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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

378 Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik. IV, Deutsche Handelspolitik. 
Wo wirklich Grenzzölle statt der frühere» Binnenzölle errichtet wurden/ wie in 
der Hauptsache in Bayern (1807), in Württemberg (1808), in Baden (1812), da 
ging der Segen dieser volkswirtschaftlichen Tat wenigstens für Gesamtdeutschland dadurch 
verloren, daß sich nun die einzelnen deutschen Staaten zugleich mit dieser Maßregel 
noch schroffer voneinander abschlössen. Im Gewcrbewescn ward hier bis in die 
zwanziger Jahre keine durchgreifende Änderung versucht. 
Einen solchen Zustand traf die von Napoleon verordnete Kontinentalsperre, die 
sich bekanntlich auf alle deutschen Staaten erstreckte. Es ist unmöglich, die zahllosen 
Chicanen dieses Systems in Kürze klar zu legen; sie gingen parallel mit den politischen 
Quälereien, welchen damals Deutschland völlig zu unterliegen drohte. Aber die 
Wirkung dieser Maßregel läßt sich kurz nach zwei Richtungen hin verfolgen. Auf 
der einen Seite wurden zwar einige Gewerbezweige gehoben, weil sie gegen Englands 
industrielle Konkurrenz geschützt waren, ja es entstanden selbst neue Industrien, die seit 
jener Zeit sich blühend erhielten, auf der anderen Seite aber kamen andere nur in 
desto größere Verlegenheit. Denn dieses in seiner Art einzige Experiment vernichtete 
den Seehandel und machte den Bezug der Kolonialwaren und mancher nötiger Roh 
stoffe unmöglich oder verteuerte ihn außerordentlich. Die Unternehmungslust, die in 
Friedenszeiten vielleicht eine günstige Gelegenheit, sich von England zu emanzipieren, 
ergriffen hätte, lag darnieder. Fehlte es doch in jenen recht- und ruhelosen Zeiten 
an Geld, an Arbeitshänden und am wagenden Mut. Dazu blieben die Zölle im 
Innern Deutschlands fortbestehen; Deutschland wurde mit französischen Waren über 
schwemmt, während Frankreich sich den deutschen Erzeugnissen durch ein immer schärfer 
ausgebildetes Prohibitivsystem verschloß. 
Mit dem Sturze Napoleons fielen auch die Schranken, welche England in 
industrieller Beziehung vom Kontinent getrennt hatten. Es war natürlich, daß die 
Rückkehr des Friedens auch Leben, Bewegung und neue Schaffenslust in alle Zweige 
der Industrie brachte. Aber das währte nicht lange. England suchte sogleich die im 
Kampfe mit Napoleon gebrachten riesigen Opfer zu ersetzen; cs war auch dem wirt 
schaftlichen Kampfe nicht unterlegen, sondern hatte vielmehr die Alleinherrschaft über 
das Meer erlangt. Was war natürlicher, als daß die fast ein Jahrzehnt hindurch 
zurückgehaltene Tätigkeit von Englands Lande! und Industrie plötzlich losbrach wie ein 
Strom, dessen Wasser lange ein Wehr beengte! And welche Revolutionen hatten sich 
unterdessen in der englischen Industrie vollzogen! Tausende von Maschinen hatten 
sich ihr zur Verfügung gestellt, Verbesserungen aller Art hatten die Produktion ins 
Massenhafte gesteigert. And alle diese Massen englischer Produkte ergossen sich über 
das offene Deutschland. Englands Landet nach dem Festlande soll sich dank dem 
Absähe seiner wohlfeilen Massenprodukte schon im Dezennium von 1782—1792 
verdoppelt haben. Seine Mehrausfuhr nach Deutschland steigt schon 1782 —1792 
von 400000 Pfd. St. auf 1 Va Millionen, von 1792—1814 aus 4 Millionen. 
Das mußte sich natürlich mit dem Ende der Kontinentalsperre noch erhöhen. Im 
Jahre 1814 gingen allein für 21654000 Taler englische Baumwollenwaren in Deutsch 
land ein. Die englischen Waren gingen zu Schleuderpreisen weg; aber was lag an 
vorübergehenden Verlusten, wenn man dadurch auf die Dauer den Markt gewinnen 
und ein faktisches Monopol begründen konnte, — ein Manöver, das England damals 
weder zum ersten noch zum letzten Mal mit Erfolg inszenierte. Die deutsche Industrie, 
die sich eben erst von den Kriegszeiten zu erholen begann, vermochte dieser Konkurrenz 
nicht Widerstand zu leisten. „And so zerfielen", wie Weber sagt, „in jener Zeit auch 
noch manche tüchtige Überreste der früheren deutschen Gewerbtätigkeit, welche dem Ein 
fluß von fast zwanzig Jahren verheerender Kriege nicht gewichen waren." Außerdem 
hatten die linksrheinischen, vor kurzem noch französischen Gebiete Deutschlands ihren 
Absatz nach Frankreich verloren. Am 20. März 1815 beschloß das englische Parlament,
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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