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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

10. Eisenbahntarifunwesen. 
483 
diese Fahrkarten werden von den Skalpern in Menge aufgekauft und oft noch Monate 
nach Beendigung des Kriegszustandes an das Publikum zu etwas niedrigeren als den 
regelmäßigen Preisen abgegeben. All' dies geschieht unter den Augen der Eisenbahnen. 
Mit welcher Harmlosigkeit, davon erzählt ein englischer Fachmann, van Oß, in seinem 
vortrefflichen Werke über die amerikanischen Eisenbahnen ein eigenes Erlebnis. Er wollte 
von Kalifornien nach Chicago und zurück reisen. In seinem Gasthof fragte er nach 
der nächsten Fahrkartenverkaufsstelle, worauf ihm der Kellner empfahl, nicht zu dieser, 
sondern zu einem Skalper zu gehen. Der Skalper ging mit ihm auf das Büreau 
der Eisenbahn und stellte ihn dort vor. van Oß bezahlte darauf den gewöhnlichen 
Preis von 75 Dollars, erhielt aber alsbald vom Skalper 12 Vs Dollars, d. h. 
den sechsten Teil des Fahrpreises zurück. Natürlich erhielt auch der Skalper seine 
Provision! 
Wird das Geschäft noch so betrieben, so ist es zwar nicht schön, aber nach 
amerikanischen Anschauungen wenigstens nicht unehrenhaft. Nun gehen aber die Skalper 
noch einen Schritt weiter. Sie kaufen von den Eiscnbahnbediensteten Freikarten, sie 
verleiten das Eisenbahnpersonal zur Wiederveräußerung abgefahrener, entwerteter Karten, 
sie gehen über zu Fahrkartenfälschungen. Das führt zu einer völligen Verderbnis des 
Bahnpersonals und zu fortgesetzten Betrügereien und Durchstechereien. 
Die eigentliche innere Arsachc dieser und anderer Mißstände ist die regellose, 
unbeschränkte Konkurrenz im amerikanischen Eisenbahn- und Geschäftsleben. Eine solche 
läßt sich wirksam nur durchführen, wenn sie heimlich betrieben wird, wenn dem Geschäfts 
mann die Mittel, mit denen sein Konkurrent dasselbe Geschäft betreibt, verborgen 
bleiben. Damit steht aber die Öffentlichkeit der Eisenbahntarife in Widerspruch; aus 
diesem Grunde haben sich die Eisenbahnen gegen die Veröffentlichung ihrer Frachtsätze 
gewehrt und suchen sie heute noch zu umgehen. Es hat langer Jahre bedurft, ehe 
bei den Eisenbahnen die Erkenntnis zum Durchbruch kam, daß eine solche Konkurrenz 
macherei ihren eigenen Interessen widerspreche, und daß es auch für sie vorteilhafter 
ist, einen Teil ihrer Selbständigkeit zu opfern und sich mit Konkurrenzunternehmungen 
über Teilung des Verkehrs zu verständigen. Es waren insbesondere die gewaltigen 
Tarifkriege der Jahre 1874—1877, in denen die mächtigen, westöstlichen Hauptbahnen 
durch Schaden klug wurden, und zum ersten Male zum Abschluß von Verbands 
verträgen übergingen, die den Namen ?ool zuerst im Volksmunde, später von den 
Eisenbahnen selbst erhielten. Dieser Name ist dem Lazardspiel entlehnt. Er bedeutet 
soviel als Einsah beim Spiel. Im Publikum stellte man sich — vielleicht auch des 
Namens wegen — unter diesen Verträgen etwas sehr schlimmes vor. Man sah in 
ihnen heimliche Verträge früherer Gegner zur Ausbeutung des Publikums, man 
befürchtete eine weitere Kräftigung der Eisenbahnmonopole, verglich sie mit den Trusts, 
den Ringen, den Syndikaten, und die Monopolbekämpfungsvereine richteten ihre 
Besttebungen auch auf Beseitigung der Pools. Nur eine Minderzahl einsichtiger 
Männer verteidigte diese Verbände; sie wiesen nach, daß die durch sie herbeigeführte 
größere Eteügkeit und Öffentlichkeit der Tarife auch dem Publikum von Nutzen, daß 
die Befürchtung einer Stärkung der Monopole unbegründet sei. 
Bis zum Erlaß des Bundesverkehrsgesetzes vom 4. Februar 1887 hatten die 
Eisenbahnen im Abschluß der ?ool8 tatsächlich freie Land, wenn auch von einigen 
Seiten die rechtliche Zulässigkeit solcher Verttäge in Zweifel gezogen wurde. Bei den 
Vorverhandlungen über den Entwurf dieses Gesetzes spielte die Frage der Pools eine 
entscheidende Rolle. Der vom Senate im Jahre 1886 beschlossene Entwurf einer 
Interstate Commerce Ad; ging von der Zulässigkeit der Pools aus, nachdem sich 
der vom Senator Cullom geleitete Ausschuß zur Ausarbeitung eines solchen Gesetzes 
ausdrücklich zugunsten der Pools erklärt hatte. Das Repräsentantenhaus nahm in 
diesen Entwurf eine Bestimmung über das Verbot der Pool3 auf. In dem aus 
31'
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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