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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

2. Die kaufmännische Auskunftserteilung. 
171 
Wir sollen unsere Berichte stets mit der gleichen Zuverlässigkeit liefern, gleichviel, 
ob es sich hier um Verhältnisse in einer Millionenstadt oder in einem entlegenen 
Dörfchen handelt; gleichviel, ob hier ein kleiner Landwerker in Frage steht oder ein 
großes Bankgeschäft oder ein industrielles Etablissement, das vielleicht über tausend 
Arbeiter beschäftigt; gleichviel, ob hier der Einfluß einer Krise oder einer bevorstehenden 
Mißernte in Bettacht zu ziehen ist oder eine umwälzende neue Erfindung in die 
Erscheinung tritt, und so tausendfältig mehr. Wir sollen auf den mannigfaltigsten 
Gebieten aller Orten gründlich Bescheid wissen, und von unserem heute gegebenen 
Bericht wird verlangt, daß seine Angaben auch noch in späterer Zeit, noch nach 6 
oder 9 Monaten als zutreffend sich bewähren. Es soll jedes Wort überdacht und im 
Zusammenhang richtig gewählt sein; wir sollen den Kreditgeber befriedigen und 
zugleich ein zuverlässiger Lort der Kreditnehmer sein, und um allem die Krone auf 
zusetzen, unsere sachverständigen Llrteile sollen schnell und — so verlangt es nun 
einmal die Geschäftswelt — im Abonnement zu Gebühren abgegeben werden, die nie 
und nirgends an die Lerstellungskosten heranreichen. 
Doch beherzigen Sie wohl und vergessen Sie nie: nur die Arbeit der Erkun 
digung kann und soll dem Geschäftsmann abgenommen werden; das selbständige 
Denken und Erwägen bleibt immer seine, — Ihre Sache. 
Sie werden als Lederhändler dem mittellosen, aber braven nnd sich nährenden 
Schuhmacher gewiß bei mäßigem Gewinnaufschlag gern 300 Mark Kredit gewähren, 
aber demselben Manne die Lälfte dieses Kredits auch bei höherem Gewinn vorenthalten, 
wenn Sie als Champagnerfabrikanten die Entscheidung zu fällen hätten. Sie werden 
einem etwas zweifelhaften Ländler vielleicht recht gern für 1 000 Mark Stoffe gegen 
3 Monat Ziel kreditieren, wenn es sich um ein Muster handelt, das, außer Mode 
kommend, unverkäuflich zu werden droht, aber solchen Kredit verweigern, wenn eine 
Ware in Frage steht, die von zahlungsfähigen Käufern so gesucht wird, daß Sie 
nicht genug davon liefern können. Je nachdem Barzahlung, Accept oder offenes Ziel 
von 3, 6 oder 9 Monaten ausbedungen wird, werden Sie die Löhe Ihres Kredits 
verschieden bestimmen, und schließlich kommt wohl auch einmal bei dem sichersten Ab 
nehmer ein so hoher Kredit zur Entscheidung, daß Sie ihn verweigern müssen, bloß 
darum, weil er über Ihre eigenen Verhältnisse hinausgeht und die Grenze überschreitet, 
bis zu der Sie verständigerweise ein Konto auflaufen lassen dürfen. Es gibt keinen 
uneingeschränkten, unbegrenzten Kredit weder bei den Staaten noch in der Ge 
schäftswelt! — 
Das Geheimnis der höchsten und besten Leistung auf dem Gebiete des berufs 
mäßigen Auskunftsdicnstes beruht in drei wesentlichen Punkten: einmal darin, daß 
die verantwortliche Leitung mit ihren Beamten sich von anderen geschäftlichen Unter 
nehmungen durchaus fernhält, um eine in jeder Linsicht vorurteilsfreie Stellung zu 
behaupten; zum anderen in der Löhe des Geldaufwandes, den eine Anstalt für 
Organisations- und Erkundigungsarbeiten inachen kann und macht, sowie in dem 
Bestreben, gerade die schwierigen und schwerwiegenden Fälle, von denen oft einer 
genügt, das Abonnement für Jahre hinaus bezahlt zu machen, frühzeitig zu erkennen 
und zu bester Erledigung zu bringen, und zum dritten in der Gewissenhaftigkeit und 
dem Geschick ihrer Leitung, tüchtige, gewissenhafte und urteilsfähige Kräfte heranzuziehen 
und auszubilden.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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