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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünfter Teil. — Verkehrswesen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

5. Zur Geschichte der deutschen Reederei. 
449 
Die verbesserte Technik der Schiffs-- und Maschinenkonstruktion ermöglichte die 
Schaffung größerer, leistungsfähigerer Schiffstypen. Der 1867 von der „Lammonia" 
für die Überfahrt von Southampton nach New Vork geschaffene Rekord von 9 V« 
Tagen wurde mehr und mehr zu einem Durchschnittsmaße. Gesteigerte Geschwindig 
keiten und verbilligter Betrieb, namentlich die Kohlenersparnis, die es ermöglichte, daß 
die Schiffe mit der im Leimatshafen eingenommenen Kohle selbst für die westindische 
Reise ausreichten und das teure, zeitraubende Bunkern in der Fremde vermindert 
wurde, förderten die Reederei ungemein. 
Die durch den Eisenbahnverkehr überall geweckten Ansprüche auf Schnelligkeit, 
Pünktlichkeit, Regelmäßigkeit und Bequemlichkeit in der Beförderung begegneten sich 
mit den technischen Bervollkommnungsmöglichkeiten zur Sec, und die heimische Reederei 
vermochte an diesem Fortschritte nicht nur durch den Ankauf ausländischer Schiffe teil- 
zunehmen, sondern die günstige Entwickelung der deutschen Werften setzte sic nach und 
nach in die Lage, Neubauten, Umbauten und Reparaturen jeder Art unter ihren 
eigenen Augen, in nächster Nähe des Leimathafens ausführen zu lassen. 
Ein besonders wichtiges Moment war ferner die allmähliche Ausbreitung des 
unterseeischen Kabelnehes durch alle Meere, die den an den entferntesten Plätzen 
befindlichen Schiffen eine augenblickliche Verbindung mit dem Leimathafen sowie jedem 
anderen Lasen und dem Reeder eine sofortige Übersicht über den gesamten Frachten 
markt und Passagierverkehr in aller Lerren Länder gestattet hat. So wurde z. B. 
die Anwendung der Bodmerei fast vollkommen unnötig, gleichzeitig auch die Finanz 
gebarung des Schiffahrtsverkehrs verändert und die Möglichkeit einer einheitlich geleiteten 
und doch individuell sich anpassenden Organisation ausgedehntester Großbetriebe für 
den Seetransport in allen Schiffahrtsländern begründet. Leider hielt man sich von 
der Beteiligung am Ausbau des überseeischen Kabelnctzes allerdings lange fern, obgleich 
Werner Siemens die ersten Kabel fabriziert hatte. 
Die fortschreitende Technik des Wasser- und Tiefbaues ermöglichte ferner eine 
mit der Steigerung der Verkehrsintensität Schritt haltende oder ihr gar vorauseilende 
und die Wege ebnende Verbesserung der Fahrstraßen, Lasen- und Dockanlagen, was 
speziell Deutschlands einst schwer zugänglichen Küsten für die Vertiefung der Ströme 
und Strommündungen erheblich zu statten kam. Denn heutzutage kann man an jedem 
Flußlaufe wohlzugängliche erstklassige Läsen schaffen, so daß fortan lediglich das wirt 
schaftliche Bedürfnis und nicht mehr die natürliche Lage der Reederei die Schiffstypen 
diktiert. 
Die Förderung der Kenntnis der Meereswegc und der Strömungen, die Ein 
führung ständig verbesserter nautischer Instrumente und die gleichfalls durch die Fort 
schritte der Technik ermöglichte bessere Betonnung und Befeuerung der Küsten ver 
ringerten im Verein mit der wachsenden Größe und Festigkeit der Schiffe die relaüven 
Gefahren der Fahrt, das Risiko der Lavaric und damit auch die Löhe der Versicherungs- 
prämien wesentlich. 
All diese Momente wirkten mit den übrigen technischen Fortschritten dahin 
zusammen, um für die weltwirtschaftliche Entwickelung, für die Befriedigung des ent 
stehenden und zunehmenden Bedürfnisses nach einem regelmäßigen Bezüge von Massen 
gütern über die Erde hin das geeignete Verkehrsinstrument zu schaffen. Weltverkehr 
und Ozeanreederei wurden auf eine ganz neue Grundlage gestellt, und entsprechend 
änderte sich die Bettiebsgestaltung hinsichtlich der llnternchmungsformcn, der Eigen 
tumsverhältnisse, der Kapitalsgröße, der Schiffszahl und Schiffsräume von Grund aus. 
Zu Anfang und bis Mitte des 19. Jahrhunderts spielte die Reederei keineswegs 
stets die Rolle eines selbständigen Gewerbes. An kleinen Plätzen, wo mehr flüssiges 
Kapital als Gelegenheit, es in Lande! und Gewerbe anzulegen, vorhanden war, 
beschäftigte man sich allerdings mit ihr um ihrer selbst willen. In den größeren See- 
Mo Hat, Volkswirtschaftliches Lesebuch. 29
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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