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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

464 Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
königlicher Hand wieder gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden. Als ein erfreuliches 
Symptom ist es anzusehen, daß diese Riesenschenkungen nicht minder wie kleinere Gaben, 
abgesehen von den Werken reiner Nächstenliebe, in beträchtlichem Amfang der Förderung 
des Anterrichts und der Wissenschaften gewidmet werden. 
Wie der Entfaltung des Wirtschaftslebens nirgends Fesseln angetan sind, so besteht 
auch im Verkehr der Menschen untereinander die größte Bewegungsfreiheit, allerdings 
oft in uns befremdlichen Formen. Zwischen den jeweiligen Machthabern und dem 
Volk hat sich naturgemäß ein ganz anderer Zusammenhang ergeben als in den 
Monarchien; und da driiben noch alles neuer ist, so möchte ich behaupten, sogar noch 
weit freier und undisziplinierter als in den Republiken der Alten Welt. 
Daß der „Respekt vor der Autorität" in den Vereinigten Staaten nicht über 
mäßig ausgebildet ist, kann nach dem eben Gesagten kaum wundernehmen. Das läßt 
auch ein freundliches Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht recht 
aufkommen. Es machte einen eigentümlichen Eindruck auf mich, als ich in den „Union 
Iron Works“ in San Francisco mit dem Schöpfer dieser Werke, Irving Scott, durch 
die Amgebung der Anlagen ging und wahrnahm, daß von allen den Arbeitern, die 
wir auf dem Weg zum Mittagessen trafen, kaum einer seine Mühe vor dem in Ehren 
ergrauten Manne zog, der eine Zierde des amerikanischen Gewerbefleißes ist. And sie 
kannten alle Irving Scott! Anderseits werden Pensionen und Ruhegehälter in 
geschäftlichen Betrieben nur in den seltensten Fällen gewährt. Wer nicht mehr im 
vollen Amfang zu arbeiten vermag, — selbst wenn er in dem gleichen Betrieb alt 
geworden ist — muß gehen; rücksichtslos erhält er seinen Laufpaß, er hat jüngeren 
Kräften zu weichen, die arbeitsfähiger sind. So erfordert cs das Interesse des Geschäfts, 
uud etwas anderes darf nicht in Frage kommen. „Hilf Dir selbst", so heißt es auch 
hier. „Wir haben gute Löhne und .Honorare gezahlt, — davon hätte genügend 
zurückgelegt und für Alters- und Lebcnsversichcrungsprämien verwandt werden können". 
In den Bank- oder Zndustriegesellschaftsbilanzcn habe ich, soweit ich inich entsinne, 
Pensionsfonds für Beamte gleichfalls nicht gefunden. Einige größere Eisenbahn- 
gesellschaften beginnen allerdings mit der Einrichtung von Pensionsanstalten. Das 
sind aber zunächst Ausnahmen. Gemeinsame Festlichkeiten der Arbeitgeber mit den 
Arbeitnehmern aus Anlaß eines besonderen Gedenktages gehören zu den größten 
Seltenheiten. Zwei Gruppen stehen sich in dem Arbeitgebcrtum und in der Arbeiterschaft 
gegenüber, — ohne innere Zusammengehörigkeit und ohne „Respekt vor der Autorität" 
— jede Partei bestrebt, soviel zu gewinnen, wie nur immer möglich ist. 
Man muß aber das Volk der Vereinigten Staaten bei der Arbeit selbst gesehen 
haben, um begreiflich zu finden, daß es leisten konnte, was cs geleistet hat und zu 
leisten fortfährt. Maschinen überall, um im großen zu schaffen, und die Arbeitsteilung 
so sehr durchgeführt, daß schließlich der Mensch selbst entweder zur Maschine oder zum 
Aufseher einer Maschine geworden ist. Im Gegensatz zu Europa, wo in langem 
geschichtlichen Werdegang die selbständige Individualität eine der schönsten und edelsten 
Blüten der Ausbildung war, hatte in den Vereinigten Staaten ursprünglich die seltsame 
Paarung von Freiheit und harter wirtschaftlicher Notwendigkeit, die wunderliche Ver 
bindung einer menschliche Satzungen nur in bcschränftestcm Amfang kennenden und 
anerkennenden Selbstwilligkeit mit rücksichtslosem Zielbewußtsein dahin geführt, daß ein 
Volk von selbstherrlichen Individuen bei der schaffenden Tätigkeit auf alles Eigensein 
verzichtete und sich ganz und gar in den Dienst des Arbeitszwcckes stellte. Wo es 
möglich ist, die Arbeit in einzelne Handgriffe zu zerlegen, da wird der einzelne Hand 
griff zum Beruf gemacht, weil damit eine Abung gewonnen wird, die eine größere 
Sicherheit in diesem Handgriff gibt, und seine häufigere Wiederholung in einem 
bestimmten Zeitmaß zuläßt. Der Leiter der Westinghouse Electric Mfg. Co. in 
Pittsburg, ein Deutsch-Amerikaner, sagte mir: „Der große Erfolg des amerikanischen
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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