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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

470 Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
Iay Gould. Es sind Beutezüge im Stile des mittelalterlichen Raubrittertums, denen 
Gould den Stock seines ungeheuren Vermögens zu danken hat. Wir geben hier nach 
ziemlich zuverlässigen Quellen die Beschreibungen einer Episode aus seinem Leben, seiner 
Beteiligung am sogenannten Black Friday, und nach minder genauen die seiner 
Täügkeit anläßlich der Börsenkatasttophe vom November 1890. 
Der Black Friday ist ein Septembertag des Jahres 1869. Während des 
ainerikanischen Bürgerkriegs hatten die Nordstaaten Papiergeld emittiert. Dasselbe 
blieb, nach glücklicher Beendigung des Krieges, vorläufig im Verkehr. Doch hatte der 
Dollar in Papier jeweils einen geringeren Wert als der Dollar Gold, und 1867 
war das Agio zugunsten des Goldes durchschnittlich etwa 30 %. 3. Gould operierte 
damals an der New Yorker Börse. Lind 1867 hatte er sich mit einigen Genossen 
zusammengetan, um das Goldagio in die Äöhe zu treiben. Er und seine Verbündeten 
kauften das vorhandene Gold auf und boten, als es immer weniger wurde, immer höhere 
Preise. Das Agio, der Mehrwert des Golddollars, stieg auf 60, momentan auf 65 %. 
Im Augenblick, wo die Situation so weit gediehen ist, und während seine Freunde 
160 für Gold bieten, entledigt sich I. Gould durch dienstwillige Agenten seines Gold 
vorrats. Er ist benachrichtigt, daß die Regierung, um der sinnlosen Goldhausse zu 
steuern, im Begriffe ist, aus ihrem Schatze Gold auf den Markt zu bringen. Die 
Nachricht bestätigt sich alsbald, und das Agio fällt auf seinen alten Stand. Goulds 
Spießgesellen und geradezu die ganze Börse erleiden enorme Verluste; ein Falliment 
folgt dem andern, — eine Krise bricht aus. Ein von Gould beschäftigter Makler, 
Speyer mit Namen, welcher über 250 Millionen Franken Gold an jenem Tage 
gekauft und noch im letzten Moment in wahnsinniger Aufregung den Kurs 160 für 
25 Millionen geboten hatte, muß wenige Minuten später fliehen. Seine Auftraggeber 
haben ihn im Stiche gelassen. I. Gould aber hat sein Schäfchen im Trocknen. — 
Die Geschichte des Gouldschen Vermögens leidet an solchen und ähnlichen Coups 
keinen Mangel. Meist ist sein Kriegsplan der folgende: Gould leistet nach Möglichkeit 
einer ungerechtfertigten Haussebewegung Vorschub; wenn die Kurse einen unsinnig hohen 
Stand erreicht haben, insbesondere auch mit Kilfe der Spekulation, die für diesen Zweck 
Gelder borgt und die geborgten Gelder für eine Zeit lang in den gekauften fund später 
zu noch höherem Kurse zu verkaufenden) Werten festlegt, eröffnet Gould plötzlich eine 
Ära der Verläufe; er berichtigt gleichzeitig die öffentliche Meinung hinsichtlich des den 
favorisierten Papieren zukommenden Wertes. Infolge seiner Verkäufe beginnt der 
Kurs zu sinken. Jetzt läßt I. Gould eine zweite Mine springen. Er und seine 
Freunde haben jederzeit rückziehbare Gelder ausgetan, und diese werden nun eingefordert. 
Die Schuldner haben sich dessen nicht versehen und sind genötigt, insoweit sie etwa 
Forderungen ausstehen haben, diese einzuziehen, im anderen Falle Papiere zu verkaufen. 
Es geschieht das eine und das andere. Der Rückgang der Kurse pflanzt sich auf der 
ganzen Linie fort. Er trägt einen weiteren Keim des Rückgangs, seiner Potenzierung 
also in seinem Schoße. Denn, da viele der Spekulanten nicht im stände sind, den bei 
sinkendem Kurse an sie ergehenden Zuschußforderungen (behufs Sicherstellung ihrer 
Gläubiger, denen sie die gekauften Papiere verpfändet haben) zu genügen, sind sie 
oder ihre Pfandgläubiger zu weiteren Realisierungen genötigt. Die Deroute wird 
allgemein, sie spitzt sich zur Panik zu; die Kurse fallen ins Bodenlose, nachdem sie 
vor kurzem noch hoch über dem wahren Objektwerte gestanden haben. Die Käufer 
fehlen. Aber nun tritt Z. Gould zum drittenmal auf die Bühne und zeigt endlich sein 
wahres Gesicht. Gould wird Käufer. Er und seine Genossen benützen die eingezogenen 
Gelder und etwa noch weitere, die sie für diesen Zweck bereit gestellt haben, um zu 
kaufen, so viel sich kaufen läßt. Die Objekte fallen ihnen zu Spottpreisen zu. Ist dies 
geschehen, so erlangen die Effekten alsbald wieder den Preis, den sie verdienen. Jetzt 
können Gould & Cie. ihren Gewinn übersehen. In der Regel ist er enorm.
	        

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Die Arbeiterfrage in Der Südrussischen Landwirtschaft. Ernst Reinhardt, Verlagsbuchhandlung, 1908.
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