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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

190 
Zweiter Teil. Lande!. IX. Märkte und Messen. 
Der Eintausch bezweckt, Produkte zu erlangen, die im eigenen Stamme gar nicht 
oder doch nicht so gut und kunstvoll erzeugt werden können, wie bei den Nachbar 
stämmen. Das muß dann jeden Stamm wieder veranlassen, diejenigen seiner Erzeug 
nisse in überschüssiger Menge hervorzubringen, welche bei anderen, sie nicht selbst 
gewinnenden Stämmen geschätzt sind, weil gegen diese das am leichtesten zu erlangen 
ist, was man nicht selbst besitzt, was jedoch andere im Überflüsse erzeugen. In jeden: 
Stamme aber verfertigt jede Einzelwirtschaft die bevorzugte marktgängige Tauschware, 
und dies bewirkt, wenn es sich um ein hausgewerbliches Erzeugnis wie Tongeschirr 
oder Rindenzeug handelt, daß ganze Dorfschaften und Stammgebiete den Reisenden 
wie große Industriebezirke erscheinen, obwohl es keine Berufshandwerker gibt und jede 
Familie alles selbst herstellt, was sie braucht, mit Ausnahme der wenigen nur bei 
fremden Stämmen gemachten Artikel, an die man sich gewöhnt hat, und die ihnen der 
Tausch als bloßer Lückenbüßer der Eigenproduktion verschafft. 
Das ist der einfache Mechanismus des Marktes hei den Naturvölkern. And 
nun das Geld! Wieviel ist über die mancherlei Geldarten bei den Naturvölkern 
geschrieben und vermutet worden, und wie einfach erklärt sich doch ihre Entstehung! 
Geld ist für jeden Stamm diejenige Tauschware, die er nicht selbst 
hervorbringt, wohl aber von Stammfremden regelmäßig eintauscht. Denn 
sie wird ihm naturgemäß zum allgemeinen Tauschmittel, gegen das er seine Produkte 
hingibt; sie ist für ihn das Wertmaß, nach dem er den eigenen Besitz schätzt, der in 
anderer Weise gar nicht liquidierbar ist; in ihr erblickt er seinen Reichtum, denn er 
kann sie nicht willkürlich vermehren; sie wird auch bald unter Stammesgenossen zur 
Wertübertragung benutzt, denn sie ist wegen ihrer Seltenheit allen gleich willkommen. 
Daher die von unseren Reisenden so häufig beobachtete Erscheinung, daß in jeden: 
Stamme, ja oft von Dorf zu Dorf ein anderes Geld üblich ist, daß eine Sorte 
Muscheln oder Perlen oder Baumwollzeug, für die man heute alles kaufen kann, 
schon an: Orte des nächsten Nachtlagers von niemandem mehr genommen wird, was 
dann wieder die Folge nach sich zieht, daß sie erst die gangbare Tauschware kaufen 
müssen, ehe sie auf dem Markte sich versorgen können. Daher auch die weitere 
Beobachtung, daß in der Natur nur in örtlich beschränktem Maße vorkommende 
Tauschwaren, wie Salz, Kolanüsse, Kaurimuscheln, Kupferbarren, oder Erzeugnisse 
seltener Kunstfertigkeit, wie Messingdraht, eiserne Spaten, tönerne Taffen, Rindenstoffe, 
bei vielen Stämmen, die ihrer entbehren, als Geld genommen werden. Vor allem 
auch die bekannte Erscheinung, daß Gegenstände des Außenhandels, wie europäische 
Baumwollzeuge, Flinten, Pulver, Messer, zu allgemeinen Tauschmitteln werden. 
Markt und Geld hängen eng zusammen, soweit das Geld in seiner Eigenschaft 
als Tauschmittel in Betracht kommt; aber nicht jede einzelne Geldart, die sich bei 
einem Naturvolke findet, muß aus dem Marktverkehre hervorgegangen sein. In seiner 
vollen Ausbildung ist das Geld eine so verwickelte soziale Erscheinung, daß die Ver 
mutung nahe liegt, es seien in ihr verschiedene Entwicklungsmomente zusammengeflossen. 
So scheint z. B. das Viehgeld seine Wurzel in der Tatsache zu finden, daß die 
Laustiere bei den betreffenden Völkern die Repräsentanten des Reichtums und das 
Mittel der Vermögensansammlung bildeten. Auch die Beobachtung, daß manche 
Stämme für den Brautkauf und ähnliche Zwecke die gangbare Geldart nicht zulassen, 
sondern dafür bestimmte andere Vermögensstücke vorschreiben, scheint auf die Zulässigkeit' 
der Annahme hinzuweisen, es möchten neben der Lauptströmung noch verschiedene 
Nebenströmungen bei der völligen Ausbildung des Geldwesens wirksam gewesen sein. 
Für die gesamte Kulturentwicklung der Menschheit bleibt von den Ergebnissen 
dieser Betrachtung aber doch die Tatsache am wichtigsten, daß in dem Gelde als der 
bevorzugten Tauschware ein Mittel gefunden war, welches die Menschen von Stamm 
zu Stamm in regelmäßigem, friedlichem Verkehre verband und einer Differenzierung
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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