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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

76 Zweiter Teil. Handel. III. Zur Geschichte von Handel und Industrie rc. 
Gewändern, Decken, Tapeten, Salben, Schmucksachen, Bernstein, Gold, Silber, 
Opium, Flötenspielerinnen und Götterbildern. An der afrikanischen Küste herfahrend, 
nahmen sie Honig und Wachs ein, deren griechische und lateinische Namen aus den 
Sprache der Berber stammen, ferner Datteln, Elfenbein, Tierfelle und Straußfedern; 
in Spanien holten sie vorzugsweise Silber und in Gades die dort aufgestapelten 
nordischen Waren; über die italienischen und griechischen Küsten setzten sie mit Tausch 
und Krämerei ihre Rundfahrten fort, bis sie nach zwei- oder dreijähriger Reise, 
mächtig bereichert, in die Heimat zurückkehrten. 
Ohne Zweifel haben die Phönizier ihre bevorzugte Weltstellung rücksichtslos 
ausgenutzt. Es ist uns überliefert, daß sie für vier Degenklingen im Wert von einem 
Sekel in Italien Korallen im Wert von 400 Sekel eintauschten. Sie nahmen also 
400 %! Ferner wissen wir, daß sie gewisse Salben, die angeblich aus 25 verschiedenen 
Bestandteilen zusammengesetzt waren, bis zu 90 Gulden das Pfund verkauften. 
Um die Preise zü erhöhen, setzten sie die seltsamsten Übertreibungen in Umlauf 
über die Gefahren, die mit Beschaffung der Ware verbunden seien. Der Pfeffer 
sollte, von Schlangen bewacht, in unzugänglichen Wäldern wachsen, — eine Sage, 
womit vielleicht noch unser frommer Wunsch: „Ich wollte, du wärest, wo der Pfeffer 
wächst", zusammenhängt. Wenn daher die Phönizier als Mitbegründer der Natur 
wissenschaften genannt werden, so müssen sie doch auch als Urheber zahlreicher Märchen 
bezeichnet werden, die, zum eigenen Vorteil von jenen klugen Kaufleuten erfunden, 
bis in eine späte Zeit hinein die Köpfe verwirrten. Den Sagen von Zyklopen, Sirenen 
und Lästrygonen begegnet man an solchen Orten, wo Phönizier Handel und Schiffahrt 
trieben. Lange wurden solche Erzählungen von den Griechen und anderen Euro 
päern für bare Münzen genommen. Später freilich zürnten die Griechen über ihre 
Leichtgläubigkeit, und dann ward der Ausdruck „phönizifche Lügen" zu einem Sprich 
wort. Durch jene abenteuerlichen Erzählungen von ungeheuren Gefahren, die den 
Seefahrer in fernen Meeren bedrohen, sollten aber nicht nur die Preise erhöht, sondern 
auch Konkurrenten von der Nachfolge abgeschreckt werden. Denn vor allem strebten 
die Phönizier nach dem Monopol, diesem Wunderstab und Zauberring eines 
jeden echten Kaufmannsvolkes. Ihre Handelspolitik ging immer auf das Monopol 
los. Der Karthager Hanno drohte einst: „Nicht einmal ihre Hände sollen die Römer 
im Meere waschen dürfen." Wen erinnern nicht diese Worte an die Aussprüche 
William Pitts, des späteren Lords Chatam: „Nicht eine Kanone darf auf dem Meere 
gelöst werden ohne Erlaubnis von England", und dann wieder: „Nicht ein Hufnagel 
soll in den englischen Kolonien fabriziert werden?" Und derselbe Dio Casfius, welcher 
uns jene merkwürdigen Worte Hannos aufbewahrte, läßt auch Cäsar, als er feine 
Offiziere zum Angriff auf Ariovist bestimmen will, folgendes sagen: „Solange wir 
die Karthager in Afrika ruhig ließen, schifften sie nach Italien hinüber, durchschwärmten 
das Land und zerstörten die Städte." Ganz dieselbe Tatsache, daß die Punier es 
besonders auf die Städte abgesehen hatten, berichtet uns von den Phöniziern der 
belesene Kirchenvater Eusebius. Derselbe hat uns eine wahre Enthüllung hinterlassen, 
indem er sagt: „Die Phönizier bewachten ihre Kolonien, daß niemand mit denselben 
Verkehr treiben und sie bereisen konnte. Dies bewirkten sie dadurch, daß sie die 
Länder ihrer Grenznachbarn beständig verwüsteten und darauf bedacht waren, deren 
Städte zu vermindern." Besonders bezeichnend ist hier die Absicht einer Ver 
minderung der Städte. Von bloß landbautreibenden Ländern fürchteten die Phönizier 
nichts, denn das waren ja Konsumenten ihrer Jndustrieprodukte und überdies Länder, 
dünn bevölkert, arm und unmächtig; aber die Städte waren ihnen verhaßt als Kon 
kurrenten, die durch Kapitalbesitz, Handel und Industrie ihren Gewinn schmälern 
konnten!
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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