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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

2. Die Handelskrisis von 1857. 
113 
wie die elektrische Spannung der Luft im Gewitter zur Ausgleichung kommt. Im 
Bereiche des Großhandels, in dessen Händen die Ware vor dem durch den Detail 
handel geleiteten unmittelbaren Verbrauch sich befindet, platzte das Gewitter, was 
um so unvermeidlicher war, als eine durch Kredit unterhaltene spekulative Ein 
sperrung und Stapelung der Waren mit einer nie dagewesenen Allgemeinheit statt 
gefunden hatte. 
Die Krisis von 1857 war von einer Allgemeinheit und Heftigkeit und hat 
Auswüchse des wirtschaftlichen Lebens an den Tag gebracht wie keine frühere. Nicht 
der Rechtfertigungs-, aber der Erklärungspunkt hievon liegt darin, daß die diesmalige 
Krisis in der Hauptsache nicht, wie früher, von partiellen Störungen (Fehlernten, 
Kriegskonjunkturen), sondern von einer allgemeinen Prosperität, der Folge eines 
ohnegleichen großartigen weltwirtschaftlichen Neu- und Umbildungsprozesses, bewirkt 
worden ist. Diese Prosperität gab nach allen Seiten einen vergleichsweise mühelosen 
Gewinn, indem viele Vermögenselemente wie durch Zauberschlag verdoppelten Nutz 
effekt hatten. Das menschliche Herz ist unersättlich, die Übertreibung war unver 
meidlich. Und wie seinem eigenen, so vertraute man dem fremden Glückssterne, und 
es ergab sich hiedurch zur Fortbewegung der Dampfentwicklung von Handel und 
Industrie jener Kreditmißbrauch, bei dem es im einzelnen Falle immer schwer ist, 
zu entscheiden, ob er mehr auf Selbsttäuschung oder Täuschung anderer beruht. 
Der Kreditmißbrauch schwindelte sich an einer Schraube vorzugsweise empor, 
am Wechsel. Der Wechsel, dieses vermöge seiner formellen Rechtsstrenge unentbehr 
liche kaufmännische Zahlmittel, diente durchaus nicht mehr bloß zur Übertragung 
reeller Werte, er wurde nicht bloß gezogen auf wirkliche Warenempfänger oder auf 
Geschäftsfreunde, welche mit dem Aussteller durch Bande eines reellen Geschäfts 
verkehres und durch Überzeugung sicherer Solvenz verknüpft waren. Der Wechsel 
wurde, sobald wirkliches Kapital zu mangeln begann, gezogen zu keinem andern 
Zwecke, als um ein fiktives Kapital, Zahlmittel ohne reelle Wertunterlage, zu schaffen 
und sich zu erhalten. So wurde nicht bloß die einfache Form dessen, was der Kauf 
mann Wechselreiterei nennt, die Ausstellung neuer Wechsel zu keinem anderen Zweck 
als zur Deckung der fälligen, gehandhabt. Dieses einfachste Mittel, eine einmal ge 
schaffene Kapitalfiktion fortzufristen, genügte nicht. Man bildete förmliche Komplotte, 
um durch Nachahmung der allgemeinen formellen Eigenschaften des guten Wechsels 
dem schlechten Wechsel den Kredit und Kurs solider Wechsel zu erwerben; ein 
Zwickauer Kistenmacher akzeptierte eine Million M Banko für sechs Groschen Pro 
vision pro Wechsel, ein Havelberger Krämer von 5000 Talern Vermögen vier 
Millionen Ji Banko. Man häufte Unterschriften, die nichts zu bedeuten hatten; ein 
englisches Haus hatte dreißig gewerbsmäßige Indossanten, welche an ihrem angeb 
lichen Wohnort vom Bankerottgericht gar nicht aufzufinden waren. So wurde es 
möglich, den Wechsel als Zahlmittel in Lauf zu setzen und, wenn er verfiel, ihn mit 
einem neuen Zahlungsversprechen zu decken, bis endlich die ausgegebenen und aufge 
häuften fingierten Wertsummen in einer schuldigen oder einer unschuldigen Hand als 
das, was sie von Anfang waren, als wertlose Papierfetzen und Lumpenprodukte, hängen 
blieben. Von Hamburg sollen förmliche „Kreditreisende" ausgegangen sein, um das 
Blankoakzept ihres Hauses, welches jedem Wechsel in Skandinavien den Laufpaß gab, 
wie eine Ware feilzubieten. Nicht auf die Deckung und Solvenz seitens des Trassanten, 
sondern nur auf die Provision sah man, als man durch Akzepte in die strenge Wechsel 
zahlungsverbindlichkeit sich einließ. Mit der Biegsamkeit des kaufmännischen 
Sprachgebrauchs nannte man dies „Eefälligkeitsakzept". Der beste Fall war aller 
dings der, wenn das Blankoakzept, die Annahme des Zahlungsversprechens ohne 
reellen Schuldgrund und vorhandene Deckung, aus leichtsinniger Gefälligkeit und in 
Mollak, Volkswirtschaftliches Luellenbuch. 4. Ausl. 8
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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