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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

1. Zur Begründung der Freihandelslehre. 36/ 
herzustellen vermögen. Denn wenn Portugal statt des Tuches Wein herstellt, erhält 
es bereits für 100 Tonnen Wein, d. h. für nur 80 Jahresarbeiten, die 1000 Ballen 
Tuch, die ihm sonst 90 Jahresarbeiten kosten würden. Nehmen wir Wein und Tuch 
als Repräsentanten aller Arten von Produkten und Portugal als den Repräsentanten 
aller Länder des Auslandes, so wäre in dem gesetzten Falle England hinsichtlich der 
Produttion aller Waren schlechter als das Ausland gestellt. Trotzdem wäre es mit 
seiner Produttion nicht vom Weltmarkt verdrängt und vor die Gefahr einer Ent 
völkerung und der Ansiedelung seiner Bewohner im produktions-geeigneteren Ausland 
gestellt. Denn es läge nicht im Interesse Portugals, alle Waren, die es billiger als 
England herzustellen vermöchte, selbst herzustellen, sondern nur diejenigen, bei deren 
Verstellung sein Kapital den höchsten Gewinn und seine Arbeit den höchsten Lohn 
erzielte; denn indem es seine Produttivkraft auf die Verstellung dieser Güter konzen 
trierte, würde seine Produttivkraft sich am besten lohnen und seine Konsumenten selbst 
das Tuch, das es billiger zwar als England, aber nicht so billig als Wein herzustellen 
vermöchte, gegen Kinaussendung von Wein billiger aus England erhalten, als wenn 
es dieses Tuch selbst Herstellen wollte. 
Aber setzen wir an die Stelle des von Ricardo angenommenen Beispiels die 
Wirklichkeit. Da sind England und Deutschland. 
Es ist an sich nicht unmöglich, in England Wein zu bauen, ebensowenig wie es, 
rein technisch betrachtet, unmöglich wäre, durch Bestellung auch der unfruchtbarsten 
Acker den gesamten deutschen Getreidebedarf in Deutschland zu erzeugen. Unsrer 
heutigen Technik ist ja an sich nahezu alles möglich; es fragt sich nur, zu welchen 
Kosten. Der Marquis von Bute baut seit 25 Jahren in Südwales Wein im Freien. 
Ich bin durch die Güte einer init Lord Bute befreundeten Dame in den Besitz der 
Berichte über die erzielteir Erfolge, ja sogar in den Besitz einer Flasche des in Schloß 
Loch in Glamorganshire gebauten Weines gesetzt worden und muß bezeugen, daß der 
Versuch, rein technisch betrachtet, vorzüglich gelungen ist. Der Wein ist von aus 
gezeichneter Qualität. Anders stellt der Versuch sich dar, wenn ökonomisch bettachtet. 
Obwohl in öffentlicher Versteigerung für das Dutzend Flaschen der hohe Preis von 
115 Schilling erzielt wurde, deckt dieser Preis nicht die Kosten. Es ist also für 
Deutschland keine Gefahr, daß, wie man gescherzt hat, der Konsum seines Äochheimer 
durch den von Cochheimer in England erseht werde. Vielmehr ziehen bei so hohem 
Preise es die Engländer vor, sich den Wein, den sie trinken, durch Kinaussenden von 
Baumwoll- und Wollenwaren, von Eisen, Maschinen, Kohle und anderen Produkten, 
deren Kerstellung ihnen Gewinn bringt, aus Portugal, Spanien, Frankreich, Italien 
und Deutschland zu verschaffen. Allein sie beziehen aus dem Ausland nicht bloß Wein, 
den sie zu Lause nur teurer Herstellen können. So sind die Bauinwollindustrie 
Lancashires und die Wollindustrie Porkshircs, sowie die Kartwarenindustrie Birminghams 
berühmt. England vermöchte wohl seinen ganzen Bedarf an baumwollenen und 
wollenen Garnen und Geweben und an Kartwaren, sowie alles, was es an andere 
Länder davon verschleißt, selbst herzustellen. Aber ttohdem beziehen die Engländer 
starke Baumwoll- und Wollgarne und gröbere Gewebe und Solinger Waren aus 
Deutschland, dem sie andere Qualitäten von Baumwollgarnen, Roheisen, Maschinen 
überwiegend aus Gußeisen, Steinkohlen, hartes Kammgarn, andere Wollgarne dafür 
schicken. Wie kommt dies? Kalten wir uns bei der Beantwortung an die Baum 
wollgarne. Vermöge seines feuchten Klimas hat Lancashire besondere Produttions 
vorteile bei der Kerstellung der feineren Nummern der Baumwollgarne. Bei ihrer 
Kerstellung macht es den größten Gewinn. Obwohl es sämtliche gröberen Nummern 
Baumwollgarn, die es selbst braucht oder an andere Völker verkauft, selbst Herstellen 
könnte, zieht es doch vor, einen großen Teil derselben von Deutschland gegen seine 
feineren Baumwollgespinnste einzutauschen. Denn auf diese Weise wirft seine Pro-
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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