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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

6. Die Messe von Nischni-Nowgorod einst und jetzt. 203 
Als wichtigste Ware einheimischer Großbetriebe, und zwar der Zeit entsprechend 
grundherrlicher Großbetriebe, traten damals in Nischni die Metalle auf, insbesondere 
Eisen und Kupfer; sie wurden aus den Metallwerken des Aral die Kama im Früh 
jahr zur Messe heruntergeschwemmt., Auch das Eisen befand sich, bei der Verschuldung 
der Grundherren, in der Land von wenigen Großkaufleuten. Drei oder vier Kauf 
mannsfamilien monopolisierten nach Besobrasoff jahrzehntelang den ganzen inner 
russischen Eisenhandel. 
Diese Übersicht ist bezeichnend für die Zustände des Nikolaischen Rußland. Noch 
herrschte der russisch-asiatische Fernhandel vor, ein Zeichen naturalwirtschaftlicher 
Zustände des russischen Volkes. Insbesondere war die mittelrussische Baumwoll 
industrie — ein Gewerbe, das den heimischen Massenabsatz zum Zweck hat — noch 
nicht auf dem Plane erschienen. Garne wie Gewebe wurden noch aus den trans 
kaspischen Ländern nach Rußland eingeführt, ähnlich wie Indien im 18. Jahrhundert 
noch Baumwollwaren nach England versandte. Die Einfuhr von Baumwollwaren aus 
Asien nach Rußland stieg sogar noch in den Jahren von 1824—1852 beträchtlich; die 
Einfuhr asiatischen, selbstverständlich handgesponnenen Garnes ging erst in den sechziger 
Jahren zurück, — alles Beweise der geringen Bedeutung der eigenen fabrikmäßigen 
Baumwollindustrie. Die Earneinfuhr aus Asien, d. h. aus Chiwa, Buchara und Persien 
betrug: 
1854 43985 Pud im Werte von 336020 Rubel, 
1860 14478 86710 „ . 
Diese Ziffern weisen auf den Amschwung hin, der sich um jene Zeit in der 
russischen Volkswirtschaft vollzog und den Charakter der Nischnier Messe grundlegend 
umgestaltete. 
Die breiten Massen Rußlands begannen zu jener Zeit in den Besitz einer 
Landelsware großen Stiles zu gelangen: ihr Getreide wurde verkäuflich. Damit ver 
änderten sich, wenn auch allmählich, die naturalwirtschastlichen Gewohnheiten des 
Volkes. Der tiefste Grund dieser Veränderung war das Getreideeinfuhrbedürfnis, 
also die städtisch-gewerbliche Entwicklung Westeuropas. Beschleunigt wurde diese 
Veränderung durch die Reformen Alexanders II., vor allem den Eisenbahnbau. Die 
gesetzlichen Beschränkungen, denen bisher die Kramläden auf dem Lande unterworfen 
gewesen waren, fielen. Gewiß wirkte in der angedeuteten Richtung auch die Auf 
hebung der Leibeigenschaft. Früher verbarg der Bauer etwaige Ersparnisse, da er 
durch Ausgaben auf Kleidung und Bequemlichkeit die Labgier des Lerrn erweckte. 
In auffallender Weise vermehrte sich gerade in den Jahren nach der Bauernbefreiung 
auf den Jahrmärkten der Absatz der für das Volk bestimmten Waren. Der befreite 
Bauer kleidete sich besser und in lichteren Farben. 
Im Jahre 1895 habe ich in einem großen Dorfe des Gouvernements Woronesch 
den Inhalt des Dorfladens gemustert, um einen Einblick in die gegenwärtigen Verbrauchs 
verhältnisse des Bauen: zu gewinnen. Bei weitem überwogen die Produkte der 
Baumwollindustrie. 
Neben der Baumwolle spielte in dem besuchten Laden das Erdöl die zweite 
Rolle, ebenfalls ein Produkt der jüngsten kapitalistischen Wirtschastsentwicklung. Außer 
dem fand ich zahlreiche eiserne Kleinwaren: die Räder werden jetzt meist mit eisernem 
Reife, die Pflugschar mit eisernem Rande versehen. Daneben sah ich eiserne Beile, 
eiserne Töpfe, Nägel usw. Zwar nicht in dem betreffenden Laden, jedoch in der 
Gegend sah ich eiserne Pflüge, meist deutschen Arsprungs, welche teils von Landlungs 
reisenden südrussischer Einfuhrhäuser, teils von den Beamten der Landschaft unter der 
bäuerlichen Bevölkerung verbreitet werden.
	        

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