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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünfter Teil. — Verkehrswesen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

2. Das Verkehrswesen bei den Römern. 
405 
reitet jetzt (wie z. B. in Süditalien, im Neapolitanischen) der einsame Wanderer auf 
Saumpfaden durch unwegsame und unsichere Wildnisse, wo im Altertum lange 
Karawanen auf prachtvollen Kunststraßen hinzogen. 
Die völlige Zentralisation der Verwaltung und Regierung in Rom, die mit der 
Begründung der Monarchie eintrat, machte ein umfassendes, über das ganze un 
geheure Ländergebiet ausgedehntes Straßensystem zum unabweislichen Bedürfnis, in 
administrativer, militärischer, merkantiler und politischer Linsicht. Die Lauptlinien dieses 
Systems sind für die ganze Monarchie von Augustus gezogen worden, der hier eine Lebens 
frage für das unter seiner Herrschaft vereinigte Weltreich erkannte und dem Gegenstände 
eine seiner Wichtigkeit ganz angemessene Aufmerksamkeit widmete; er selbst übernahm 
die Aufsicht über den Straßenbau in der nächsten Umgebung Roms. Auf dem Formn 
errichtete er die sogenannte goldene Meilensäule (miliaritim aureum), vermutlich so 
genannt, weil hier auf vergoldeten Bronzetafeln die Zielpunkte der in den Laupt- 
richtungen auslaufenden Leerwege nebst den Entfernungen angegeben waren; noch jetzt 
sieht man in der Nähe des Severusbogens den Anterbau des Monumentes, eine 
dreifach abgestumpfte Basis mit Ziegelbekleidung. Die späteren Kaiser setzten das von 
Augustus angefangene Werk fort und führten es zur Vollendung; um die Mitte des 
3. Jahrhunderts n. Chr. ungefähr, darf man annehmen, umfaßten die Straßenzügc 
schon das ganze römische Reich von der schottischen Grenze bis an die Nordküsten 
Afrikas und wieder vom Atlantischen Meer bis zum Euphrat. Lim das Jahr 
333 n. Chr. ist eine Wegekarte mit Angabe der Stationen und Entfernungen für Pilger 
nach dem heiligen Lande abgefaßt; ein zusammenhängender, mit Meilensteinen versehener 
Bau leitete damals die Reisenden von Bordeaux nach Jerusalem und von hier nach 
der Südgrenze Ägyptens oder zum westlichen Llfer Afrikas. Die Kosten der Wege- 
bauten in den Provinzen wurden aus den Einnahmen bestritten, die Ausführung 
ungemein durch Verwendung der Garnisonen zu diesen Arbeiten erleichtert. Die 
Arbeitskräfte der Legionen wurden überhaupt in ruhigen Zeiten in ausgedehntester 
Weise zu gemeinnützigen Zwecken verwendet, und gar manche imposante Werke der 
Kaiserzeit, als Kanäle, Brücken, Läsen rc., sind durch sie ausgeführt oder im Stande 
gehalten worden. Äbrigens arbeiteten auch Verbrecher an den Reichschausseen. 
Interessant im hohen Grade ist es, was die Römer in bezug auf Griechenland 
in dieser Linsicht taten. Als der Kaiser Nero den korinthischen Isthmus zum ersten 
Male erblickte, erwachte in ihm der Wunsch, durch Ausführung eines gewaltigen 
Bauwerkes, durch einen großen Sieg über die Gewalten der Natur seine kaiserliche 
„Allmacht" recht deutlich ans Licht zu stellen. Er gedachte nämlich, die felsige Land 
enge zwischen dem korinthischen und saronischen Meerbusen durchstechen zu lassen, um 
durch ein solches Werk ähnliche Großtaten der Vorzeit in Schatten zu stellen und 
wahrscheinlich auch den Ruhm seiner Vorgänger auf dem römischen Throne, die sich 
mit demselben Plane getragen hatten, durch dessen wirkliche Durchführung zu überbieten. 
Sofort wurden also alle nötigen Vorbereitungen zu dem Kanalbau getroffen; von allen 
Seiten wurden Arbeiter herbeigeführt, die Strafgefangenen von den griechischen Inseln 
nach dem Isthmus gebracht, auch die Prätorianer zur Teilnahme an den Arbeiten 
bestimmt, die Arbeiten selbst — anscheinend gegen Ende des Jahres 67 — feierlich 
eröffnet. Allein die demnächst mit furchtbarer Gewalt ausbrechenden Thronkämpfe im 
römischen Reiche vereitelten jeden Gedanken an die Fortsetzung der Kanalbauten; der 
angefangene Graben blieb liegen, — ein treues Symbol der Cäsarenwirtschast jener 
Periode, wo gerade an den besseren und wohltätigen Schöpfungen und Plänen der 
Regenten der Charakter des Zufälligen und der Gewähr auf Dauer Entbehrenden 
fortwährend wie ein Fluch haftete. 
Einem anderen römischen Kaiser war es vorbehalten, für die Griechen etwas 
Großartiges zu schaffen. Es war dies Ladrian. Dieser war darin ein echter Römer,
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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