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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

- M- HW ' 
" M'SMr KU « 
16 
Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. 
durch die eigene Kraft. Selbständige Naturen dieses Schlags, die sich den Weg durchs 
Leben erst selber haben bahnen müssen, und die niemanden zu Dank und Dienst ver 
pflichtet sind, werden immer so geartet sein. 
In andern Ländern, wo ein öffentliches Leben seit lange entwickelt ist, hätte man 
die Energie eines schöpferischen Geistes, der, um Rücksichten unbekümmert, immer fest 
auf sein Ziel lossteuert, besser zu würdigen wissen; in Deutschland waren für das alles 
erst die Wege zu ebnen. In Deutschland mußte man die altkluge Bemerkung hören, 
daß das deutsche Eisenbahnnetz, die Entwicklung des Zollvereins u. s. w. auch ohne 
List hätte kommen müssen: es war der alte Einwand, den schon Kolumbus durch sein 
Kunststück mit dem Ei gewürdigt hat. In Deutschland war einmal der Tadel der, 
daß sein System eine unbegründete Neuerung sei, ein andermal lautete der Vorwurf 
dahin, es sei schon alles in frühern Büchern gedruckt zu lesen, — ein Vorwurf, der 
sich bis zur Abgeschmacktheit gesteigert hat. Die Tadler vergaßen den Unterschied 
zwischen einem Systematiker und einem praktischen Agitator; sie vergaßen, daß das 
Ziel des letzteren nicht der Ausbau eines Systems, sondenr ein praktisches, politisches 
Ziel sein mußte, und daß die vortrefflichsten Systeme der Welt von zweifelhaftem 
Werte sind, wenn sie das ökonomische Interesse der Nation schlummern lassen und an 
der politischen Erziehung des Volkes spurlos vorübergehen. Daß sich von den handels 
politischen Grundsätzen Lifts vieles, vielleicht das meiste schon irgendwo gedruckt oder 
gesagt fand, konnte doch wohl kein ernstlicher Vorwurf sein; es ist noch kein Reformator 
in die Welt gekommen, der etwas Neues erfunden hätte, und schon Goethe hat zur 
Abwehr gegen solche Anklage das wahre Wort gesprochen: „Alles Gescheidtc ist schon 
gedacht worden; man muß nur versuchen, es noch einmal zu denken." So waren die 
Ideen, die List brachte, nichts neu Erfundenes, aber die Verbindung, die Anwendung, 
die praktische Richtung, die populäre Verbreitung, die er ihnen gab, war nur sein 
Werk, und die unermeßlichen Kräfte, die er damit weckte, nur sein Verdienst. Wie 
viel beschämender für die Vorgänger, wenn alles das treffliche Material bereits vor 
handen war und erst ein List kommen mußte, um es dem verborgenen Schachte zu 
entlocken und zum fruchtbaren Gemcingute der Nation zu machen?! Wie viel nieder 
schlagender für sie, wenn sie die populären Wirkungen, die sie seit Menschenaltern geübt, 
mit den großartigen Erfolgen verglichen, die List nur in den letzten sechs Jahren seiner 
Wirksamkeit errungen hatte! 
Der schroffe Ton, in welchem er seine Sache durchfocht, entsprang aus der Leb 
haftigkeit und dem Ernst seiner Überzeugung, nicht aus seinem innersten Wesen. List 
war eine weiche, gemütvolle Natur, voll argloser Eingebung an die Freunde, voll auf 
opfernder Liebe für die Seinigen, aufrichtig, vertrauensvoll und herzlich, in seinen ge 
sunden Tagen von unverwüstlicher Heiterkeit und reich an dem schalkhaften schwäbischen 
Humor, der auch aus einzelnen seiner polemischen Schriften herausklingt. Von der 
gutmüttgsten und wohlwollendsten Art, hatte er immer nur die Sachen, nie die Personen 
im Auge; es konnte ihm ein Gegner, dem er hart mitgespielt, vor die Augen treten, 
und er fand bei List eine joviale, herzliche Aufnahme. Erst die späteren Tage der 
Verkennung und Anfeindung, der körperlichen und gemütlichen Leiden störten jene heitere 
Stimmung; das früher so hingebende Vertrauen schlug dann nicht selten in Mißtrauen, 
der leichte und muntere Sinn in trübe, melancholische Verbitterung um. Nur denen, 
die ihm nahe standen, den Seinigen besonders, war er aber auch in den Tagen der 
tiefsten Leiden der liebevolle Freund, Gatte und Vater und zwang sich, den innern 
Schmerz unter dem Gewand einer erkünstelten Ruhe zu verhüllen. 
Jene heitere Frische und Beweglichkeit des Geistes machte seinen persönlichen 
Amgang und seine Anterhaltung überaus anziehend. Immer neu und eigentümlich, 
übersprudelnd von schöpferischen Gedanken und Entwürfen, wirtte er auf Alle, die ihm 
so näher kamen, erweckend, anspornend und befruchtend; er ließ, wie man von einem
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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