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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

136 Zweiter Teil. Handel. V. Handelsunternehmung rc. 
Bücher die freie Vertragsmäßigkeit als ein wesentliches Merkmal der Kartelle. Ver 
bände, die nicht aus freier Vereinbarung der Kontrahenten entstanden sind, sind keine 
Kartelle. Daher und auch ihrer umfassenderen Zweckbestimmung wegen sind die 
mittelalterlichen Zwangsorganisationen der Zünfte und dgl. nicht mit ihnen zu 
vergleichen. In den Gilden könnten noch am ersten Anklänge an die heutigen Kar 
telle gefunden werden. Aber ursprünglich waren sie bloße Schutzverbände, und, wenn 
sie allerdings auch Preisvereinbarungen statuierten, traten auch bei ihnen die mono 
polistischen Tendenzen doch immerhin zurück hinter dem gesellschaftlichen und reli 
giösen Charakter dieser Vereinigungen. Die Preisvereinbarungen zwischen ihren 
Mitgliedern lassen sich vielleicht in ähnlicher Weise erklären, wie heute die Zusammen 
künfte der Unternehmer in den Fachvereinen den Anstoß zu den Kartellen geben 
können. Alle diese mittelalterlichen Organisationen dienten in erster Linie der Er 
haltung des ganzen Standes und seiner nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch poli 
tischen Machtstellung: sie sind größtenteils aus sozialen Zwecken hervorgegangen. 
Was dagegen heute die Unternehmer in den Kartellen zusammenführt, ist das indivi 
duelle Gewinninteresse, das in der Gemeinschaft mit anderen die größte Möglichkeit 
seiner Befriedigung erkennt. Die Tatsache, daß die heutigen Kartelle vorzugsweise 
auf dem Gebiete der Produktion bestehen, beweist, daß sie erst in der neuesten Zeit 
entstanden sind. Denn wie lange ist es her, daß sich der Konkurrenzkampf, dieser 
Hauptentstehungsgrund der Unternehmerverbände, auf dem Gebiete der Produktion 
in höherem Maße geltend machte? Solange er nur ein temporärer war, die Produk 
tionsunternehmer nur gleichsam zufällig durch das Zusammentreffen auf demselben 
Markte in Konkurrenz traten, war an Vereinbarungen zwischen ihnen nicht zu denken: 
die Kartelle entstehen erst bei ständiger Konkurrenz. Daher werden die ersten Kartelle 
in denjenigen Produktionszweigen entstanden sein, in denen die natürlichen Produk 
tionsbedingungen schon frühzeitig eine solche ständige Konkurrenz ermöglichten, wie 
das im Bergbau infolge der eng begrenzten Lagerstätten der betreffenden Naturpro 
dukte der Fall ist, zumal hier auch die örtliche Konzentration Vereinbarungen wesent 
lich erleichtert. Die ältesten bisher bekannt gewordenen Kartelle sind die aus den acht 
ziger Jahren des 18. Jahrhunderts datierenden Vereinbarungen der Kohlengruben 
besitzer am Tyne und Wear. Diese Kartelle sind nach Cohn zustande gekommen, um 
die Regellosigkeit der Kohlenproduktion zu beseitigen, die zur Folge hatte, daß die 
Gruben mit höheren Produktionskosten nicht fortarbeiten konnten, also anscheinend 
infolge heftigen Konkurrenzkampfes und Unterbietens in den Preisen. 
Ein Zeitraum von ca. 50 Jahren liegt zwischen jenen ersten uns bekannt ge 
wordenen Kartellen und den Zweiten Erscheinungen dieser Art, und zwar ist es 
jetzt Deutschland, das ein höchst eigenartiges Kartell in den dreißiger Jahren aufweist. 
1836 wurde nämlich zwischen den staatlichen und den beiden privaten Alaunfabriken 
Preußens ein Kartell geschlossen, das bis zum Jahre 1844 bestand. In den zwanziger 
Jahren sollen auch schon Versuche gemacht worden sein, ein Kohlenkartell in Westfalen 
zustande zu bringen. Aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wird auch 
von einem Verbände nordenglischer Reeder berichtet, die gemeinsame Frachtsätze 
vereinbarten. Im übrigen sind uns Kartelle aus jener Zeit nur in Frankreich bekannt 
geworden. Claudio-Iannet erwähnt Verbände von Transport- und Versicherungs 
anstalten aus den dreißiger und vierziger Jahren. 1838 entstand ein Kartell franzö 
sischer Sodafabrikanten, welches als Auftragskontingentierung eingerichtet war und 
bestimmte Preise festsetzte. Eine Überproduktion scheint die Veranlassung zu dem 
selben gewesen zu sein, denn es wurden auf Kosten des Verbandes einige Fabriken 
stillstehend gehalten. 1842 wurde die 8ooi6tck ellnrdonnitzro cke ln T-oira gegründet, 
die von Proudhon erwähnt wird. Hier ist es der heftige Konkurrenzkampf gewesen, 
der die Unternehmer zur Kontingentierung der Aufträge und zur Regelung der Pro-
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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