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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

390 Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik. IV. Deutsche .Handelspolitik. 
preußischen Beamtentums. Die entschiedene Wendung zum Freihandel war politisch 
eine Existenzfrage, wirtschaftlich höchstens eine Zweckmäßigkeitsfrage. 
Mit der Erstarkung und Ausschließung großer und neuer Getreidekammern im 
Osten und in Amerika traten gewaltige Veränderungen in den Weltmarktsbezügen ein, 
und in einer relativ kleinen Spanne Zeit wurde Deutschland aus einem Getreide 
exportierenden Lande ein importierendes. Der industrielle Protektionismus hatte zudem 
in der Handelspolitik Frankreichs, Rußlands und der Vereinigten Staaten nicht auf 
gehört, eine gewichtige Rolle zu spielen, und deren größere Widerstandsfähigkeit 
gegenüber der herannahenden Wirtschaftskrisis führten Bismarck und viele mit ihm 
jetzt auf das dort festgehaltene handelspolitische System zurück. Nur sehr langsam und 
nach heftigen Zusammenstößen wurden auch unsere agrarischen Freihändler Nord- 
deutschlands für die Idee des nationalen Zollschutzes gewonnen. 
Der Anstoß zur Amkehr ging jedoch nicht von den landwirtschaftlichen Interessenten 
kreisen, sondern von der deutschen Fabrikantcnwelt aus. Große Gruppen derselben 
hatten bei dem stürmischen Laufe der Freihandelspolitik zuerst skeptisch, später unter 
lebhaftem Protest beiseite gestanden. Der letzte Akt der Freihandelsära, die Auf 
hebung der Eisenzölle, hatte sie in nachhaltige Erregung versetzt und sic zu einer 
geschlossenen Opposition geeint. Die deutschen Fabrikanten waren im allgemeinen 
einverstanden mit den Errungenschaften der liberalen Reichspolitik, nur die Zollpolitik 
machten sie nicht mit. Als dann der Fünfmilliardensegen verpufft war und die durch 
ihn herbeigeführte Hausse einer schweren industriellen Wirtschaftskrisis Platz gemacht 
hatte, fing man mehr und mehr an, den Freihandel, dein man früher den wirt 
schaftlichen Aufschwung zugeschrieben hatte, jetzt für den kommerziellen Niedergang 
verantwortlich zu machen. Diese Auffassung verschaffte sich auch im Reichskanzleramt, 
>vo inzwischen Bismarck, durch Enqueten und umfangreiche Studien überzeugt, den 
Übergang zum Schutzzoll vorbereitet hatte, Eingang. Für den Kanzler war aber noch 
ein weiteres Moment von großer Bedeutung. Das neu geeinte Reich brauchte neue 
und ergiebigere Einnahmequellen. Wollte man es finanziell konsolidieren und auf eigene 
Füße stellen, so war die Rückkehr zum Zollschutz das Nächstliegende Mittel. Vielleicht 
ist dieser Gesichtspunkt von größerem Gewicht gewesen, als man gewöhnlich glaubt. 
Fürst Bismarck ist jedenfalls von ihm ganz und gar durchdrungen gewesen, wollte er 
ja doch ganzen Gruppen von Tarifsätzen in den nun folgenden erregten wirtschafts 
politischen Debatten nur den Charakter von Finanzzöllen — ob mit Recht, lasse ich 
dahingestellt — beigelegt wissen. 
Als gleichzeitig eine bunte Reihe von Finanzprojekten, die das Reich unabhängig 
von den Matrikularbeiträgen, gegen die Bismarck stets eine Abneigung gehabt hatte, 
stellen sollten, im Reichstage gescheitert waren, hinderte den Kanzler nichts mehr, eine 
vollkommene Frontveränderung den Parteien gegenüber vorzunehmen. Der schon lange 
vorbereitete Bruch mit dem Liberalismus, auf den sich die Regierung in allen nationalen 
Fragen bisher gestützt hatte, wurde Tatsache. Bismark hatte damals den großen Plan, 
an Stelle der politischen Parteien, von denen ihm keine so recht sympathisch war, eine 
moderne ständische Gruppierung treten zu lassen. Die unbequemen Ministerien, die 
mancherlei elastische Widerstände zeigten, sollten durch einen „Volkswirtschaftsrat" im 
Zaum gehalten werden. Den heterogenen Elementen der großen Parteifraktionen wurde 
ein neues wirtschaftspolitifches Programm, das in der Forderung und im Versprechen 
des Schutzes der nationalen Arbeit gipfelte und Landwirtschaft und Industrie gleichmäßig 
zugute kommen sollte, unterbreitet. Dieser Keil, den der Reichskanzler in die 
Fraktionen trieb, brachte eine vollkommene Amwälzung zu stände. Es gelang, eine 
Allianz der Wirtschaftsreformer, die jetzt die Großindustriellen und den Groß 
grundbesitz zur gemeinsamen Tätigkeit berief, und von der die schutzzöllnerischen Tarif- 
reformen von 1879, 1881, 1885 und 1887 getragen wurden, zu stände zu bringen.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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