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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

6. Der deutsche Kaufmann im Zeitalter der Perücke. 87 
werden immer mehr die Mittelpunkte deutschen Lebens. Auch in der Entwickelungs 
geschichte des deutschen Kaufmanns zeigt sich das in mehrfacher Beziehung. Zunächst 
ging mit der Kraft des Bürgertums — den letzten Rest gab diesem der 
Dreißigjährige Krieg, der andererseits die Stellung der zahlreichen deutschen Fürsten 
noch mehr erhöhte, — der Unternehmungsgeist, die Tatkraft und die Unabhängig 
keit des Kaufmanns verloren. Die immense wirtschaftliche Schädigung und 
Zerstörung durch den Dreißigjährigen Krieg konnte zwar in den alten Mittelpunkten 
des Handels die noch aus dem vorigen Jahrhundert stammenden materiellen Kräfte 
nicht vollends untergraben: gewisse Grundlagen, an welche ein neuer Aufschwung 
anknüpfen konnte, blieben durchaus bestehen. Ja, wenn man auf einen allgemein 
herrschenden Wohlstand nach den im 17. Jahrhundert in fast allen Städten immer 
wieder erlassenen Ordnungen gegen den allzugroßen Aufwand schließen dürfte, so 
könnte von einem wirtschaftlichen Rückgang überhaupt nicht die Rede sein. Aber 
dieser Luxus ist durch und durch krankhaft. Und wenn wir jene Ordnungen schon 
im 16. Jahrhundert finden, so war damals eine gewisse Berechtigung zu solchem 
Luxus noch vorhanden, jetzt zeugte er von Leichtsinn schlimmster Art. Immerhin 
mochte der Kaufmannsstand an vielen Orten noch am ersten dazu die Mittel haben, 
—- gerade gegen die vornehmen Kaufmannsfrauen richten sich z. B. die Kleider 
ordnungen besonders — aber auch für ihn war alles andere eher am Platz als Ver 
schwendung, die dann auch nur zu häufig zu finanziellem Ruin, zum Bankerott führte. 
Aus solider, auf alten Reichtum gegründeter Pracht wurde bei vielen bald unsolider 
Prunk. Dies Gefühl war denn auch wohl ein sehr wesentliches Motiv der Obrigkeiten 
zu jenen Verboten. Leibniz glaubte noch Nürnberg als Muster der Verständigkeit 
anführen zu dürfen: „Man sehe Nürnberg und einige wenige andere Städte an, ob 
nicht darin noch die alten Trachten gelten, der meiste Luxus beschnitten und dies eine 
große Ursache ihres noch dauernden Flores ist." 163? fand ein Franzose die Bürger 
Hamburgs noch haushälterisch und sparsam, bald nach dem Kriege aber tadelt ein 
Besucher ihre „Pracht, Üppigkeit und stolze Selbstüberhebung". Und in den achtziger 
Jahren klagt der Bürgermeister der übrigens doch reichen und durch den Seehandel 
hervorragenden Handelsstadt: „In Summa: Pracht und Hoffahrt nimmt zu, und im 
Gegenteil nimmt Handel, Wandel und Nahrung leider sehr ab." Daß aber eben bei 
niedergehenden wirtschaftlichen Verhältnissen doch der Luxus zunahm, das lag zum 
größten Teil an dem Einfluß des höfischen Glanzes, der auf unsolidesten Grundlagen 
und in verschwenderischster Weise von den Fürsten und Herren des Zeitalters der 
Perücke entfaltet wurde. Was „bei Hofe" galt, das wurde das Ideal aller übrigen 
Einwohner. Und so suchte der höhere Bürger, insbesondere der größere Kaufmann, 
auch seinerseits das möglichste in äußerlichem Prunk zu leisten. 
Das Äußerliche war überhaupt für diese Zeit entscheidend. Rang, Titel und 
äußeres Benehmen gaben allein die Möglichkeit, dem ersehnten Eldorado, dem Hofe, 
nahe zu kommen. Nicht darin erblickte der führende Teil des Bürgertums die Auf 
gabe, die gesunkenen bürgerlichen Kräfte zu heben, nicht Selbstachtung und Stolz auf 
seine Tätigkeit wohnte in ihm, sondern ein wahnwitziges Streben nach oben, eine 
Sucht, eben nicht „bürgerlich" zu heißen und zu leben, sondern sich von dem Pöbel, 
der Kanaille zu unterscheiden. Unter solchen Einflüssen mußte das Streben reicher 
Kaufleute nach dem Adel in den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Kriege noch 
außerordentlich zunehmen. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, daß in den großen 
Handelsstädten eine hochfahrende Geschlechteraristokratie ja seit jeher bestand. Diese 
Geschlechter wurden, in Nürnberg z. B., jetzt so exklusiv, daß sie den Handel, doch die 
Grundlage ihrer ererbten Stellung, als unehrenhaft betrachteten. Anderswo aber 
bildeten gerade die vornehmen Kaufleute den neuen Stadtadel, der sich fein Wappen 
und seinen Adelsbrief jetzt leicht vom Kaiser holen konnte. Nach dem Dreißigjährigen
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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