient man sich hierzu sog. Agenten, 
welche selbständige Geschäftsleute sind, aber für andere Geschäftsabschlüsse vermitteln. 
Sie sind gewöhnlich ebenso zuverlässig wie die Geschäftsreisenden, welche früher und 
auch heute noch zu diesem Zwecke ausgeschickt werden, haben aber vor den Geschäfts 
reisenden das voraus, daß sie, weil sie stetig am Orte anwesend sind, mehr Gelegen 
heit haben, die Kaufleute und die geschäftlichen Verhältnisse des Ortes kennen zu 
lernen und die Verbindung mit ihnen zu unterhalten. Zudem ist der Agent in der 
Regel weniger teuer als der Reisende, weil er nur eine Provision bekommt, wenn 
er Geschäfte macht, während der Reisende ununterbrochen Gehalt und Reisespesen 
erhält. Damit der Agent das Interesse desjenigen Geschäftes, dessen Agentur er hat, 
auch wirklich im Auge behalte, darf man niemand eine Agentur übertragen, der 
möglicherweise Konkurrent des Geschäfts werden kann, oder der in dem gleichen 
Geschäftszweige schon ein anderes Laus an demselben Platze vertritt. Ein guter
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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