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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

3. Die Frankfurter Messe im 16. und 17. Jahrhundert. 195 
13» 
Nürnberg durch Wechsel nach Frankfurt remittiert und von dort in bar nach 
Brüssel gesandt wurden, welcher letztere Transport allerdings damals noch Aufsehen 
erregte. In demselben Jahre hatten die Fugger in einer anderen Frankfurter Messe 
77000 fl. bar einzukassieren, was ihnen für eine Messe doch noch zu viel war: sie 
klagten, daß sie nicht genug Leute dorthin geschickt hätten, um den Betrag zu erheben; 
aber sie erklärten jetzt doch schon, sie könnten den Platz nicht mehr entbehren. So 
kam es denn im folgenden Jahre (1585) wenigstens zur Schaffung einer festen Meß 
währung: die Kaufleute einigten sich über die Geldsorten, welche sie in Zahlung 
annehmen wollten, und über die Preise, zu denen dies geschehen solle. Erheblich 
länger noch dauerte es, bis sich die Vereinfachung des Zahlungsprozesses durch 
Errichtung eines „Meß-Skontro" einbürgerte. Mochten auch schon früher im 
Nürnberger Kose, der größten Kerberge von Meßfremden, manche Zahlungen 
unter Geschäftsfreunden gewohnheitsmäßig kompensiert worden sein, zu einem Systeme 
wurde dies jedenfalls erst im 17. Jahrhundert, als sich bereits regelmäßige Börsen 
versammlungen auf dem Römerberge gebildet hatten oder gerade durch die Not 
wendigkeit des Skontrierens bildeten. Wechsel- und Zahlungsverkehr sind hier wie an 
anderen Orten die ersten Arsachen zur Börsenbildung gewesen. 
Aus alledem ersieht man schon, daß die Frankfurter Messen der Entwickelung 
der Genueser Messen nur langsam folgten und, solange diese blühten, von ihnen 
weitaus in den Schatten gestellt wurden. Dafür war ihre Entwickelung aber auch 
solider und nachhaltiger. Zunächst beruhte ihre Kauptstärke auf dem Warenhandel, 
der bei den Genueser Messen ganz fehlte. Die riskanten Finanzgeschäfte, welche bei 
diesen die Lauptrolle spielten, kamen in Frankfurt erst in zweiter oder dritter Linie in 
Betracht. Sodann war die Äauptfunktion der Genueser Messen die Vermittlung des 
südeuropäischen Verkehrs, der zurückging; die Kauptfunktion der Frankfurter Messen 
dagegen war die Vermittlung des nordeuropäischen Verkehrs, der im Aufschwünge 
begriffen war. Sie bildeten für England und die Niederlande einen Vorposten im 
Kerzen des Kontinents. Im internationalen Zahlungsverkehre dienten sie hauptsächlich 
der Vermittlung zwischen Italien und Oberdeutschland einerseits, den Niederlanden, 
England und Hamburg andererseits. Grade dieser Verkehr war es, der zeitweilig 
große Geldsummen nach Frankfurt führte, und der so zunächst den Anstoß gab zur 
Bildung eines Kapitalmarktes von Bedeutung. Als Sammler und Verteiler dieser 
Kapitalien standen offenbar in erster Reihe die eingewanderten Niederländer. 
Die Bedeutung des Frankfurter Kapitalmarktes ging während der zweiten Lälfte 
des Dreißigjährigen Krieges wieder zurück, was durch den Krieg, noch mehr aber durch 
die gewaltig zunehmende internationale Bedeutung des Amsterdamer Kapitalmarktes 
veranlaßt wurde. Auch nach dem Friedensschlüsse blieb Frankfurt als Kapitalmarkt 
noch langezeit ein Trabant Amsterdams, von dem es sich erst im Anfange des 
19. Jahrhunderts emanzipierte. Bis dahin standen noch immer Nachkommen mancher 
Einwanderer des 16. Jahrhunderts, wie die Deneufville, die d'Orville, Gogel, Gontard 
u. a. in der vordersten Reihe der Frankfurter Bankiers, andere wie die de Bary, 
du Fay, Leerse, Passavant, Sarasin spielten noch eine ähnliche Rolle im Warenhandel. 
Jenes vorübergehende Sinken des Frankfurter Kapitalmarktes erfolgte um dieselbe 
Zeit, als auch die Genueser Wechselmessen in Verfall gerieten. Die außerordentliche 
Bedeutung, welche die Messen in einer Zeit allgemeiner kriegerischer Verwirrung in 
West- und Südeuropa für den Kapitalverkehr erlangt hatten, verschwand wieder, sobald 
dieser sich einer neuen Weltbörse als Mittelpunkt bedienen konnte; aber während die 
Genueser Messen rasch und endgültig verfielen, blieb Frankfurt ein bedeutender Mittel 
punkt des Waren- und Wechsclverkehrs, bis es sich schließlich auch in einen modernen 
Börsenplatz verwandelte.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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