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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

152 
Zweiter Teil. Kandel. VII. Der Betrieb des Kandels. 
Eine sehr bedeutende Stelle nehmen allezeit unter den Mitteln der Reklame die 
Plakate ein. 
Ganz gewalüg hat im inländischen und im internationalen Kandel das Aus 
senden von Prospekten und Preisverzeichnissen zugenommen. 
Allein die weitaus verbreitetste und wichtigste Form der Reklame ist die der 
Zeitungsanzeige. 
Anfänglich in ganz bescheidener und schüchtemer Rolle zurückstehend, beherrscht 
heutzutage die Anzeige, das Inserat, die meisten Zeitungen stofflich und wirtschaftlich. 
Ja, viele Menschen halten und lesen Zeitungen um der Anzeigen willen, und es gibt 
bei uns, wo die Anzeigen meist dem Texte folgen, wohl wenig Menschen, insbesondere 
aber wenig Frauen, die, wenn sie überhaupt Zeitungen lesen, nicht wenigstens die Lokal 
zeitungen von hinten zu lesen begännen. 
Bei uns, wie gesagt, pflegen, wenigstens in politischen Zeitungen, die Anzeigen 
teile vom Text durch den bekannten „Strich" getrennt zu sein. Bisweilen verschafft 
sich eine dann besonders hoch zu vergütende Reklame ihren Platz über dem „Strich". 
In den politischen Zeitungen anderer Länder, namentlich Großbritanniens, ist das 
Gebiet der Reklame vom Texte weniger scharf abgegrenzt und daher das „Vonhinten- 
lesen" weniger angebracht. In Pariser Blättern, wie bekannt und neuerdings in dem 
hübschen Buche „Paris" von Walter Gensel gut geschildert, spielen die eigentlichen 
Anzeigenteile eine ganz bescheidene Rolle; aber die Textseiten sind voll der raffiniertesten 
Reklamen, die hier in der Form von kleinen Artikeln mit eingeschmuggelt sind und 
vom Zeitungsleser mitgelesen werden müssen, er mag wollen oder nicht. Der „Figaro" 
fordert für derartige Reklamen auf der ersten Seite 40 Francs für die Zeile! 
Weitaus die häufigste Form der Zeitungsreklame ist die Anzeige. Aber es 
gibt bekanntlich noch eine andere Form dieser Reklame, das ist die Beilage. Wer 
irgend ein Angebot oder eine Bekanntmachung durch die Zeitung verbreiten, sich dazu 
aber nicht des Anzeigenteils bedienen will, gibt der Zeitung die der Auflage ent 
sprechende Anzahl von Exemplaren seiner besonders vervielfältigten Bekanntmachung 
zur Mitvcrbreitung unter die Leser. Diese Art der Reklame kann unter Amständen 
billiger sein als das Inserat, namentlich bei großem Amfange; sie wird dann auch 
zweckmäßiger sein, wenn der Inhalt längeres Studium erfordert, und da die Beilage 
zu diesem Ende von der flüchtigen Zeitungslektüre bis auf ruhigere Zeit zurückgelegt 
werden kann. 
Vorzugsweise Bücher, aber auch — leider! — Lotteriepläne, ferner Pläne zur 
Gründung größerer wirtschaftlicher Anternehmungen, wie Banken, Eisenbahnen, Berg-, 
Elektrizitäts- und Wasserwerke sieht man in der Form der Zeitungsbeilage ihre Reklame 
machen. Aber es werden Prospekte aller Art und auch Preisverzeichnisse in dieser 
Form an den Mann gebracht. 
Während die anderen Reklameformen immer nur je für gewisse Angebote und 
Nachfragen sich tauglich erweisen, ist die Mannigfaltigkeit, in der das Zeitungsinferat 
zu verwenden ist, geradezu unerschöpflich. 
Alle Waren, die sich denken lassen, alle Dienste, die der menschliche 
Verkehr erheischt, Leistungen der allerverschiedensten Art sehen wir alltäglich 
in der Form der Zeitungsanzeige anbieten und suchen. Bei der unendlichen Inseraten- 
fülle namentlich großer Zeitungen ist es klar, daß eine gewisse Kunst dazu gehört, hier 
das, was man anzubieten hat oder begehrt, in der Form anzubieten oder zu suchen, 
daß es den Augen der Interessenten nicht entgeht, und daß es die gewollte Wirkung 
tut. Sicher erfordert es viel Nachdenken und genaue Kenntnis der Triebe und des 
Geschmackes der Menschen, um die rechten Mittel zur Werbung solcher fruchtbaren Auf 
merksamkeit zu finden und diese Mittel in der möglichst wirksamen Form anzuwenden. Oft 
ersetzt ein gewisser psychologischer Instinkt alles Studium und alle mühsam erlangte Kunde.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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