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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

4. Die Krisis im Magdeburger Zuckerhandel (1889). 119 
Lieferung für die Sommermonate kaufte! Glänzende Gewinne wurden eingeheimst, 
und die Preise stiegen stetig weiter. Aber eine ungesunde, übertriebene, ja wahn 
sinnige Spekulation hatte sich dazwischengedrängt und erhielt leider, gefördert durch 
die Erfolge, noch mehr durch die unglückselige Einrichtung des Regulierungsbureaus*) 
gestärkt, gar bald die Führung der ganzen Bewegung. Es waren drei Firmen, welche 
dieses unselige Kleeblatt bildeten, das so viel Schaden über Magdeburg brachte. Mit, 
wenigstens von einer Seite, erheblichen Mitteln ausgerüstet, hatten sie sich füv diese 
Hausseoperation verbunden, kauften jedes angebotene Quantum und trieben die Preise 
täglich. Sie scheuten sich nicht, selbst zu den höchsten Preisen noch Quanten von 
50 000 Sack aufzunehmen, um die künstlich getriebenen Preise zu halten. Die stets 
erfolgende Auszahlung der erheblichen, eigentlich nur auf dem Papier, nicht in 
Wirklichkeit erzielten Gewinne gab ihnen immer neue Mittel, ihre Unternehmungen 
stets weiter und größer auszuspinnen. Wenn ein Geldbedarf eintrat, inszenierten 
sie eine neue Steigerung. Da die offiziellen Notierungen die gemachten Geschäfte 
berücksichtigen mußten und für die Abrechnungsstelle maßgebend waven, brachte 
ihnen jede Steigerung neue Mittel durch die ihnen ausgezahlten Differenzen aus 
ihre schwebenden großen Quanten. So mußten ihre unglücklichen Verkäufer selbst 
ihnen die Mittel liefern, ihre Treibereien bis ins Ungemessene fortzusetzen. Es war 
in jener Zeit, als ob ein Taumel weite Kreise ergriffen hätte. Man hörte von großen 
Gewinnen, die an der Zuckerbörse gemacht waren. Ladeninhaber, Handwerker und 
Beamte wollten spekulieren, Zucker kaufen und verdienen. An den etwaigen Ver 
lust dachte niemand; es war ja so einfach, man kaufte und verkaufte einige Tage 
später und hatte das Geld zu einer Badereise! Gewissenlose Leute fanden sich 
leider, die solche Aufträge der Börse zuführten, die Treiberei verstärkten und so 
manchem bitteren Verlust brachten. 
Doch diese unnatürliche Übertreibung einer sonst an sich in müßigen Grenzen 
vollberechtigten Spekulation mußte zusammenbrechen und brach entsetzlich zusammen. 
Als der Lieferungstermin herangekommen war, wurden die vom Haussekonsortium 
gekauften Quanten meist in effektiver Ware geliefert, während die Haussiers darauf 
rechneten, daß die Verkäufer die ihnen verkaufte Ware ganz oder doch großenteils 
von ihnen zurückkaufen mühten, wobei sie dann die Preise zu diktieren gedachten. 
Namentlich das Ausland, welches in der Hauptsache gegen sie Verkäufer war, war 
bestrebt, alles in effektiver Ware zu liefern. Österreich sandte, was es irgend hatte, 
von England wurden deutsche und österreichische Zucker zurückbeordert, wir selbst 
erhielten für Pariser Verkäufe belgischen und französischen Zucker, und so brach das 
ganze Kartenhaus zusammen. Der totale Ruin der Spekulanten und vieler kleiner 
Firmen war da, aber mit ihm der große Verlust auch der solidesten und sich von 
jeder Spekulation fernhaltenden Häuser. Denn ein jeder hatte Engagements nach 
allen Seiten und erlitt zahlreiche Verluste, während er selbst als Kommissionär durch 
das übernommene Delkredere seinen Hintermann voll decken mußte. Hätte man alle 
diese Verbindlichkeiten durch Verbuchung bei einer Liquidationskasse von sich ab 
wälzen können, so würde der solide Handel ohne Schaden aus dieser Katastrophe 
hervorgegangen sein, die bloße Spekulation hätte freilich dabei auch untergehen 
müssen, aber in dem Momente, als sie am Ende ihres eigenen Kapitals war, ehe 
*) Pileta. a. 0. S. 52: „Bei dem Regulierungsbureau mußten alle Engagements an 
gemeldet werden. Dieselben wurden in regelmäßigen Zwischenräumen auf den Tagespreis ge 
stellt, und jeder, für den sich ein Verlust ergab, mußte denselben einzahlen. Man machte 
aber den großen Fehler, dessen gefährliche Tragweite freilich zunächst nicht hervortrat, daß 
man denen, deren Kontrakte einen Gewinn ergaben, diesen herauszahlte, so daß die einge 
zahlten Verluste und Gewinne sich saldierten." — G. M.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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