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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

94 Zweiter Teil. Handel. HI. Zur Geschichte von Handel und Industrie rc. 
mochte er die Stadt freilich nicht zu schützen. Die Verhängung der Kontinental 
sperre hatte den Frankfurter Handel schwer geschädigt. Ein noch schwererer 
Schlag war es für ihn, als Napoleon 1810 sämtliche Niederlagen an englischen und 
Kolonialwaren in Frankfurt im Gesamtwerte von 16 Millionen Gulden plötzlich 
konfiszieren ließ. Zwar wurden die Kolonialwaren gegen Zahlung von 10 Millionen 
Francs Abgaben wieder freigegeben, aber die englischen Waren, hauptsächlich Baum 
wolle und Gewebe wurden unter dem klingenden Spiel eines französischen Regiments 
öffentlich verbrannt. 
Mit dem Sturz Napoleons und der Wiederherstellung der reichsstädtischen 
Freiheit begann eine lange Friedenszeit und damit für die Frankfurter Börse eine 
Periode glänzenden Aufschwungs. Neben dem Wechselgeschäft gewann jetzt der 
Handel in Wertpapieren, das Geschäft in Staatsanleihen immer größere Bedeutung. 
Das Haus Gebrüder Bethmann hatte zuerst gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
die Staatspapiere an der Frankfurter Börse zur Einführung gebracht. Der Auf 
schwung der Frankfurter Börse knüpfte sich aber vor allem an den Namen des 
Hauses Rothschild, der Firma, die, von dem bescheidenen Stammhaus in der 
Iudengasse ausgehend, zur weltumspannenden Geldmacht emporwuchs, und deren 
Name gleichsam zum Symbol des Reichtums wurde. 
Aber schon bereiteten sich innerhalb der deutschen Staaten die Gruppierungen 
vor, die zu der späteren politischen Konstellation führten. Die aufstrebende Macht 
Preußens bildete den Kristallisationskern, um den die kleineren Staaten sich zoll 
politisch angliederten. Im Jahre 1828 schloß Preußen mit Hessen jenen denkwürdigen 
Vertrag, der die Grundlage des Zollvereins wurde. Damit begann die Zeit 
der handelspolitischen Umklammerung Frankfurts durch die Zollvereinsstaaten. Der 
ganze Zwischenhandel Frankfurts zwischen Norden und Süden, Osten und Westen 
Europas ging nunmehr an den Toren Frankfurts vorbei über die Konkurrenzplätze 
Mainz, Höchst, Offenbach. Im Jahr 1836 trat Frankfurt dem Zollverein bei. Die 
Handelskammer Frankfurt war es, die hinter diesem Entschluß, dem jahrelange 
Kämpfe vorausgingen, als treibende Kraft gestanden hat. Nunmehr war das Frank 
furter Wirtschaftsleben auf eine breitere und stabilere Basis gestellt. 
In den folgenden Jahren war Frankfurt der Schauplatz der hohen Politik, ein 
Umstand, der wiederum vor allem der Börse zugute kam. Die Errichtung eines 
eigenen Börsengebäudes am Paulsplatz fällt in jene Zeit. Im Jahre 1854 wurde 
die Frankfurter Bank gegründet, der bald weitere Bankinstitute folgten. 
Inzwischen hatte sich der Antagonismus zwischen Preußen und Österreich 
immer mehr zugespitzt. Im Jahre 1866 war die Entscheidung gefallen. Es war 
ein leidensvoller Weg, der Frankfurt zur Einigung Deutschlands führte. Nicht, daß 
man in Frankfurt der großen Idee kühler gegenüber gestanden hätte! War es doch 
hier im Jahr 1848, wo das Sehnen der Nation, ihr stürmendes Verlangen zum 
Ausdruck gelangt war, lange ehe der Traum des einigen Deutschlands zur ruhrn- 
vollen Wirklichkeit wurde. Aber Geschichte, wirtschaftliche Interessen, geschäftliche 
Beziehungen knüpften unsere Stadt eng an den Süden und das benachbarte Öster 
reich. Die Frankfurter Börse war der tonangebende Platz für die österreichischen 
Werte; Frankfurt war der beherrschende Kapitalplatz für die Länder der süddeutschen 
Guldenwährung: die Noten der Frankfurter Bank hatten in Süddeutschland ihr 
Hauptverbreitungsgebiet. Heute, unter dem Schutz von Kaiser und Reich, blicken 
wir ohne Bitterkeit auf jene großen historischen Ereignisse zurück. Wir können mit 
dem damaligen König von Preußen und späteren Kaiser Wilhelm sagen: „Deutsch 
land gewann, was Preußen erwarb." 
An die Gründung des Deutschen Reichs schloß sich auch in Frankfurt eine Zeit 
großer geschäftlicher Konjunktur. In diese Zeit fällt der Bau des Hauses, in dessen
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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