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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dritter Teil. — Industrie
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

3. Die Fabrik. 
317 
3. endlich werden die Großindustrien von den staatlichen Maßnahmen vermöge 
der größeren Intelligenz, der größeren Vermögen und der rascheren Orientierung ihrer 
Leiter stets einen viel stärkeren Gebrauch machen als die kleinen. Ausstellungen, gewerb 
liches Llnterrichtswesen, Muster- und Markenschutz, Privilegien, Patente usw., die 
formell nicht der Großindustrie allein dienen, werden doch ihr in stärkerem Maße 
zugute kommen. 
So ist das Fabrikswesen durch innere und äußere Momente im 19. Jahrhundert 
mächtig gefördert worden. Die als Fabriken zu bezeichnenden Llnternchmungen haben 
nicht nur an Zahl bedeutend zugenommen: es ist auch eine innere Entwicklung bemerkbar, 
welche für die ganze volkswirtschaftliche Organisation wichtig geworden ist. Es sind 
den einfachen, dem Landwerk gegenüber als Großbetriebe zu bezeichnenden Fabriken 
fabriksmäßige Großbetriebe entgegengetreten, welche die ersteren an Intensität der Arbeits 
teilung und Arbeitsvcreinigung, in der quantitativen und qualitativen Bedeutung der 
angewendeten Maschinen und Apparate, in der Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte, 
in der Größe des angelegten Kapitals und in der ganzen Organisation um ein 
Bedeutendes überragen. Die Weiterbildung der Fabriksbetricbe geschieht nicht nur 
durch eine gesteigerte Anwendung derjenigen Mittel, durch welche die Fabrik das 
Landwerk übertrifft; sie bedient sich auch neuer Mittel. Solche sind: die Spezialisaüon 
des Betriebes, die Kombination mehrerer Betriebe, die Abgabe der kaufmännischen 
Funktion der Bettiebsleitung an selbständige Unternehmungen, die örtliche Zusammen- 
saffung von Fabriksbetrieben und endlich ihre Vereinigung in Gemeinschaftsorganisationen, 
wie Kartelle und Trusts. 
Die Spezialisation ist Beschränkung der Produttion auf Artikel von geringer 
Verschicdenartigkeit. Sie gewährt alle Vorteile der Verbilligung und Vervollkommnung 
einer stets in gleicher Richtung vor sich gehenden Arbeit. 
Die Kombination mehrerer Betriebe liegt dann vor, wenn verschiedene Pro 
duttionsstufen von einer Unternehmung zusammengefaßt werden; wenn z. B. zu einem 
Stahlwerk ein Lochofen, zu diesem Erzgruben und Kohlenbergwerke, Koksfabriken und 
dgl. hinzutteten, also Roh- und Lilfsstoffe der Ganzfabrikation in eigenen Betrieben 
für den Eigenbedarf gewonnen oder die Abfallstoffe der Produttion selbständig ver 
wertet werden. Dadurch gewinnt der Unternehmer nicht nur die Sicherheit guter 
Qualität seiner Roh- und Lilfsstoffe, die Unabhängigkeit von Störungen, er spart auch 
alle über die Produktionskosten hinausgehenden Kosten eines Kaufes zu Marktpreisen. 
' Durch die Trennung der kaufmännischen Aufgaben des Einkaufes von 
Rohstoffen, des detaillierten Verkaufes von Produtten wird die Leitung entlastet und 
kann sich mit größerer Energie der technischen Aufgabe zuwenden. 
Durch die örtliche Zusammenfassung von Fabriken (Maschinenindustrie und 
Baumwollenindustrie, Spinnerei und Weberei) werden Transportkosten gespart, Fort 
schritte der Technik rasch ausgenützt, wird Spezialisierung erleichtert. 
In den Kartellen und Trusts endlich treten Vereinbarungen auf, welche 
monopolistisch die Fabrikation bestimmter Produktionszweige beherrschen.*) 
Linker Anwendung dieser Mittel sind mächtige Unternehmungen entstanden, welche 
Tausende von Arbeitern beschäftigen, technische Anstalten der verschiedensten Art in 
Betrieb setzen und einen Verkehr mit allen Weltteilen entfalten. Solche Llnternehmungen 
können, auch wenn sie einem Eigentümer gehören, nicht mehr von einem einzelnen 
geleitet werden; die Leitung ist einer Mehrzahl von Angestellten anverttaut, deren 
Interesse am Betrieb nicht mehr durch einen Anteil am Vermögen, sondern durch 
andere Verbindungen sichergestellt wird. Wie in einer staatlichen Verwaltung wird 
*) s. die Aufsätze von Ludwig Pohle, tsciiry voelcker und Robert Liefmann 
5. m—W. — <8. M.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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