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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

2 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. 
Aber schon auf diesem Gipfelpunkte ihrer Entwickelung sollten die Fugger er 
fahren, wie groß doch die Gefahr ihrer Lage allezeit war: im Juni des Jahres 1525 
wurden infolge von Umtrieben ihrer Gegner in Angarn unter dem Vorwände, sie hätten 
schlechtes Metall in die Königliche Münze geliefert, auf Befehl des Königs Ludwig 
ihre Bergwerke, alle Warenvorräte und sonstigen Besitztümer beschlagnahmt und ihre 
Leute gefangen gesetzt. Gelang es auch später Anton Fugger, die Falschheit der Be 
schuldigungen nachzuweisen und die Beschlagnahme rückgängig zu machen, so verloren 
die Fugger doch bei dieser Angelegenheit über 200000 Gulden. 
Auch läßt sich nicht leugnen, daß die Fugger in vielen Ländern vom Volke gehaßt 
wurden, wozu freilich Neid und Anverstand nicht wenig beigetragen haben. Damals 
erhielt ihr Name im Volksmunde jene Bedeutung, die ihn zur Gattungsbezeichnung der großen 
Monopolisten werden ließ: Fucker, Fokker, Fucar usw. wurden seitdem die Geldmächte,die 
das Volk für alle möglichen Übel verantwortlich machte, in verschiedenen Ländern genannt. 
Der Mann, dem die Fugger diese Blüte ihres Laufes verdanken, starb am 
30. Januar 1526. Jakob Fugger wird geschildert als ein schöner, stattlicher Mann, 
der das bartlose Laupt stets frei und aufrecht trug, das Laar gewöhnlich in einer 
Laube von Goldstoff, wie ihn auch seine Bildnisse darstellen. Er war fröhlich von 
Gemütsart, gefällig und höflich gegen jedermann; bescheiden und schlicht in seinem Auf 
treten, sagte er doch auch dem Löchstgestellten furchtlos die ungeschminkte Wahrheit, 
wenn es not tat. Für sich selbst war er ohne viele Bedürfniffe, dabei aber gastfrei 
im großen Stile seiner Zeit und seines Standes. Der vornehmsten Augsburger Gesell 
schaften, der Lerrentrinkstube, gab er viele schöne Mummereien, Schlittenpartien und 
Tänze. Ja, er hätte das Laus der Lerrentrinkstube auch neu erbaut, wenn ihm ge 
stattet worden wäre, das Fuggersche Wappen daran anbringen zu lassen. Überhaupt 
war er in der Baulust ein rechter Sohn seiner Zeit. Eins der jetzigen Fuggerhäuser 
am Weinmarkt hat er mit reichem Zierrat aufs köstlichste bauen lassen. Die St. Anna 
kirche stattete er mit herrlichen Bildwerken aus und ließ dort für sich und die Seinen 
eine prachtvolle Begräbnisstätte errichten. Als nun aber diese Kirche in die Lände 
der Lutheraner kam, verlangte er von seinen Neffen, daß sie ihn an einem anderen 
Orte begraben lassen sollten; denn er war „ein guter, wahrer, rechter Christ und ganz wider die 
Lutherei". Auch zu anderen Kirchenbauten hat er viel beigetragen oder solche allein gestiftet. 
Von seinen vielen Werken der Barmherzigkeit ist das bekannteste die „Fuggerei", 
ein kleines Stadtviertel mit Wohnungen für arme Leute, und vielleicht noch bezeichnender 
für seine Denkungsart ist der von ihm dem Augsburger Rat gemachte Vorschlag, daß 
dieser eine — nicht näher bezeichnete — Einrichtung treffen solle, vermöge deren dem 
gemeinen Mann das Schaff Roggen auf ewige Zeit nicht höher als einen Gulden 
kosten würde, was aber, wie das „Ehrenbuch" sagt, aus Einrede der Göttin Avaritia 
keinen Fortgang gehabt hat. 
Für uns hier am interessantesten ist das wenige, was über Jakob Fuggers per 
sönliches Verhältnis zum Lande! berichtet wird. Er war ein Geschäftsmann ersten 
Ranges, „hohen Verstandes" und noch in seinen letzten Lebenstagen so geschäftseifrig, 
daß er, als ihm sein Neffe Georg Thurzo riet, die ungarischen Geschäfte, deren Lage 
gefahrdrohend war, aufzulösen, solchen Kleinmut weit von sich wies und erwiderte, er 
hätte einen ganz anderen Sinn, er wolle gewinnen, so lange er könne. Grade 
nach dem Eintritte jener Katastrophe zeigte sich seine Amsicht, sein Dispositionstalent am 
glänzendsten. Aber bei allen seinen weitausschauenden, über ganz Europa zerstreuten 
Geschäften war er doch von Nervosität so weit entfernt, daß er, wie seine Neffen 
wiederholt aus seinem eigenen Munde hörten, niemals „Linderung des Schlafes hatte, 
sondern mit dem Lemde alle Sorge und Anfechtung des Landels von sich legte". 
Was Jakob Fuggers geschäftliche Tätigkeit für das Vermögen seines Laufes 
bedeutete, ersehen wir einigermaßen aus der im Fuggerarchive (2, 1, 22) noch vor-
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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