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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

3. Äber die Bedeutung einer Industrialisierung der heutigen Rohstoffstaaten :c. 365 
Gewiß, die tropischen Länder beginnen zu fabrizieren, — genauer gesprochen: 
sie haben schon seit Jahrtausenden damit begonnen und haben, Indien und China 
wenigstens, ihre Manufakte, vor allem höchstwertige kunstgewerbliche Produkte der 
Textil--, der Metall--, der keramischen Industrie, nach Europa gesandt und im Aus 
tausch hauptsächlich Silber daher empfangen. Die Industrie in gewissen, d. h. den 
dichtbesiedelten und kulturell entwickeltsten Gebieten der heißen Zone ist kein Novum. 
Ein Novum ist nur, daß diese, nachdem sie eine Reihe von Dezennien hindurch gewisse 
Produkte der modernen westeuropäischen Großgewerbe in größeren Mengen importiert 
hatten, jetzt anfangen, einige derselben selbst zu erzeugen, unter Anwendung der neuen 
Technik. 
Aber was für Indien und China und Japan gilt, gilt — vorläufig — nicht 
für die tropischen Kolonialländer. Wo ist denn in den Inseln des Stillen Ozeans 
— in Zentralamerika, in Brasilien, in Peru usw. — in Afrika, selbst einschließlich 
Kaplands — in Australien (soweit es der heißen Zone angehört) die Industrie? 
Einzelne, ganz wenige Gewerbe sind hie und da durch Schutzzölle mühsam aufgezüchtet, 
mit größtenteils kläglichem Ergebnis. So lange diese an Naturschätzen so reichen 
Länder arm bleiben an Arbeitskräften und Kapitalien, werden sie trotz der neuen Technik, 
trotz der Möglichkeit, westeuropäische Maschinen und Werkmeister sich kommen zu lassen, 
Rohstoffstaaten bleiben, — wenn sie klug sind. 
Die ostasiatische Industrie wird weiter fortschreiten, in den arbeits-- und kapital 
armen Kolonialländern wird, nachdem die Bevölkerung und der Wohlstand auf ein 
gewisses Niveau gestiegen sind, die Industrie emporkommen, wie sie, als diese Bedingung 
erfüllt war, im Osten der Vereinigten Staaten von Amerika emporgekommen ist. Aber 
werden die konkreten Industrien, die dort betrieben werden, die gleichen sein wie die, 
welche Westeuropa dann betreiben wird? Lind wird dort „Industrie" in so beträchtlichem 
Amfangc betrieben werden, daß der Import aus Westeuropa wesentlich zurückgeht? 
Beides ist im höchsten Grade unwahrscheinlich. — 
Die Verschiedenheit hinsichtlich des Vorkommens und der Erzeugungs-- und Ver- 
arbeitungsbedingungen der Lilfs-- und Rohstoffe ist von Natur gegeben; in alle 
Zukunft wird sie dahin wirken, daß die einzelnen Länder und Weltteile nicht gleichen, 
sondern verschiedenen Industrien, bezüglich Spezialitäten sich widmen, d. h. sofern sie 
den Geboten der wirtschaftlichen Vernunft Gehör schenken, nicht der Unvernunft, alles 
selbst machen zu wollen, verfallen. 
Die Verschiedenheit der sozialen Verhältnisse der Völker ist ein .Historisches, 
Wandelbares; sie wird sich — vermutlich — mehr und mehr ausgleichen. Mit Steigen 
der Bewohnerziffer, der intellektuellen, moralischen, ästhetischen, technischen Bildung, 
des Kapitals mögen die sozialen Verhältnisse z. B. Rußlands denen Deutschlands 
ähnlicher und ähnlicher werden. Dann wird zwischen beiden nicht weniger, sondern 
mehr getauscht werden wie heute, — ebenso wie heute zwischen England und Deutschland 
mehr getauscht wird wie einst, da jenes Industriestaat, dieses Rohstoffstaat war. 
Nicht weniger, sondern mehr — nur zum Teil andere — Fabrikate werden 
die Industriestaaten von heute den Rohstoffstaaten senden, nachdein deren Industri 
alisierung sich vollzogen hat. Welche? Das können wir zurzeit ebensowenig sagen, 
wie man in den dreißiger und vierziger Jahren hätte sagen können, in welcher Weise 
Arbeitsteilung und Verkehr zwischen England und Frankreich einerseits, Deutschlands 
andererseits sich gestalten würden, nachdem auch letzteres in die Reihe der Industrie 
staaten eingetreten. 
Die alten Industriestaaten werden die Spezialitäten pflegen, für welche die 
natürlichen und sozialen Verhältnisse ihnen am günstigsten liegen, die jungen Industrie 
staaten die, hinsichtlich deren ihre Arbeit relativ produküver ist als die Arbeit der 
ersteren. Welche es sind, kann erst im Wettbewerbe der Zukunft sich entscheiden. Nur
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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