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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

3. Aber die Bedeutung einer Industrialisierung der heutigen Rohstoffstaaten rc. 363 
sind den alten Industriestaaten bessere Kunden geworden, als jene einst als Rohstoff 
staaten waren. Eine gewaltige Quote des Gesamthandels in industriellen Produkten 
bewegt sich zwischen alten und neuen Industriestaaten und zwischen diesen und dem 
„Agrikultur-Manufakturstaat" Nordamerika, den zu hindem, daß er „auch nur einen 
Nagel" selbst fabriziere, zurzeit der Landclscifersucht das eifrigste Bestreben des Mutter 
landes gewesen war. 
Der Fortschritt der gewerblichen Expansion der Rohstoffstaaten hat bisher für 
keinen Industriestaat einen dauernden Rückgang des Fabrikatenexports zur Folge gehabt, 
— wenn der französische seit Anfang der neunziger Jahre lahm geht, so liegt die 
Schuld nicht am Emporkommen der Fabrikation in anderen Ländern, sondern am System 
Meline, das mit seinen Lochschutzzöllen den Import minderte und zugleich, wie 
notwendig, den Expott. 
Die rückläufige Bewegung der „Exportindustrie" Westeuropas ist ausgeblieben; 
cs hat sich an ihr das alte Sprichwott bewahrheitet, daß, wer fälschlich totgesagt wird, 
recht lange lebt. Nur eine Verschiebung innerhalb der Expottindusttie ist eingetreten; 
heute gelangen vielfach andere Arten von Fabrikaten, bezüglich andere Sotten der 
gleichen Fabrikart — andere „Nummern", Qualitäten — zum Expott als früher. 
Gewisse Expottindustrien haben dadurch, daß die bisherigen Kunden die 
Fabrikation selbst in die Land nahmen und den Weltmarkt betraten, Einbußen erlitten; 
so z. B. die englische Drahtstiftindustrie durch die Entwickelung der deutschen, die 
englische Maschinenindustrie — besonders die Industrie landwirtschaftlicher Maschinen 
durch die Entwickelung der nordamerikanischen, die englische Garnindustrie in gewissen 
„Nummern" durch die Entwickelung der deutschen, schweizerischen usw. Dafür haben 
andere einen Zuwachs erfahren, und sind zahlreiche neue erblüht. Für die alten Industrie 
staaten hat die Industrialisierung gewisser Rohstoffstaaten keinen Bruch des Vettehrs, 
kein Aufhören der Arbeitsteilung mit diesen nach sich gezogen. Der Vettehr ist 
gesüegen, die Arbeitsteilung hat sich nur gewandelt, hat sich vervollkommnet durch immer 
cxattere Anpassung der Expottindusttie an die den Ländern spezifischen, verschiedenen 
Produktionsbedingungen, an ihre nationalwirtschaftliche Individualität. 
Deutschland, Belgien, die Schweiz sind Industriestaaten geworden, wie Frankreich 
und England; Nordamerika schickt sich an, einer zu werden. Aber sic betreiben andere 
Exporündustrien wie Frankreich und England. Nicht vernichtende Konkurrenzierung, 
sondern heilsame Differenzierung der Naüoncn, nicht dauernder Rückgang, sondern 
ständiger Aufstieg des Außenhandels ist die Folge des Amsichgreifens der Industriali 
sierung gewesen. 
Die Industrialisierung Deutschlands usw. hat für die Naüoncn, die schon in der 
ersten Lälfte des vorigen Jahrhunderts Industriestaaten waren, d. h. Frankeich und 
England, ein Einschrumpfen der Ausfuhr nicht zur Folge gehabt. 
Warum sollte denn das Ergebnis ein anderes sein, warum sollte eine rückläufige 
Bewegung in der „Exportindustrie" der Industtiestaaten von heute sich einstellen, wenn 
künfüg Länder wie Italien, Spanien, Portugal, die Balkanstaaten, Rußland, — 
Kanada, Mexiko, Brasilien, Chile, Argenünien, — Ostindien, Japan, China, — 
Australien in größerem Süle als heute zu fabrizieren begännen? 
Wenn weitgehende Arbeitsteilung, wenn ausgedehnter Verkehr in Fabrikaten 
zwischen Ländern wie England, Deutschland, Frankeich, Belgien, Schweiz stattfindet, 
zwischen Ländern, die alle in der gemäßigten Zone liegen, alle auf ungefähr gleicher 
Stufe sozialer und wirtschaftlicher Kultur stehen, — die Wahrscheinlichkeit, daß Arbeits 
teilung und Verkehr nicht nur aufrecht bleiben, sondern noch emporgehcn, ist doch eine 
weit, weit höhere, wenn es sich um jene Industtiestaaten von heute einerseits, die Roh 
stoffstaaten von heute andrerseits handelt? Denn zwischen jener und dieser Gruppe ist
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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