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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

2. Die Gefahren des Industriestaates. 
359 
Weiter als der landwirtschaftliche -Unterbeut reicht, kann aber die industrielle Etage 
natürlich nicht fortgesetzt werden, — es sei denn, daß ihre Bewohnerschaft von aus 
ländischer Nahrung lebt und ihre Fabrikate gegen diese ausländische Nahrung eintauscht, 
also Exporündustrie wird, die für das Ausland arbeitet und vom Auslande lebt. Das 
industrielle Stockwerk wächst dann seitlich weiter in die Lust hinaus und über die 
Landesgrenze hinaus, über fremden Boden hin, künstlich gestützt auf die Pfeiler des 
auswärtigen Handels, die auf fremdem Grund und Boden ruhen, von dem es seine 
Nahrung bezieht. Mit dem Augenblick, wo eine solche Exportindustrie anseht und 
also die Entwicklung zum Industriestaat beginnt, verschiebt sich der Schwerpunkt des 
volkswirtschaftlichen Körpers nach außen; mit Kilfe der künstlichen Pfeiler kann er 
zwar sich halten, aber diese Pfeiler auf fremdem Boden stehen nur so lange, als der 
Eigentümer des fremden Bodens sie stehen läßt. Wenn er eines Tages den Boden 
selbst benutzen will, so stürzt mit den Pfeilern der überragende Etagenbau zusammen. 
Wenn wir eine Exportindustrie von 5 Millionen Menschen gründen, die von 
amerikanischem Getreideüberschuß lebt, so sind diese 5 Millionen mit ihrer künftigen 
Existenz eben darauf angewiesen, daß das amerikanische Getreide dauernd überschüssig 
und, speziell für sie, im Austausch mit ihren Fabrikaten verfügbar sei. Alle Export 
industrie ist ihrer Natur nach prekär, und in diesen immer prekäreren Zustand treibt 
der Industriestaat hinein. 
Solange die Exportindustrie klein ist, hat das nicht viel zu sagen. Wenn sie 
aber von Jahr zu Jahr um sich greift und, wie in England, die große Mehrzahl der 
Bevölkerung umfaßt, so steht die ganze Volkswirtschaft auf Stützen, und der Zusammen 
bruch dieser Stützen wäre das Ende der Naüon. Entwicklung zum Industriestaat heißt 
Abhängigkeit vom Ausland, und Volkswirtschaft auf eigener Nahrungsbasis heißt 
Unabhängigkeit. Eine Nation darf Industriestaat nur werden, wenn sie der Dauer 
ihres auswärtigen Kandels sicher ist. 
Die heute übliche Pflege der Exporündustrie ist eine kurzsichtige Politik nach dem 
Kerzen des Kapitals. Die wachsende exportindustrielle Bevölkerung findet in einer 
nicht fernen Zukunft weder Absatz für ihre Produkte noch Brot für ihre Existenz. 
Das Brot wird zunächst verteuert werden; aber bei sinkendem Werte des Exports und 
bei abnehmender Zinszahlung von seiten des Auslandes wird das Brot nicht einmal 
zum alten Preise bezahlbar sein. Die Brotländer werden in der Lage sein, der alten 
Welt ihre Bedingungen zu diktieren. Nur durch politischen Zwang wäre dieser 
Abhängigkeit zu entgehen, dadurch also, daß wir mit Waffengewalt Amerika zwingen, 
uns länger Getreide zu liefern, als seinem wirtschaftlichen Interesse entspricht. Das 
heißt, wir müßten die wirtschaftlich aufstrebenden Staaten zwangsweise auf der Stufe 
des Agrarstaats zurückhalten. Ich kann mir schlechterdings kein Bild davon machen, 
wie das geschehen soll, und halte auch den wahrscheinlichen Erfolg einer Messung der 
Kräfte für ungünstig; nicht weil wir an sich die Schwächeren wären, sondern weil wir 
in diesem Kampfe die idealen Mächte gegen uns hätten: das berechtigte Sweben nach 
nationaler Entwicklung. 
Die andere Konsequenz ist die Arbeitslosigkeit und Brotlosigkeit der export 
industriellen Bevölkerung, und zwar, was zu betonen ist, eine plötzliche Brotlosigkeit, 
und ferner, unter der Voraussetzung, daß es noch eine Anzahl Jahrzehnte bis dahin 
Zeit hat, eine plötzliche Brotlosigkeit ungeheurer Massen. Gerade in der Plötzlichkeit 
liegt hier die schlimmste Verschärfung der Gefahr. Diese Plötzlichkeit aber ist nicht 
nur möglich, sondern ist wahrscheinlich, weil die wirksamen Faktoren, die die Zuspitzung 
der Konkurrenz bedingen, ihrer Natur nach sich gegenseitig zu beschleunigtem Tempo 
steigern. Man nehme einmal an, Amerika sei nach so und so viel Jahren soweit, 
Europa entbehren zu können; die betreffende Pattei gewinnt die Mehrheit, und mit 
amerikanischer Raschheit wird ein eigentlicher Prohibitivzoll erttchtet. Die verschärfte
	        

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Kritische Geschichte Der Nationalökonomie Und Des Socialismus. Grieben, 1875.
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