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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

100 Zweiter Teil. Handel. III. Zur Geschichte von Handel und Industrie rc. 
Der Handel beschränkte sich naturgemäß auf solche Gegenstände, deren Ver 
sendung mittels der damaligen Transportmittel ohne übermäßige Verteuerung mög, 
lich war. Dadurch waren die wichtigsten Gegenstände des jetzigen Großhandels 
diesen ausgeschlossen. Der Kaufmann war vorzugsweise Kleinhändler. Manche 
Handelszweige knüpften sich fast ausschließlich an bestimmte Geschäfte. Wer z. V 
in Kassel Kinderspielzeug kaufen wollte, ging zu dem „Bilderkrämer" am Markte' 
Für manche Handelszweige hatten auch noch die Ausländer einen hergebrachtes 
Vorzug. Südfrüchte führte „der Italiener". Auch der einzige Kunsthändler (Bost- 
nelli), sowie der Verfertiger von Wettergläsern (Fiorino) waren italienischer Her 
kunft. Der erste Hutmacher Kassels war ein Franzose (Parisot). Die Inhaber der 
Konditoreien nannte man „Schweizerbäcker"; und mehrere derselben entstammte^ 
auch wirklich dem Engadin. Endlich gab es damals in Kassel auch noch eine^ 
Schwertfeger, in dessen Schauladen zwei geharnischte Männer das Staunen von unZ 
Kindern erregten. Seitdem ist dieses Gewerbe völlig ausgestorben. 
Noch wenig entwickelt war die Reklame. Zwar hatte man schon Schaulädeg 
an den Fenstern: aber sie waren von bescheidener Einrichtung, und niemand dachte 
daran, durch kolossale Spiegelscheiben und prachtvolle Warenauslagen dem Publikum 
zu imponieren. Öffentliche Anschläge, die an den Straßenecken gemacht wurden, ^ 
denn die Litfaßsäulen sind erst seit 1867 eingeführt — kamen nur zu Meßzeiten für 
Sehenswürdigkeiten vor. Aber auch die Reklame durch die Zeitungen wurde nicht 
in der gegenwärtigen Weise betrieben. Wohl machte derjenige, welcher ein Geschäft 
eröffnete oder sein Geschäftslokal verlegte, sowie auch derjenige, welcher soeben eine 
neue preiswürdige Sendung von Waren empfangen, dies durch die Zeitung bekannt. 
Auch fremde Kaufleute, welche die Messe beziehen wollten, pflegten dies durch die 
Zeitung anzukündigen. Aber das ständige Wiederholen der nämlichen Anzeige unter 
Benutzung aller denkbaren Formen der Anpreisung, wie es jetzt vielfach vorkommt, 
ist erst im letzten Menschenalter, und zwar durch das Beispiel Johann Hoffs, aufge 
kommen, der auf diese Weise seinen Malzextrakt zu einer europäischen Berühmtheit 
gemacht hat. Man gewinnt ein anschauliches Bild dieses Gegensatzes, wenn map 
einmal den einfachen Anzeigen einer damaligen Zeitung die Anzeigespalten eines 
vielgelesenen heutigen Lokalblattes gegenüberhält. Ist es doch, als ob für jede An 
zeige ein besonderer Druck erfunden wäre, um nur recht auffällig dem Leser in die 
Augen zu leuchten. Und was alles wird dort angezeigt! „Heute geschlachtet" wieder 
holt sich unzähligemal; als ob auch jedes Borstentier einer Todesanzeige bedürfte. 
Dieses Reklamewesen hat aber Bedeutung nicht allein für Handel und Wandel, sondern 
für den Bestand der Zeitungen gehabt, deren viele aus demselben ihre reichste Ein 
nahme beziehen und dadurch ihre Existenz sichern. 
Ein erst seit einem Menschenalter üblich gewordenes Mittel, Industrie und 
Handel zu fördern, find auch die Ausstellungen, die man nach dem ersten Vorgänge 
der Londoner Ausstellung von 1851 an vielen Orten bald in größerem, bald in 
kleinerem Umfange veranstaltet hat. 
Die Schwierigkeiten, welche dem deutschen Handel aus der Verschiedenheit der 
deutschen Münzwährung erwuchsen, haben bis zu der jüngsten Reichsgesetzgebung 
fortgedauert und sind daher in aller Erinnerung. Sie sind sogar im Laufe der 
mittleren Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts noch gewachsen durch die Flut papierner 
Wertzeichen, welche jeder kleine deutsche „Raubstaat" und jede Bank nach Belieben 
in die Welt sandte. Dazu kam, daß das damalige Silbergeld nur schwer zu ver 
führen war. Bedurfte z. B. ein Kasseler Bankier baren Geldes, so ließ er ein 
Füßchen voll Silbertaler wohlverpackt durch die Post von Frankfurt kommen. 
Reisende pflegten zur Bestreitung ihrer Reisekosten, statt baren Geldes, Kreditbriefe
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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