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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

52 Zweiter Teil. Landet. II. Der Lande! im allgemeinen. 
Es darf dem deutschen Kaufmann keineswegs gleichgültig sein, ob er deutsche 
oder englische Waren vertreibt; vielmehr hat er als Deutscher zweifellos die Pflicht, 
deutsche Waren vorzuziehen, ivenn diese ungefähr ebenso gut und billig sind wie 
englische Waren. Die Engländer haben das schon vor Jahrhunderten als selbst 
verständlich betrachtet, und gerade hierdurch ist ihrer Volkswirtschaft die gewaltige Stoß 
kraft erwachsen, mit der sie die Welt erobert hat. Dann kam freilich auch für England 
eine Zeit, welche das nationale Empfinden zurücktreten ließ. Aber was erleben wir 
in diesem Augenblicke? Seitdem durch bekannte Vorgänge die Eifersucht der Engländer 
gegen die Deutschen so bedauerlich gewachsen ist, kaufen viele englische Kaufleute 
nur noch solche deutsche Waren, die sie notwendig brauchen, d. h. solche, die entweder 
überhaupt nicht in England hergestellt werden, oder die doch wesentlich billiger oder 
besser sind als die konkurrierenden englischen Erzeugnisse, während sie vordem, wenn 
deutsche Reisende zu ihnen kamen, wohl auch andere Artikel mitnahmen. 
Damit sind die Engländer wieder mehr oder weniger zu der Praxis zurück 
gekehrt, die sie jahrhundertelang befolgt haben, die dagegen in Deutschland, wegen 
dessen unglücklicher politischer und wirtschaftlicher Entwickelung, jahrhundertelang nicht 
befolgt werden konnte. Der deutsche Lande! hat sich seit dem 16. Jahrhundert gesondert 
von der übrigen Produktion, ja zum Teil in unverkennbarem Gegensatze zu dieser ent 
wickelt, weil es keinen deutschen Staat gab, der imstande war, alle Produktivkräfte 
zusammenzufassen, und ohne den auch kein derartiges Nationalgefühl entstehen konnte, 
wie es die Engländer schon so lange besaßen, kein Nationalgefühl, das stark genug 
gewesen wäre, um neben dem notwendigen Selbstinteresse den Kaufmann bei seinem 
Geschäftsbetriebe wesentlich mit zu beeinflussen. 
Das ist jetzt glücklicherweise anders geworden, und schon zeigen sich die segens 
reichen Folgen; schon mehrt sich die Zahl der deutschen Kaufleute, die mit leuchtenden 
Augen davon berichten, daß sie draußen in der Welt den deutschen Erzeugnissen 
neue Anerkennung, neuen Absatz verschafft haben. Erst damit erlangt der Landel 
in der deutschen Volkswirtschaft jene Pionier- und Führerrolle, die ihm von Natur 
gebührt, und die er in England seit Alters gehabt hat. 
Diese Führcrrolle hat er aber noch in mannigfacher anderer Linsicht zu betätigen. 
Ich erinnere nur an die deutsche Auswanderung. Lier gilt cs wiederanzuknüpfen 
an die beste Zeit des deutschen Bürgertums, an die Blütezeit unserer alten Städte. 
Wie jetzt, so strömten auch damals schon große Scharen von Deutschen ins Ausland, 
Angehörige aller Stände, Ritter, Bürger und Bauern; aber die wirtschaftliche 
Führung hatten die Bürger in Länden, im Norden wie im Süden. Dort übten die 
Lansakaufleute nicht nur zeitweilig eine wirtschaftliche Lerrschaft über die schwach 
kultivierten Nachbarländer aus, sondern — was weit mehr bedeutet — sie trugen auch 
durch ihre Städte die deutsche Kultur dauernd bis ins Lerz der Slavenländer. 
Die Städte des ostelbischen Deutschlands sind derart Mittelpunkte deutschen Lebens 
geworden, daß ohne sie Deutschland ganz gewiß nicht von Preußen hätte geeint werden 
können. Ähnlich wirkten die oberdeutschen Kaufleute bei der Kolonisation Österreichs. 
Wenn Preußen und Österreich zu Großmächten erwachsen sind, so danken sie dies 
nicht an letzter Stelle jener kolonisatorischen Mitarbeit deutscher Bürger; diese bildeten 
den wahren „Mittelstand", der es verhinderte, daß die Gesellschaft in Lerrschende und 
Unterjochte zerfiel, was früher oder später, wie in Polen, den Untergang des Staats 
wesens zur Folge gehabt hätte. Gerade darin haben wir den Lauptunterschied deutschen 
und slavischen Wesens zu erblicken, daß jenes sich als fähig erwiesen hat, eine eigene 
bürgerliche Kultur zu schaffen, was den Slaven bis zum heutigen Tage noch nicht 
gelungen ist. 
Die deutschen Bürger schufen ferner in ihren Städten glänzende, nach manchen 
Richtungen noch jetzt unerreichte Vorbilder für die spätere Staatenbildung. Die
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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