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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

90 Zweiter Teil. Handel. III. Zur Geschichte von Handel und Industrie rc. 
die Bewunderung Englands geltend, die dann im Beginn des 19. Jahrhunderts vy>. 
zum Durchbruch kommt. Im Anschluß an Holland wird das erste große wirtschaft^ 
politische Experiment nach dem Dreißigjährigen Kriege gemacht: die Neugründu^" 
Mannheims durch den Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz. Als Vorort 
Niederlande ist die neue Handelsmetropole des Oberrheins gedacht worden. H^ 
länder, Engländer und Franzosen zog der Kurfürst für diese Kolonie herbei; er verlft/ 
ihnen völlige Zollfreiheit und versprach ihnen, daß hier niemals eine Zunft eing^ 
richtet werden solle, daß jeder so frei wie in Holland handeln und wandeln dürf^ 
Er hat es in der Tat erreicht, daß binnen kurzem eine bedeutende Stadt, die in ihr^' 
mathematischen Regelmäßigkeit den Zeitgenossen als Muster galt, erblühte. Dft 
Unternehmung im großen Stile, selbst eine ganz moderne Bauspekulation ward ^ 
Mannheim herrschend. Sogar das Handwerk gestaltete sich hier zum Unterschied v^ 
allen deutschen Städten als Großbetrieb. Als man im 18. Jahrhundert, nachde^ 
Mannheim bereits eine müßige Residenzstadt geworden war, auch hier das Zunft, 
wesen einführte, konnte man doch die erlaubte Gesellenzahl nicht unter sechs hera^ 
drücken. Die Tuchmacherei, von Nordfranzosen eingeführt, erlangte zuerst Bedeutung 
Regelmäßige Postkurse reichten von Mannheim bis Sedan, das zugleich der Mittet,' 
punkt des französischen Protestantismus und der französischen Tuchindustrie un^ 
und hielten die Geschäftsverbindungen aufrecht. Wichtiger noch ward die Umgesta^ 
tung des Ackerbaus durch die Einführung des Krapps und des Tabaks, die den Mann 
heimer Industriellen zu danken ist. Es war ein reiches, geistig mannigfach angx, 
regtes Leben, das sich dergestalt auf der Neckarspitze entfaltete, bis ihm die ernenn 
Zerstörung Mannheims in dem Verwüstungskrieg Ludwigs XIV. ein jähes End? 
bereitete, ohne doch völlig seinen Samen ausrotten zu können. 
Die Erfolge Karl Ludwigs mußten zum Wetteifer reizen. Vielfach hat man siH 
bemüht, nach dem Vorbild Mannheims solche Handels- und Jndustrieinseln her 
zustellen. Die badischen Markgrafen haben wiederholt versucht, Pforzheim in diese 
Richtung zu drängen. Freilich hätte man vergeblich das deutsche Bürgertum aus sich 
heraus zu solcher Tätigkeit umgestaltet. Hierzu bedurfte es fremder Elemente. 
den französischen Auswanderern, die dem Glaubensdrucke Ludwigs XIV. entflohen, 
fand man sie. Es war schon viel, wenn man sich mit der Hoffnung tragen konnte^ 
daß sie gleich einem Sauerteig wirken, daß sie die träge Masse durchdringen und nach 
ihrer Eigenart umwandeln würden. Diese Refugiös find es, welche den Samen der 
modernen Großindustrie durch ganz Europa getragen haben; losgelöst von itjrern 
heimischen Boden, auf die eigene Kraft und auf fürstliche Gnade gestützt, haben sie die 
individuelle Wirtschaftsweise, die Ausbildung des Großkapitales, wohin sie auch 
kamen, gefördert. Hierbei war ihre religiöse und nationale Isolierung — denn als 
Reformierte standen sie doch stets den Lutheranern fern — ein weiterer Sporn des 
Handelsgeistes und ein entschiedener Vorteil. Denn durch sie ward es den kleinen 
Gemeinden zur Notwendigkeit gemacht, bei räumlicher Trennung ihren geistigen 
Zusammenhang zu bewahren; und so stellte sich fast von selber ein Netz von Handels 
verbindungen her, das über ganz Europa seine Maschen verbreitete. Freilich blieben 
außer den Gewerbetreibenden in Mannheim fast nur die französischen Bauern dem 
gefährdeten oberrheinischen Lande treu; aber immerhin hat in der großen Wanderung 
der Refugiäs nach dem Osten Baden als Etappe seine Rolle gespielt. 
Eine solche Neubelebung des städtischen Gewerbfleißes, wie sie den romanischen 
Einwanderern zu danken war, genügte den Absichten nicht, um derentwillen man 
die Industrie zu fördern gedachte. Im Gegenteil: wohin sie kamen, gerieten sie in 
Widerspruch mit den ortsansässigen Bürgerschaften. Mißtrauisch und scheel sahen 
diese auf den Fremden, der sie in ihrem Erwerb bedrohte und noch dazu von den
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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