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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

4. Der Breslauer Wollmarkt und die Firma Eichborn & Co. 197 
fender Rechnung, sondern ließ sich durch Bankhäuser seiner Leimat, hauptsächlich 
Englands, Frankreichs, Belgiens, Schwedens bei derselben derart akkreditieren, daß 
diese deren Anweisungen bis zu einem bestimmten Gesamtbeträge teils gegen einzu 
liefernde Wolle, teils ohne diese Bedingung auszahlte und für den ganzen erhobenen 
Betrag zuzüglich aller Spesen sich Wechsel auf das akkreditierende Laus geben lassen 
mußte. Da die Käufer nach dem Breslauer noch die Märkte in Posen, Berlin, 
Stettin und Landsberg, die dem Breslauer unmittelbar folgten, besuchen wollten, 
verlangten sie die Nettoabrechnungen sämtlich am letzten Martttage, so daß zur Be 
wältigung aller dieser Arbeiten manchmal Lilfskräfte herangezogen werden mußten. 
In der Zeit der größten Blüte des Breslauer Wollmarktes sind auf diese Weise 
über 2000000 Tlr. in den Markttagen durch Eichborn & Co. bar zur 
Auszahlung gekommen, welche Gelder sich die Firma hauptsächlich gegen Dis 
konten oder Lombard von der Königlichen Bank, teilweise auch durch Verkauf der 
fremden Devisen, welche die Käufer ausstellten, beschafft hat. Sehr erschwerend wirkte 
hierbei der Limstand, daß Papiergeld nur in beschränktem Maße kursierte und größten 
teils Silber zur Zahlung verwendet werden mußte, das, in 500 Taler-Beutel verpackt, 
mittelst großer zweispänniger Kastenwagen von der Bank geholt werden mußte; je 
nach Bedarf wurden diese Transporte bis zwei- und dreimal an einem Tage wiederholt. 
Zu den Bankiergeschäften gesellte sich in diesen Tagen für die Firma auch noch 
eine umfangreiche Kommissionstätigkeit, die jedoch nicht wie früher seitens der Käufer, 
sondern seitens der Verkäufer in Anspruch genommen wurde. Viele Produzenten 
zogen es nämlich späterhin vor, die Wollen dem Eichbornschen Magazine direkt zum 
Verkauf zuzuschicken und persönlich dem Markte fernzubleiben. Schließlich ttat die 
Firma aber auch noch als Spediteur in Wirksamkeit. Denn vor der Erbauung der 
Eisenbahnen mußte natürlich die Wolle von den Verkäufern per Fuhre nach Breslau 
geschafft werden und, soweit nicht der Wasserweg benutzbar war, auf eben diese Weise 
wieder die Versendung an die Käufer erfolgen. Die Stadt bot mithin nach allen 
Richtungen ein Bild des regsten Lebens und der angestrengtesten Tätigkeit. 
Vom Tagesgrauen an — besagen uns die Mitteilungen eines Augenzeugen — 
kamen von allen Seiten in endlosen Reihen die Fuhrwerke vom Lande mit den in 
oft unförmlich langen runden Züchen oder auch in Kastenform verpackten Wollen, und 
es erforderte die größte Mühe, diese zahllosen, meist von unbeholfenen Menschen ge 
leiteten Fahrzeuge in den engen Sttaßen der Stadt so zu dirigieren, daß jedes seinem 
Bestimmungsort auf kürzestem Wege zugeführt wurde und der Verkehr nicht völlig 
ins Stocken geriet. Waren die Wagen glücklich am richtigen Platze angelangt, so 
wurden die Wollen von Tausenden von Arbeitern abgeladen und aufgestapelt, während 
die Frauen und Kinder derselben ohne Lande! und Bezahlung möglichst viel von 
dem Stroh, in welches die Wollen eingepackt waren, zu erraffen suchten. Diese letzteren 
selbst wurden in mitgebrachten eigenen Zelten, die auf dem Ringe und Blücherplatz 
in Reih und Glied aufgestellt wurden oder in den Lausfluren und Lösen der Gebäude 
an diesen Plätzen, wo man sie mit Ausnützung jedes Raumes, so gut es ging, unter 
brachte, oder auch in größeren Magazinen, zu deren bedeutendsten das Eichbornsche 
auf der Wallstraße gehörte, zum Verkauf ausgestellt. An den Zelten und Läusern 
waren Tafeln mit den Namen der darin lagernden Wollen (nach Dominium und 
Kreis) angebracht. 
Die Gutsbesitzer kamen, soweit es ihre Verhältnisse gestatteten, selbst, vornehme 
wie geringe, mit ihren Frauen, Söhnen und Töchtern mit eigenem Geschirr zum 
Wollmartt, dessen Besuch ihnen ein Fest war, nach Breslau gefahren und saßen 
stundenlang, Lerren wie Damen, bei mitgebrachtem oder schnell beschafftem Imbiß 
auf den Wollsäcken, sich gegenseitig besuchend und der Käufer gewärtig. Diesen war, 
da die Wollen möglichst alljährlich dieselben Lagerplätze innehatten, das Auffinden der
	        

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Die Volkswirthschaftslehre.
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