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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

6. Die Messe von Nischni-Nowgorod einst und jetzt. 205 
Wie in Europa und Indien, so hat auch in Rußland die Baumwolle die Be 
deutung gehabt, die geldwirtschastliche Bedürfnisbefriedigung in die Massen hinunter 
zutragen. Durch sie werden Wolle und Flachs aus der Eigenproduktion des Bauern 
hofes verdrängt. Auf der Grundlage des heimischen Massenverbrauchs entfaltete sich 
die Baumwollindustrie als die erste moderne Fabrikindustrie Rußlands. Während die 
Einfuhr von Textilprodukten aus Asien nahezu aufgehört hat, gehen russische Garne, 
Druckkattune, auch farbenprächtige Seiden- und Lalbseidenwaren in wachsenden Be 
trägen nach den transkaspischen Besitzungen Rußlands. Die Spindel aus Metall hat 
die kunstgeübte Land der asiatischen Spinnerin auch in ihrer eigenen Leimat geschlagen. 
Neben den Textilwaren spielen Eisenwaren heute die wichtigste Rolle auf der 
Messe, sodann eine stets wachsende Anzahl anderer russischer Industrieprodukte, z. B. 
Glas-, Porzellanwaren usw. Der europäische Schund, berechnet auf einen gänzlich 
ungebildeten Geschmack, ist nahezu verschwunden. Leute kaust man europäische Luxus- 
waren in den glänzenden Magazinen des Petersburger Newski oder der Moskauer 
Schmicdebrücke, zwar zu hohen Preisen, aber in Qualitäten, die selbst den Kenner 
befriedigen. 
Eine Folge der verbesserten Verkehrsverhältnisse ist das breitere Auftreten von 
Naturprodukten auf der Messe, — Naphtha, Fische, russische Weine, Rohbaum 
wolle usw. Sie alle dienen dem inneren Verkehr. Dagegen ist der Ausfuhrhandel 
mit Rohprodukten nach Europa dem Meßverkehr entzogen. Die einzige Ausnahme 
bildet das Pelzwerk, dessen asiatisches Produktionsgebiet dem regulären europäischen 
Landel wenig zugänglich ist. 
In den letzten Jahren vollzog sich eine weitere Veränderung. Die Messe von 
Nischni hat ihren Löhepunkt überschritten. Der Wert der zugeführten Waren betrug 
1880—1884 im Jahresdurchschnitt 215Vs Millionen Rubel und war in den Jahren 
1892—1896 auf 170 Millionen gefunken. Insbesondere werden heute weniger 
Texülwaren zur Messe gebracht als vordem, obgleich dieselben noch immer die leitende 
Ware der Messe sind: 49 Millionen Rubel im Durchschnitt der Jahre 1868—1872 
gegen 45 Millionen 1890 und 1891, — und dies ttotz der gewaltigen Ausdehnung 
gerade der Textilindustrie in den letzten zwei Jahrzehnten. Dies bedeutet, daß die 
wichtigste russische Industrie sich vom Meßabsatz loszumachen beginnt. Baumwoll 
garne erscheinen oft nur in Spezialitäten auf der Messe, z. B. gefärbte Garne für 
den asiatischen Verkehr, die Kattune vielfach nur in Mustern. Die Messe wird zur 
Börse; an Stelle des Verkaufs in nuturu tritt die Preisfestsetzung und Bestellung 
nach Proben unter örtlicher Zusammenfassung von Angebot und Nachfrage. 
Aber diese Börse läßt sich ebensogut oder besser in Moskau abhalten, umsomehr, 
als die einjährige Frist, au welche die Messe von Nischni gebunden ist, den schnelleren 
Schwankungen der geschäftlichen Konjunkturen von heute nicht mehr entspricht. 
Jedoch bleibt der Messe ein breites, ja wachsendes Gebiet in den asiatischen 
Dependenzen Rußlands. Politisch unabhängige Asiaten, Perser und Türken pflegen 
auf der Messe nur zu verkaufen, um Bargeld mit nach Lause zu nehmen, für welches 
sic daheim westeuropäische Industrieprodukte kaufen. Die Kaukasier und die Traus- 
kaspier dagegen sind durch das sie umschlingende Schutzzollsystem gezwungen, russische 
Industrieprodukte von der Messe mitzunehmen. Durch ein wertvolles Ausfuhrobjett, 
welches mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, die Rohbaumwolle, werden diese 
Transkaspier zunehmend kaufkräftige Abnehmer der russischen Industrie. 
Den asiatischen Gewohnheiten aber entspricht noch heute und auf lange hinaus 
der Meßhandel. Soweit nicht unter den Volksgenossen geheiligte Äberlieferung die 
Preise festsetzt, ist der Kaufmann noch heute wie vor alters der „Äberlister". Der 
Asiate mißtraut den zugesandten Mustern und Warenproben; er will die Waren selbst 
sehen und untersuchen. Er glaubt sich übervorteilt, wenn der Preis ohne stunden-
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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