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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

1. Ideen über die Entstehung und die Entwickelung des Handels. 71 
die Krämer waren in den großen Städten Großhändler, d. h. sie holten Pfeffer, 
Safran, Ingwer im großen aus Venedig. Bis gegen 1500 verbanden alle die 
größeren seßhaft gewordenen Kaufleute das lokale Detailgeschäft mit dem Besuch 
der nächsten Märkte und dem Holen der Waren aus der Ferne. Charakteristisch ist, 
wie groß, wenigstens in Frankfurt a. M., das offizielle Marktpersonal der Markt 
meister, Makler, Warenprobierer, Messer und Träger war. 
Besondere Münzer und Geldwechsler treffen wir zuerst als Fremde, dann 
vom 12.—14. Jahrhundert als patrizifche Hausgenossen korporativ organisiert. Aus 
den Geldwechslern geht in Italien im 13. und 14. Jahrhundert schon ein Groß 
bankierstand hervor. In Nordeuropa bleibt das Bankgeschäft lange überwiegend ein 
Nebengeschäft des Großwarenhändlers, in England der Goldschmiede, deren Ober 
schichte seit 1500 freilich große Kaufleute waren. In seiner vollen Selbständigkeit 
hat sich das Bankgeschäft erst seit hundert Jahren entwickelt. Auch das seit dem 
14. Jahrhundert in Italien sich einbürgernde Versicherungsgeschäft bleibt bis gegen 
1700 überwiegend Nebengeschäft großer Kaufleute. — 
Vom 16. Jahrhundert an stieß der Großhandel vielfach den Detailverkauf ab 
und wurde ein anderer durch den Handel nach den Kolonien, durch die entstehenden 
Posten mit ihren Nachrichten und ihrem Briefverkehr; das sich ausbildende Meß- 
und Zahlungsgeschäft, die Loslösung des Verkehrsgeschäfts vom Handel und anderes 
wirkten da mit. 
Das Verkehrsgeschäft ist bei allen Völkern sehr lange Sache des reisenden Kauf 
manns selbst geblieben. Er verpflegt sich unterwegs oder nimmt Gastfreundschaft in 
Anspruch, er besitzt eigene Schiffe, Pferde und Wagen, er oder seine Diener begleiten 
die Waren selbst. Im Orient kehrt er noch heute in der von den öffentlichen Ge 
walten hergestellten Karawanserei ein, die ihm nur leere Räume bietet. Gasthäuser 
sind erst langsam im Mittelalter aufgekommen, noch im 18. Jahrhundert mußte die 
preußische Verwaltung sich bemühen, sie durch besondere Begünstigungen ins Leben 
zu rufen, während heute das Gasthaus, die Bank und die Poststelle die ersten Häuser 
einer städtischen Neugründung in Amerika sind und die europäische Gasthausindustrie 
eine der großartigsten, technisch und auch arbeitsteilig vollendetsten ist. 
Die Entstehung eines besonderen Frachtgewerbes haben wir am Wasser zu 
suchen. Der Schiffer, der freilich lange zugleich Fischer bleibt, auch einzelne Zweige 
des Handels, so hauptsächlich den Getreide- und Holzhandel, mit seinem Frachtge 
werbe verbindet, nimmt den Kaufmann und seine Waren schon bei den Phönikern 
und im Altertume auf; aber daneben bleiben vielfach die Großkaufleute der Seestädte 
Reeder und Schiffsbesitzer bis heute. Viel langsamer entwickelt sich ein besonderes 
Frachtfuhrgefchäft auf dem Lande. Das Altertum hat nur Spuren davon, die neueren 
Zeiten haben es vom 14.—18. Jahrhundert langsam entstehen sehen; die Metzger und 
Bauern an den Hauptstraßen beschäftigten lange ihre Pferde nebenher in dieser Weise, 
bis das regelmäßige Frachtfuhrgeschäft als selbständiges Gewerbe sich lohnte. Eine 
Post im Dienste der kaiserlichen Verwaltung hat das Altertum gekannt, aber nicht im 
Dienste des Verkehrs; erst aus den städtischen und fürstlichen Botenkursen des 
15.—17. Jahrhunderts sind die Posten unserer Tage als selbständige, dem Brief-, 
Personen- und Frachtverkehr dienende Institute erwachsen. An sie knüpfen sich als 
große Privatunternehmungen oder Staatsinstitute unsere heutigen Eisenbahnen, Tele- 
graphenanstalten, Postdampferlinien, Telephoneinrichtungen mit ihrem arbeitsteiligen 
Personal von Tausenden von Personen. 
Alle diese Institutionen zusammen haben vom 16. Jahrhundert an unsern 
Handel und seine Einrichtungen in den zivilisierten Staaten und zwischen ihnen 
gänzlich umgestaltet. Nun konnte der Kaufmann zu Hause bleiben, durch Briefe und 
Frachtgeschäfte, welche andere besorgten, seinen Handel abmachen; er brauchte nicht
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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