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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

150 
Zweiter Teil. Lande!. VII. Der Betrieb des Landels. 
im Jahre 1409 die Lanseaten nach Antwerpen zog, war es ebenfalls eine der Frei 
heiten, die er ihnen zugestand, daß die Kaufleute geraubte oder schiffbrüchige Güter 
jederzeit sollten zurückfordern können, wenn sie mit Lilfe ihrer Marken ihr Eigentum 
begründen konnten. 
Daß diesem Grundsätze nachgelebt und in praxi versucht wurde, mit Lilfe der 
Landelsmarken verlorene oder geraubte Güter zu ihren Eigentümern zurückzubringen, 
erweisen viele Beispiele. Als zwei Breslauer Kaufleute im Jahre 1360 bei Lelsingborg 
schiffbrüchig geworden waren und Breslau sich für die Wiedererlangung der Güter 
in Danzig interessierte, ist das Zeichen, mit dem die Tuchballen versehen gewesen waren, 
im Briefe abgebildet. Ebenso gibt am Ausgange des 14. Jahrhunderts der Rat von 
Lerford, als er den Rat von Lübeck um seine Vermittelung angeht inbezug auf Güter, 
die, nach Lübeck bestimmt, unterwegs mit Arrest belegt worden waren, des „Zuckes 
marine" an. Der Rat von Brügge, der im Jahre 1369 die Stadt Lübeck von 
Gewalttaten benachrichtigt, die die Lübecker gegen seine Bürger auf der See verübt 
hätten, unterläßt nicht, da er um die Unterstützung bei Verhandlungen über die Leraus- 
gabe der Güter bittet, das Zeichen, mit dem sie gemerkt waren, mitzuteilen. Das 
gleiche zeigt sich in einem Briefwechsel zwischen Greifswald und Lübeck. Offenbar 
hatten derartige Schreiben auch zugleich den Zweck, das Recht des betreffenden Kauf 
mannes an dem fraglichen Zeichen offiziell zu erweisen. 
Inter diesen Amständen wird es erklärlich, daß kein Kaufmann versäumte, ein 
Zeichen auf seinem Gute anzubringen, das aber in der Regel auf der Verpackung, nicht 
auf dem Gegenstände selbst vermerkt wurde. In manchen Fällen schloß ja übrigens 
die Natur der Ware es aus, daß ein Zeichen an ihr angebracht wurde. Die Werke 
des 16. Jahrhunderts über die Buchhaltungskunst setzen denn auch alle voraus, daß 
der Kaufmann ein Zeichen führe. Indes Pflegte man mit der Marke nicht nur die 
Waren zu zeichnen, sondern man bediente sich ihrer zugleich in Arkunden, in Briefen 
und Äandelsbüchern. Der Inhaber der Marke identifizierte sich also gewissermaßen 
mit ihr. Obwohl er den Brief mit seinem Namen zu unterzeichnen pflegte, hielt er 
es für zweckmäßig, seine Marke hinzuzufügen, damit allen die Zusammengehörigkeit 
derselben mit ihm klar würde. 
Lierbei unterschied man Marken, die der einzelne für sich persönlich führte, und 
Marken, die er als Mitglied einer Landelsgesellschaft führte. Man könnte dafür die 
Ausdrücke Privatmarke und Sozietätsmarke gebrauchen. 
Offenbar bestand die Gewohnheit, die Landelsbücher mit der einmal gewählten 
Privatmarke zu bezeichnen, deren man sich, so oft es nötig erschien, bei der Versendung 
der Waren bediente. Im übrigen wurde bei jeden, Geschäft, das inan einging, im 
Landelsbuch die Marke desjenigen hineingezeichnet, mit dem man gemeinsam oder für 
dessen Rechnung man etwas übernahm. Für ein länger andauerndes Sozietäts 
verhältnis aber stellte man eine besondere Marke auf, die zweifellos alle von der 
Gesellschaft vertriebenen Waren kenntlich gemacht haben wird, und die man auch in 
einigen der von der Gesellschaft sprechenden Arkunden anzubringen pflegte. 
Wie weit Vorkehrungen zur Anerkennung dieser Zeichen im Verkehr getroffen 
worden waren, ob man in Brügge oder Lübeck damals schon Register über die Zeichen 
hielt, entzieht sich unserer Kenntnis. Es wäre schließlich nicht undenkbar, daß in Brügge, 
wo des „kopmans boyck", des „copmans register" usw. oft erwähnt werden, auch 
Landelsmarken der Aufzeichnung für würdig erachtet worden wären. 
Die Entwickelung der Landelsmarken aus den Lausmarken wird wohl richttg 
sein. Dabei ist es immerhin bemerkenswert, daß die bei uns auftretenden Zeichen an 
ein Wappenschild anzuschließen scheinen. Die gradlinige Figur lehnt sich an das Schild 
an, und innerhalb desselben finden sich abermals Striche. Ansere Marken haben dem 
nach Ähnlichkeit mit den italienischen, speziell florentinischen, wie sie Lästig dankens-
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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