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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

2. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Fondsbörse. 
209 
Von wem nun aber auch der Markt des mobilen Kapitals aufgesucht werden 
mag, und zu welchen Zwecken dies auch geschehe, alle, die es tun, haben das Verlangen, 
die Zwecke, denen ihr Angebot oder ihre Nachfrage dienen soll, möglichst bald sicherzu 
stellen. Ich brauche nur daran zu erinnern, daß es für ein industrielles Werk gar 
nicht möglich ist, eine neue Fabrik zu errichten oder sonstige industrielle Anlagen her 
zustellen, daß es für eine Eisenbahngesellschaft ganz unmöglich ist, eine neue Linie zu 
bauen, daß es für eine Gemeinde unmöglich ist, ein Elektrizitätswerk herzustellen, daß es 
für eine Landschaft unmöglich ist, ihre höher verzinslichen Pfandbriefe in niedriger 
verzinsliche zu konvertieren, daß es für die Staaten unmöglich ist, ihre Anleihen zu 
emittieren, um die staatlichen Zwecke zu erfüllen, die ihnen obliegen, wenn sie sich 
nicht gegen die Konjunkturen, die aus den wechselnden Kursen und politischen Ver 
hältnissen sich ergeben, von vornherein sicherstellen können. Wenn hierbei auf die ver 
mittelnde Tätigkeit der Banken und Bankiers rekurriert wird, so haben doch auch 
diese Mittelspersonen wiederum dasselbe Interesse. Auch sie müssen die Erfüllung 
übernommener Verbindlichkeiten sicherstellen. 
Der Bau der deutschen Eisenbahnen im Laufe der letzten 50—60 Jahre hätte 
niemals in so sachgemäßer und dem Interesse des ganzen Landes dienender Weise aus 
geführt werden können, und unsere Industrie hätte niemals in der Weise erstarken 
können, wie dies geschehen ist, wenn ihnen nicht eine tatkräftige Börse, unterstützt durch 
ein tatkräftiges Teriningeschäft, zur Seite gestanden hätte. Denn die großen Aufgaben, 
die ich kurz skizziert habe, lassen sich nicht erfüllen im Wege des eng begrenzten Kassa 
geschäfts, im Wege eines Geschäfts, in welchem heute die Ware und heute auch das 
bare Geld übergeben werden muß. Diese Aufgaben erheischen das Eingehen lang 
sichtiger Verbindlichkeiten; und hierzu bedarf es einer Geschäftsform, in welcher die Ver 
pflichtung zur Erfüllung sofort sichergestellt wird, welche aber die nötige Zeit und den 
nötigen Spielraum auch läßt zur Beschaffung und Realisierung der erforderlichen Mittel. 
Mit einem Worte: eine leistungsfähige Börse bedarf eines leistungsfähigen 
Terminhandels. 
Ich möchte hier einschalten, daß wir ähnliche Dinge, wie in den letzten Jahren, 
schon früher einmal erlebt haben, und zwar gerade gelegentlich des Baues der deutschen 
Eisenbahnen. Im Jahre 1844, als sich dem deutschen Kapital die Möglichkeit eröffnete, 
sich an der Erfüllung dieser großen wirtschaftlichen Aufgabe zu beteiligen, und als, wie 
dies bei solchen Gelegenheiten immer der Fall ist, auch Ausschreitungen der Spekulation 
stattfanden, erließ der damalige Lerr Finanzminister v. Bodelschwingh eine Bekannt 
machung gegen die stets wachsende Zahl und Ausdehnung der Eisenbahnprojette, „die 
dem Kandel und Gewerbe die nötigen Betriebskapitalien entziehen." Lind im Mai 
1844 erfolgte seitens der Preußischen Regierung ein radikaler Schritt, wie er damals 
genannt wurde: es wurde eine Verordnung erlassen, welche alle Zeitgeschäfte in Eisen 
bahnpromessen, Interimsscheinen, Qittungsbogen für null und nichtig erklärte und den 
vereidigten Maklern die Vermittlung solcher Geschäfte bei Strafe der Amtsentziehung 
untersagte, ferner alle Geschäfte in ausländischen Wertpapieren den vereidigten Maklern 
zu vermitteln verbot und Klagen daraus für null und nichtig erklärte. 
Der Zwang der Verhältnisse ist stärker gewesen als alle Verordnungen. Diese 
Verordnungen haben nicht innegehalten werden können, weil sie gegen die Notwendigkeit 
verstießen, die das wirtschaftliche Leben der Börse auferlegte, und es ist dahin gekommen, 
daß diese Verordnungen in der Versenkung verschwunden sind, bis sie im Jahre 1860 
auch offiziell wiederaufgehoben wurden. 
In gewöhnlichen Zeiten treten die Mängel, die sich aus dem Fehlen des Termin- 
Handels ergeben, schon stark genug hervor; wir haben das im Laufe der letzten Monate 
und letzten Jahre deutlich gesehen. Kommt aber einmal eine ernstliche politische Krisis 
oder gar ein Krieg über Deutschland, dann kann die wirtschaftliche Stärke des Deutschen 
Mol lat. Volkswirtschaftliches Lesebuch. 14
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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