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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

8 
Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. 
Wohl mehr als irgend ein anderer Verleger gelitten. Nicht bloß mit der „Allgemeinen 
Zeitung", sondern auch mit dem „Morgenblatt" und mit dem „Ausland", dann mit 
dem kurzlebigen „Inland", das in der Literarisch--artistischen Anstalt zu München unter 
Wirths Mitwirkung im Jahre 1830 einige Zeit erschienen ist. 
Soweit cs damals überhaupt unabhängige Tages- und Wochenblätter gab, waren 
diejenigen Cottas die bedeutendsten. Sie waren ganz im Geiste des Eigentümers re 
digiert, liberal, aber höchst gemäßigt in der Form, auf Wahrheit und allseitige Ge 
rechtigkeit gerichtet, so zahm und gehalten, wie es mit der Anabhängigkeit und mit 
liberaler Gesinnung überhaupt verträglich war. Amsomehr ergibt die Mißhandlung, 
welche Cotta durch die Zensur erlitten hat, den Maßstab für die Ausschreitungen, 
welche die Heilige Allianz durch die Zensur auch gegen die bescheidenste Freiheit der 
Geister sich erlaubt hat. Aus der quellenmäßigen Anschauung dessen, was man damals 
einem Manne wie Cotta bot, lernt man daher erst ganz die Spannung und einmütige 
Erbitterung aller anständigen Leute begreifen, tvie sie nachmals in den Märztagen von 
1848 zur Entladung gekommen sind. Wenn man heute über den 1848 er Liberalismus 
und über dessen Äbertreibungen der individuellen Freiheit auf Kosten großer Gesamt 
interessen der Gesellschaft klagen hört, so sollte man so billig sein, zu bedenken, wie 
viel die vormärzliche Reaktion dazu beigetragen hat, den Liberalismus zur Einseitigkeit 
zu steigern. 
Das Verletzendste war die Behandlung im Jahre 1831, als die durch die Juli 
revolution geschaffene liberale Strömung bereits wieder gestaut wurde. Cotta hatte der 
Kunstliebe des Königs Ludwig zulieb die größten Opfer gebracht und ihm zu Ge 
fallen in seinem Münchener Kunstverlag ganz außerordentliche Summen gewagt und 
häufig geopfert. Er hatte dann auf Wunsch der freisinnigen Minister im Jahre 1830 
nicht ohne Widerstreben das „Inland" als „ministerielles Blatt" gegründet und zur 
Vertretung der liberalen Ideen aus seinem Beutel zur Verfügung gestellt, ohne auf 
dieses Blatt, welches die Regierung auch durch den Zensor in der Gewalt hatte, selbst 
einen fortlaufenden Einfluß zu nehmen. Am 7. April 1831 noch hatte Graf Armans- 
Perg den damaligen Kauptmitarbeiter des „Inland", Wirth, während der Sitzung der 
Stände zu sich rufen lassen und diesem auf das dringendste empfohlen, sich im Kampf 
gegen die Feinde des konstitutionellen Prinzips nicht irremachen zu lassen und selbst 
einer Einsprache Cottas kein Gehör zu geben, da er, Armansperg, für die Folgen 
einstehen werde; dies alles berichtet Cottas Vertreter in München in einem noch vor 
handenen Briefe vom 8. April 1831 an den Eigentümer nach Stuttgart. Kaum war 
Cotta nach München gekommen, so ließ ihm der König wegen desselben Blattes seine 
Angnade bezeigen, ohne ihn auch nur zu hören, — zwei Jahre, nachdem Cotta in Berlin 
den Handelsvertrag verinittelt hatte! Da schreibt Cotta einen Brief voll sittlicher Vor 
nehmheit direkt an den König. 
Wir wollen nur den Eingang und den Schluß desselben abdrucken: „Eure 
Königliche Majestät! haben mich durch Freiherrn von der Tann wissen lassen, daß 
Allerhöchstdieselbe mir Ihre Gnade entzogen hätte, weil das „Inland" eines der 
hefttgsten Oppositionsblätter geworden sei. Ich bedaure dies von Kerzen wegen meiner, 
ich würde es aber noch weit mehr wegen Eurer Königlichen Majestät bedaucm müssen, 
wenn diese Gesinnung fortbestehen sollte, da Allerhöchstdieselbe dadurch eine An 
gerechtigkeit begehen würde. Denn was Eurer Königlichen Majestät am „Inland" 
auch mißfallen mag, ich trage die Schuld nicht davon. Meine Anschuld geht aufs 
deutlichste hervor aus meinem Schreiben an E. Majestät vom . . . März, welches 
E. M. Minister des Innern vorgelegt zu haben versichert." 
Cotta weist hierauf in längerer, schlagender Ausführung nach, daß das Blatt 
lediglich die mit der Regierung vereinbarte Richtung eingehalten, und daß der Zensor, 
der eine Abweichung von dem der Regierung genehmen Wege hätte rügen müssen, nichts
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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