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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

10. Zur Geschichte der Eisenzölle. 
40 l 
Stelle der direkten staatlichen Subventionen gesetzt wurde und andererseits der ungehemmte 
Vertrieb der Waren aller Industriezweige über ein dem Auslande gegenüber geschütztes 
Gebiet in ausgedehnterem Maße ermöglicht wurde. hierin lag auch der Segen der 
Gründung des Zollvereins im Jahre 1833 und seiner allmählichen Erweiterung über 
ganz Deutschland. Jeder Zuwachs desselben war ein neuer Impuls für die deutsche 
Industrie zu erhöhter Tüchtigkeit der Leistungen, wenn auch einzelne Werke der ver- 
schärftcn inneren Konkurrenz erlagen. Dem Auslande gegenüber setzte der Zollverein 
die preußischen Traditionen eines mäßigen Schutzes fort. Inter diesen Verhältnissen 
erfreute sich zunächst die Eisenindustrie einer ruhigen und stetigen Entwicklung. Der 
Eisenverbrauch dehnte sich bei allmählicher Steigerung des allgemeinen Wohlstandes 
und schrittweisem heranwachsen der Großindustrie nur langsam aus, bis im Anfange 
der vierziger Jahre der lebhaft in Angriff genommene Eisenbahnbau plötzlich große 
Massen von Eisen erforderte und sich nunmehr, zugleich veranlaßt durch eine momentane 
Absatzkrisis in England, ein gewaltiges Überwiegen der dortigen Eisenproduktion heraus 
stellte. Diese beruhte seit dem Anfange des Jahrhunderts auf der ausschließlichen 
Verwendung der Steinkohle, während die deutsche Schmiedeeisen- und in noch höheren: 
Maße die Roheisenindustrie ganz überwiegend bei der viel kostspieligeren Holzkohle 
arbeitete. Großbritannien hatte also einen großen technischen Vorsprung voraus; die 
sehr bedeutende Steigerung des Eisenbedarfs in Deutschland zu Anfang der vierziger 
Jahre kam allein der britischen Eisenindustrie zu statten, die Eiseneinfuhr stieg in 
wenigen Jahren von 12 und 13 auf 52 und 55°/„ des Gesamtbedarfs, die deutsche 
Eisenproduktion mußte fürchten, völlig unterdrückt zu werden. Man sah sich daher 
nach einigem Zögern im Jahre 1844 genötigt, auf das bisher zollfreie Roheisen einen 
Zoll zu legen, der zwar für die Arbeit bei Holzkohle keinen ausreichenden Schutz 
gewährte, aber die Einführung des Koks- bezw. Steinkohlenbetriebes wirksam zu 
befördern geeignet war. Der bisherige Zoll auf Stabeisen wurde entsprechend erhöht. 
Die Erfolge dieser Maßregeln waren ungemein günstige. Die Einführung des Koks- 
und Steinkohlenbetriebes, welche seinerzeit in England ungefähr ein halbes Jahr 
hundert in Anspruch genommen hatte, vollzog sich in Deutschland in der Hälfte dieser 
Zeit. Besonders nach der Aufhebung des die Wirkung der neuen Eiscnzölle wesentlich 
beeinträchtigenden Handelsvertrages mit Belgien begann in der deutschen Eisenproduktion 
der allerlebhafteste Aufschwung und die rührigste Arbeit. Steinkohlengruben wurden 
aufgebrochen, mit den Erzgruben durch Schienenwege verbunden, die Werke selbst aus 
den Wald- in die Steinkohlendistrikte verlegt, die technischen Einrichtungen derselben 
in vollkommenster Weise umgestaltet. Der anscheinend kaum zu überwindende Vor 
sprung Großbritanniens konnte zu Anfang der sechziger Jahre als eingeholt gelten. 
Die Einfuhr ließ ganz bedeutend nach; nur die Gießereien blieben mit ihrem verhältnis 
mäßig geringen Bedarf an Gießereiroheisen auf Schottland und England angewiesen. 
Es war daher durchaus angebracht, daß man nunmehr den Zollschutz allmählich 
herabsetzte und gleichzeitig dem Export, welcher bisher nur für die Eisenwarenindustrie 
von größerer Bedeutung gewesen war, durch Abschluß von Handelsverträgen erhöhte 
Sorgfalt zuwandte. 
Reben der Konkurrenz der Werke innerhalb der wesentlich gelockerten Zollschranken 
wurde jetzt die gesteigerte Mitbewerbung aller Industriestaaten auf dem Weltmärkte 
zum mächtigsten Antriebe jeder Gewerbtätigkeit, befördert vor allem durch die groß 
artige Ausbildung der modernen Verkehrsmittel. 
Gleichzeitig vollzog sich jener für die gesamte Technik hochwichtige Vorgang, 
welchen man nicht mit Inrecht den Anbruch des Zeitalters des Stahls genannt hat. 
Die hierdurch bedingten Imwandlungen der Eisenindustrie wurden in Deutschland mit 
großer Raschheit durchgeführt. Aber auch die übrigen Zweige blieben nicht zuriick, 
vielmehr betätigte sich allseitig der lebhafteste Fortschritt, so daß die deutsche Eisen- 
BolkKwlrtschaftliches Lesebuch. 26
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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