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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünfter Teil. — Verkehrswesen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

416 
Fünfter Seil. Verkehrswesen. II. Postwescn. 
beherrschenden Höhe, ihre entferntesten Teile zu übersehen im stände war. „Der 
Kaiser", ruft ein griechischer Schriftsteller, der Rom in der Zeit Marcus Aurels 
besuchte, bewundemd aus, „leitet die ganze Welt aus seinem Kabinett. Kaum sind 
seine Depeschen geschrieben, so sind sie auch schon, wie von Vögeln getragen, an ihrem 
Bestimmungsort." 
So überschwenglich diese Ausdrücke der Bewundcning im Zeitalter der Eisen 
bahnen und Telegraphen klingen, so natürlich waren sie in jener Zeit. 
Die Einrichtung der Römischen Reichspost war folgende: 
Jede Hauptstraße war in Tagereisen abgeteilt, an dem Ende jeder Tagereise 
befand sich eine Station (man8io, wovon das französische maison). Hier waren 
öfters größere Anlagen, zum Teil mit palastartigen Gebäuden für die Nachtquarüere der 
Kaiser und hohen Beamten, ausgestattet mit allen luxuriösen Bequemlichkeiten, namentlich 
Bädern. Auf jede dieser Hauptstationen kamen 5—8 Amspannungsstationen (muta- 
tiones); wo möglich, waren sowohl die ersteren wie die letzteren in Städte und Dörfer 
verlegt. Auf jeder Amspannung stand eine Anzahl von Zugtteren bereit; die Zahl 
vierzig, die einmal angegeben wird, kann man wohl nur für die ftequentesten Straßen 
annehmen. Es waren Pferde, Maultiere, Ochsen, Esel, im Orient Kamele, namentlich 
in Oberägypten, wo sich die Verteilung der Stationen nach den Brunnen und 
Zisternen richtete. 
Außer den Zugtieren befanden sich auf den Stationen überall die nötigen Wagen; 
das Dienstpersonal bestand aus Staatssklaven. Der Dienst war ein dreifacher, für 
Kuriere, Eilwagen und Packwagen; auf den ersteren hatte sich die ursprüngliche Ein 
richtung des Augustus beschränkt, doch hatte er selbst später noch die Beförderung zu 
Wagen eingerichtet. Die Kuriere hatten die Depeschen hinter sich in einem Felleisen 
auf dem Pferde, das sie auf jeder Station wechselten. Das Gewicht des Felleisens 
war anfangs auf 30 Pfund normiert, wurde aber, als die Sitte von Rcitsesseln 
aufkam, auf einen Zentner erhöht. Gewöhnlich nahm der Kurier noch ein, zuweilen 
mehrere Beipferde von der Station mit, auf dem zweiten Pferde ritt ein Postillon, 
der die Pferde wieder nach der Station zurückbrachte. Die Eilwagen waren dreierlei 
Art. Die größten hatten im Sommer eine Bespannung von acht, im Winter von 
zehn Pferden oder Maultieren und durften bis zu zehn Zentnern belastet werden, die 
mittleren bis zu sechs, die kleinsten bis zu zwei (diese waren zweispännig). Ihre 
Schnelligkeit kam der der heutigen Eilwagen zieinlich gleich; denn Libanus, der Freund 
des Kaisers Julian, rechnet auf den Weg von Konstantinopel bis Anüochia (150 
geographische Meilen) nicht volle sechs Tage. Endlich die Lastwagen führten schwerere 
Frachten (bis fünfzehn Zentner) lind hatten Ochsenbespannung. Auf Nebenstraßen und 
an Punkten, wo keine regelmäßigen Posteinrichtungen bestanden, mußten die Orts 
behörden eine Anzahl von Pferden disponibel haben, um außerordentliche Beförderungen 
von Briefen und Personen veranlassen zu können. 
Da die Post ausschließlich für Regierungszwecke bestimmt war, wurde sie in 
der Regel auch ausschließlich zu Sendungen und Beförderungen von ganz offiziellem 
Charakter verwandt. Die Erlaubnis zur Benutzung wurde durch eine besondere Arkunde 
(diploma) erteilt, auf der die Person des Reisenden, die Art seiner Beförderung, die 
Reihe der Stationen, die Dauer der Gültigkeit rc. genau verzeichnet waren. Außer 
dem Kaiser konnten nur die höchsten Beamten diese Postscheine ausstellen, selbst die 
Statthalter der Provinzen besaßen das Recht dazu nicht zu allen Zeiten. In der 
Regel, wie gesagt, wurden sie nur Beamten, besonders Überbringern von Staats- 
depeschcn erteilt, und nur in seltenen Ausnahmen Privatpersonen. Der jüngere Plinius 
entschuldigt sich in einem Briefe an Trajan, daß er (als Statthalter der kleinasiatischen 
Provinz Bithynien) sich erlaubt habe, seiner Frau ein Diplom für die Staatspost zu 
geben, da diese den Tod ihres Großvaters erfahren hatte und schleunigst zu ihrer Tante
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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